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Bad Wörishofen

18.06.2019

Prozess um Totschlag: Zeugen berichten von Gewaltorgien

Im September 2018 sollen drei Männer im ehemaligen Kurhotel in Bad Wörishofen einen Bekannten zu Tode geprügelt haben. Die Verhandlung wird am 3. Juli fortgesetzt.
Bild: Max Kramer

Plus Im Prozess gegen drei Männer, die in Bad Wörishofen einen Mann getötet haben sollen, zeichnen Zeugen ein grausames Bild - besonders von einem Angeklagten.

Der dritte Verhandlungstag ist gerade vorbei, als die Polizeibeamten den 33-jährigen Angeklagten aus dem Landgericht Memmingen bringen wollen. Doch auf dem Flur vor Saal 132 warten seine Eltern, die kleine Eskorte macht kurz Halt. Der Tatverdächtige nimmt beide kurz in die Arme, plaudert mit ihnen, lacht. Für einen kurzen Moment wirkt er zufrieden. Dabei war die Verhandlung im Prozess gegen drei Männer, die im vergangenen September in Bad Wörishofen einen Bekannten zu Tode geprügelt haben sollen, alles andere als zufriedenstellend für den jüngsten Angeklagten verlaufen.

Ihm wird neben der Anklage wegen gemeinschaftlichen Totschlags zusätzlich vorgeworfen, den Bruder seiner damaligen Freundin brutal niedergeschlagen zu haben. Die Vorwürfe beziehen sich auf den 28. September – also wenige Wochen nach der Tat von Bad Wörishofen und kurz vor der Festnahme des Angeklagten.

Ein Opfer beschreibt den Angeklagten vor dem Memminger Landgericht als gewalttätig

Das 40-jährige Opfer dieses Angriffs zeichnete vor Gericht ein grausames Bild vom 33-jährigen Angeklagten. Zwar hätten beide auch „Spaß miteinander gemacht“, so der Mann. Mehrmals sei es aber auch zu Streit zwischen beiden gekommen.

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Der 40-Jährige sagte weiter aus, der Ex-Freund seiner Schwester habe ihn einige Monate vor der Attacke ohne ersichtlichen Grund bedroht, etwa mit den Worten „Ich reiß’ dir die Kehle raus“ oder „Ich schlachte dich mit einem Messer ab“.

Nach den Schilderungen des Zeugen beließ es der Angeklagte aber nicht bei Worten. So sei der wegen Körperverletzung vorbestrafte Mann nach einem Streit mit seiner damaligen Freundin zu ihm gefahren. Die beiden Männer seien zum Rauchen auf den Balkon gegangen. Dort habe ihn der alkoholisierte Angeklagte bewusstlos geschlagen und in die Wohnung geschleift. Aufgewacht sei er erst am nächsten Tag, jedoch mit zusätzlichen Verletzungen an Armen, Beinen und Oberkörper. Woher diese stammten, könne er sich nicht erklären. Auch der Neffe der Ex-Freundin des Angeklagten sagte vor dem Schwurgericht aus und erklärte, dass der 33-Jährige betrunken oft Streit suche. „Er geht nur auf Schwächere los.“ Besonders schockiert habe ihn aber ein Video, das die Ex-Freundin des Angeklagten am ersten Verhandlungstag erwähnt hatte.

Im ehemaligen Kurhotel in Bad Wörishofen kam es oft zu Streit

Der Mann berichtete von grausamen Details, die dort zu sehen gewesen seien. So habe der Angeklagte im Beisein „zwei oder drei“ weiterer Männer zu Beginn des Videos auf das spätere Todesopfer eingeschlagen. „Dann hat er ihm eine echte Bombe gegeben“, schilderte der Zeuge die Eindrücke des Videos. Der Mann sei nach dem heftigen Faustschlag auf eine Couch gefallen, wo ihm der Angeklagte nochmals einen Schlag versetzt habe. Der 33-Jährige habe anschließend das linke Ohr des wehrlosen Opfers schwer verletzt und direkt in die Kamera gelacht. Es sei viel Blut geflossen, doch die Männer im Raum hätten „gefeiert“.

Ein ähnlich blutige Szenerie bot sich der Polizei am Tatort. Wie ein Beamter vor Gericht sagte, habe man die Kellerwohnung des ehemaligen Kurhotels „bis an die Zimmerdecke“ mit Blutspuren übersät vorgefunden. Darunter seien jedoch auch ältere Blutspuren gewesen – der Polizeibeamte schloss: „Es muss dort öfter mal zu einer Auseinandersetzung gekommen sein.“ In dieser letzten, tödlichen habe das Opfer auf einem Stuhl gesessen, wo es „traktiert“ worden sei. Nachdem es tot war, versuchten die Täter demnach, Tatort und Leiche mit Wasser zu reinigen – und zwar so, dass der Teppichboden noch bei der Ankunft der Polizei komplett durchnässt gewesen sei. Angesichts der schweren Verletzungen des Mannes hätte es dort viel mehr Blut geben müssen, so der Beamte. Es sei aber nur teilweise festzustellen gewesen.

Blutspuren in Bad Wörishofen führten die Polizei zu den drei Tatverdächtigen

Dafür aber an entscheidenden Gegenständen – so etwa an einem durchnässten Handtuch im Zimmer des ältesten Angeklagten, der direkt daneben wohnte. Oder an den Turnschuhen des jüngsten Tatverdächtigen, die die Polizeibeamten später im Müll seiner Eltern fanden. Oder auch an den Schuhen des dritten Angeklagten. Beweise, die die drei Männer auf die Anklagebank führten.

Ein Zeuge, der möglicherweise für weitere Aufklärung hätte sorgen können, äußerte sich unterdessen zurückhaltend. Der Mann, der zwei Jahre im ehemaligen Kurhotel wohnte und sowohl die Angeklagten als auch das Todesopfer kannte, war am Morgen nach der Tat angerufen worden – vom jüngsten Tatverdächtigen. Dieser habe gesagt, er habe den Toten gefunden und gefragt, was jetzt zu tun sei. „Ich habe geantwortet: ’Polizei anrufen.’ Das war alles.“ Die beiden telefonierten daraufhin mehrmals, auch an den folgenden Tagen. Worum es dabei ging? „Um nichts, wir haben einfach so über das Leben geredet.“ Eine Antwort, mit der sich Richter Christian Liebhart nicht zufrieden geben wollte, schließlich sei die Situation damals durchaus außergewöhnlich gewesen. Doch auch auf Nachfrage blieb der Mann bei seiner Version. Als der den Saal verließ, nickte ihm der jüngste Angeklagten zu – und grinste.

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