Newsticker

RKI meldet erneut mehr als 2500 neue Corona-Infektionen in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Prickelnder Melodien-Cocktail

22.06.2009

Prickelnder Melodien-Cocktail

Bad Wörishofen (iss) - "Season of the night". Schon der Titel dieses Stückes aus der Feder der bekannten amerikanischen Jazz-Harfinistin Deborah Henson-Conant ließ erahnen, dass es kein Harfenkonzert im üblichen Sinne werden würde. Was da im ausverkauften Kurtheater recht jazzig und poppig über die Bühne ging, mauserte sich zu einem Augen- und Ohrenschmaus, fernab von aller Haus- und Stubenmusik. Das Publikum war restlos begeistert und applaudierte dem Damensextett "Age of harp" mit Händen und Füßen.

Wie die sechs jungen Harfenistinnen betrat auch die Kurverwaltung mit dieser Veranstaltung ganz neue musikalische Pfade. "Age of harp" für eine Konzertreihe im Kulturdreieck Mindelheim, Türkheim und Wörishofen zu engagieren, erwies sich als ausgesprochener Glücksfall. Die sechs gut gelaunten Mädels entlockten ihren Instrumenten Klänge, die so gar nichts von lieblich, weich oder altmodisch hatten. Sie entrissen der Harfenmusik ihr verstaubtes Klischee und präsentierten einen prickelnden Melodien-Cocktail mit vielen musikalischen Gegensätzen. Locker und leicht kamen die Zupfpassagen von den Pulten. Erstaunlich, mit welcher Fingerfertigkeit da gespielt wurde.

Mühelos ließ die junge Gruppe alle Glocken läuten, schlug galaktische Töne an, entführte die Besucher in die "Fabelhafte Welt der Amelie", knüpfte bei dem Stück "Romantica" jazzig-zarte Bande und führte vor, dass auch die Filmmusik aus "Mission Impossible" viele guten Saiten hat und man mit der Harfe auch die Puppen spanischen Tango tanzen lassen kann. Doch damit hatte "Age of harp" sein Pulver noch lange nicht verschossen. Ein Highlight jagte das nächste. "X-Periment" skizzierte nach Noten einen zerstreuten Professor im Chemielabor und "Wake up - Bossa" entpuppte sich als "Harfengaudi auf der Alm". Der große Clou kam zum Schluss: Aus Liebe zum Kochen zauberte das Sextett auf dem E-Herd "Startline" ein klingendes Menü. Da klatschten die Besucher gleich mehrmals in die Hände. Dass die jungen Harfinistinnen barfüßig auftraten, war kein PR-Gag, sondern hatte ausschließlich technische Gründe. Ohne Strümpfe und Schuhe lassen sich die Pedale der Instrumente feinfühliger bedienen. Geräuschlos wird so auch deutlich, wie sechs Harfen mit Schlagzeug und Bass harmonieren.

Die Harfe - ein feminines Instrument

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

"Age of harp" führte auf beeindruckende Weise vor, wie man die klassische "Lyra" ganz anders spielt. Dass sich meist nur Damen für das Harfenspiel interessieren, erklärt Christine Pemsl, die Leiterin der Gruppe, als Zeitphänomen. "Die Harfe gilt heute offenbar als feminines Instrument".

Das Harfensextett wurde 1995 in der Musikschule Friedberg gegründet. Schnell führte die Musiklehrerin Christine Pemsl ihre Schülerinnen im Alter von 9 bis 12 Jahren zur Bühnenreife. Heute musiziert "Age of harp" in vierter Generation. In der Harfenklasse am Gymnasium St. Stephan in Augsburg findet sich immer begeisterter Nachwuchs.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren