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Bad Wörishofen

28.02.2019

Rathaus verkaufen und ins Kloster ziehen?

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Das Kloster der Dominikanerinnen liegt im Herzen Bad Wörishofens. In den Räumen ist auch das Kneipp-Museum untergebracht. Auch das Mehrgenerationenhaus hat dort seine Heimat.
Bild: Markus Heinrich

Mit seinem Vorstoß hat Bürgermeister Gruschka weite Teile des Stadtrates überrascht. Rückendeckung kommt vom Sprecher der Freien Wähler.

Soll die Stadt das marode Rathaus verkaufen und ins Kloster der Dominikanerinnen umziehen? Diese Frage steht im Raum, seit Bad Wörishofens Bürgermeister Paul Gruschka (FW) diese Möglichkeit in der Mindelheimer Zeitung erörtert hat. „Mich hat die Ankündigung des Verwaltungsumzuges ins Kloster sehr überrascht, weil darüber ohne Beschluss lediglich einmal in nichtöffentlicher Sitzung gesprochen wurde“, sagt dazu Stefan Ibel, der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Stadtrat. Die Sozialdemokraten, die Freien Wähler und die Grünen haben sich bislang auf eine Nachfrage unserer Zeitung an die Stadtratsfraktionen zu dem Thema geäußert, zudem Claus Thiessen von der FDP, der einen eigenen Vorschlag ins Spiel bringt.

Auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Doris Hofer sagt, Gruschkas Vorstoß habe sie „überrascht, denn bisher wurde ausschließlich nicht-öffentlich beraten.“

Rückendeckung erhält der Bürgermeister derweil von Wolfgang Hützler, dem Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler im Stadtrat. „Aus meiner Sicht dürften entsprechende Signale bei den Beratungen des Haushaltplanes 2019 zu erwarten sein“, sagt Hützler und kündigt an: „Ich persönlich werde dafür stimmen, dass die Vorstellungen des Bürgermeisters, das Rathaus in das Kloster zu verlegen, weiter verfolgt und entsprechende Mittel in den Haushalt eingestellt werden.“ Gruschkas Vorstellungen „zur zukünftigen Nutzung des Klosters als Rathaus“ seien der Fraktion der Freien Wähler bekannt.

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Welche Rolle die Machbarkeitsstudie in Bad Wörishofen spielt

Hützler sagt aber auch, dass man keinen Fraktionszwang ausübe. Die Mitglieder der Fraktion könnten „ihre Entscheidungen nach ihrem Gewissen und unter Beachtung von Recht und Gesetz treffen.“ Wichtig sei aber, so Hützler, dass die Machbarkeitsstudie abgeschlossen „und der Sanierungsbedarf für das Rathaus festgestellt“ werde, damit weitere Entscheidungen getroffen werden können. „Mit der Nutzung des ehrwürdigen Klosters als Rathaus kann eine zweckmäßige Verbindung zwischen zu erhaltendem, historisch bedeutsamen Baubestand, moderner Verwaltung und ansprechendem Begegnungsort erreicht werden“, findet Hützler.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Stefan Ibel sagt, er sei bei der Sitzung, in der es um Rathaus und Kloster ging, nicht dabei gewesen. Zudem halte er sich „im Gegensatz zum Bürgermeister an die Vertraulichkeit von nichtöffentlichen Sitzungen.“ Generell stehe er diesem Projekt aber „aus verschiedenen Gründen äußerst skeptisch gegenüber“, sagt Ibel. Er sei zudem der Meinung, dass „über das Eigentum und Verfügungsrecht anderer Leute nicht in dieser Weise, um ein Wahlkampfthema zu haben, verhandelt werden darf.“

Die Grünen wünschen sich Alternativen für das Rathaus von Bad Wörishofen

Doris Hofer sagt, nach Ansicht der Grünen sei Gruschkas Vorhaben „noch weit weg von einer Beschlussreife.“ Noch seien zu viele Fragen ungeklärt.

„Dass das Thema Rathaus angepackt werden muss, daran besteht aus meiner Sicht kein Zweifel“, sagt Hofer. Die Grünen wünschen sich aber eine breitere Entscheidungsgrundlage. „Um zu beurteilen, ob das Rathaus im Kloster die beste Lösung wäre, würden wir es begrüßen, wenn alternative Vorschläge zum Rathaus zur Diskussion stünden.“ Diese jedoch gebe es derzeit nicht, berichtet Hofer.

Eine Alternative zur künftigen Nutzung des Klosters bringt derweil Claus Thiessen (FDP) ins Spiel. Ein Umzug der Stadtverwaltung in das Gebäude sei „Unsinn“, findet Thiessen. Zumal er das Rathaus nicht für abbruchreif halte. Man könne das Gebäude durchaus „reparieren“, wie Thiessen sagt. „Das Kloster dagegen eignet sich viel besser für eine Akademie.“ Bad Wörishofen könnte so Impulse setzen für Technik, die das Leben von Senioren erleichtert. Hier wäre sogar eine Kooperation mit der Technikerschule möglich, findet Thiessen.

Gruschka hatte den möglichen Verkauf des Rathauses und einen Umzug ins Kloster ins Gespräch gebracht, als er seine erneute Kandidatur für das Bürgermeisteramt verkündete. Im Jahr 2020 stehen wieder Kommunalwahlen an. Gruschka hatte dazu bereits einige Themen vorstellt, um die er sich in den nächsten Jahren gerne kümmern will. Ganz weit oben steht da die Zukunft des Klosters im Herzen der Stadt, das ja sozusagen die Keimzelle des Aufstiegs Bad Wörishofens zur Kurstadt war. Niedergeschrieben ist das in der sogenannten Wörishofer Logik: Ohne Dominikanerinnenkloster kein Sebastian Kneipp. Ohne Sebastian Kneipp keine Kneipp-Kur – und ohne Kneipp-Kur kein Bad Wörishofen.

Wenn im Jahr 2021 der 200. Geburtstag Kneipps gefeiert wird, kann Bad Wörishofen gleichzeitig das 300-jährige Bestehen des Klosters begehen.

„Da unsere hochgeschätzten Dominikanerinnen älter werden, gilt es auch über die Zukunft des Klostergebäudes nachzudenken“, sagte Gruschka. Bereits vor seiner Amtszeit habe die Stadt Vereinbarungen getroffen. Er habe zwischenzeitlich dem Stadtrat vorgeschlagen, mit der „Rathausverwaltung ins Kloster umzuziehen und zur Finanzierung das Rathaus zu verkaufen“, berichtete Gruschka. „Räumlich wäre es machbar“, sagte er, dazu gebe es eine erste Untersuchung.

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