1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Raub und Bandendiebstahl: Angeklagter packt aus

Unterallgäu

20.11.2019

Raub und Bandendiebstahl: Angeklagter packt aus

Vor dem Memminger Amtsgericht musste sich ein 24-jähriger Mann verantworten.
Bild: Werner Mutzel

Plus Der 24-jährige Angeklagte arbeitet nach einem Überfall mit dem Gericht zusammen - und profitiert.

Wie positiv sich ein Geständnis gleich zum Prozessauftakt auf die Strafzumessung auswirken kann, zeigt sich bei einer Verhandlung vor der Jugendkammer des Amtsgerichts. Darin geht es für einen 24-jährigen Deutsch-Russen um nicht weniger als um Raub und schweren Diebstahl als Mitglied einer Bande, um gefährliche Körperverletzung und diverse Drogendelikte.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Gerade erst hat Staatsanwältin Sarah Hartleib die Anklage verlesen, da bittet Verteidiger Moritz Bode aus Augsburg um ein „Rechtsgespräch“. Also begeben sich Jugendrichter Markus Veit, seine beiden Schöffen, die Staatsanwältin, die beiden Verteidiger – der Angeklagte wird neben Wahlverteidiger Bode auch noch von Pflichtverteidiger Thomas Braun vertreten – in einen Nebenraum. Was dort besprochen wurde, erschließt sich den Zuhörern, als die Beteiligten in den Sitzungssaal zurückkommen. Veit freut sich sichtlich: Der Angeklagte macht Angaben zu seinen bislang unbekannten Mittätern.

In Mindelheim nahm sich der Mann etwa 3000 Euro aus der Kasse einer Netto-Filiale

Vor mehr als fünf Jahren stiehlt er zusammen mit zwei Bekannten etwas über 3000 Euro aus der Registrierkasse einer Netto-Filiale in Mindelheim. Zwei Monate später versuchen die drei das Gleiche bei einer Norma-Filiale in Friedberg. Die dortige Kassiererin aber wehrt sich und wirft sich schützend über die Kasse. Also prügeln die drei Räuber auf sie ein. Die Beute beträgt gerade einmal 250 Euro.

Raub und Bandendiebstahl: Angeklagter packt aus

Weil der Angeklagte nur einen der Mittäter namentlich kennt und auch nur dessen Vornamen, werden noch im Gerichtssaal erste Ermittlungen aufgenommen. Mit Hilfe des Mobiltelefons von Rechtsanwalt Braun, der bei Facebook recherchiert, und Anfragen beim Einwohnermeldeamt kann ein Mittäter zweifelsfrei identifiziert und sein aktueller Wohnsitz ermittelt werden.

Soll man gleich die Polizei hinschicken? Richter Veit hält es für richtig, dass Staatsanwältin Hartleib einen Haftbefehl beantragt.

Mittäter auf Facebook gefunden - und die Zeugin erkennt ihn wieder

Die Stimmung im Sitzungssaal wird noch ein klein wenig besser, als die Kassiererin aus Friedberg, die als Zeugin gehört wird, den auf einem Facebook-Foto Gefundenen als Mittäter wiedererkennt.

Dann geht alles recht schnell. Zu den Rauschgiftdelikten findet keine Beweisaufnahme mehr statt. Sie fallen laut Veit sowieso nicht groß ins Gewicht, zumal eine „Gewerbsmäßigkeit“, wie in der Anklage unterstellt, nicht in Betracht komme. Während die Eigentumsdelikte schon 2014 begangen wurden, soll der Angeklagte in den Jahren 2017 und 2018 mit Marihuana gehandelt und dabei das eine oder andere Mal auch Rauschgift an Minderjährige abgegeben haben. Der Angeklagte habe sich positiv verändert, sagt Veit. „Ich kenne ihn schon lange. Früher hat er viel Mist gebaut, jetzt aber ist er auf einem guten Weg.“

Zum Zeitpunkt der Eigentumsdelikte ist der Angeklagte erst 19 Jahre alt und damit im juristischen Sinne „Heranwachsender“. Staatsanwältin und Verteidiger sprechen sich daher für die Anwendung des Jugendstrafrechts aus.

Der Mann wird zu einer zweijährigen Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt

Nach kurzer Beratung mit seinen Schöffen verkündet Richter Veit das Urteil: Zwei Jahre Jugendstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Dazu kommen 200 Stunden gemeinnützige Arbeit. Als „Wertersatz“ für die Tatbeute sind 3890 Euro zu zahlen. Außerdem erhält die Kassiererin, die bei dem Überfall Verletzungen an der Wirbelsäule erlitt, ein Schmerzensgeld in Höhe von 500 Euro.

Die Strafe sei „vertretbar“, auch weil die Taten lange zurückliegen, insbesondere aber wegen des Geständnisses, stellt Jugendrichter Veit im Rahmen der Urteilsbegründung klar. Auf Rechtsmittel wird verzichtet. Das Urteil ist rechtskräftig.

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren