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Memmingen

30.03.2020

Raus aus den unattraktiven Sparverträgen - aber wie?

Banken dürfen unter Umständen unbefristete Sparverträge kündigen.
Bild: Alexander Kaya

Plus Ein Urteil erlaubt es Banken, unbefristete Sparverträge zu kündigen. Warum die hiesige Sparkasse einen anderen Weg geht.

Ein Wort wie „Negativzins“ war vor 30 Jahren ein Ding der Unmöglichkeit. Fünf bis acht Prozent und manchmal sogar darüber hinaus zahlten die Banken fürs Ersparte. Niemand vermochte sich jemals vorzustellen, dass es einmal eine Zeit geben wird, in denen Banken Geld dafür zahlen müssen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank deponieren.

Anfang der 90er Jahre hatten viele Sparkassen und Genossenschaftsbanken neue Sparprodukte entwickelt und an den Markt gebracht. Bei der Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim war das das S-Prämiensparen. Damit sind besondere langfristige Anlageformen gemeint. Dirk Peters, Abteilungsleiter Vertriebsmanagement bei der Memminger Sparkasse und stellvertretendes Vorstandsmitglied spricht von „Prämiensparflexibelverträgen“.

Es gibt dabei eine Basisverzinsung und am Jahresende einen Bonuszins. Die Rechnung geht nur bei positiven Zinsen auf. Diese unbefristeten Sparverträge wurden erst mit dem Negativzins zum Problem. Am 14. Mai 2019 hat der Bundesgerichtshof BGH entschieden, dass unbefristete Sparverträge seitens des Kreditinstituts gekündigt werden können, sofern die höchste Prämienstufe erreicht ist. Das Urteil stammt vom XI. Zivilsenat (XI ZR 345/18). „Das BGH bestätigt mit seinem Urteil final die Auffassung der Kreditinstitute, dass die Negativzinsphase einen wirksamen Kündigungsgrund darstellt“, sagt Peters im Gespräch mit der MZ.

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Das steckt hinter dem Vorgehen der Memminger Sparkasse

Nach dem Grundsatzurteil haben viele Kreditinstitute im ganzen Bundesgebiet dieses höchstrichterliche Urteil zum Anlass genommen, betroffene Verträge zu beenden. Bei den Raiffeisen- und Genossenschaftsbanken im Unterallgäu ist man diesen Schritt nicht gegangen. Die langjährigen Kundenbindungen sind den Banken wichtiger. Bei Neukunden allerdings legen immer mehr wert darauf, dass nicht nur Geld angelegt wird, sondern dass die Bank auch ihren Vorteil hat. Ansonsten müssen die Kunden mit Negativzinsen rechnen. Bei einzelnen Geldhäusern vom ersten Euro an.

Bei der Sparkasse Memmingen-Mindelheim-Lindau geht man einen anderen Weg. „Wir thematisieren mit unseren Kunden diese Verträge“, sagt Peters. Konkret werden von den 130.000 Sparkassenkunden jene 5000 gezielt angesprochen, die solche alten Prämiensparverträge haben. Die Sparkasse will den Kunden den Umstieg aufs Wertpapiergeschäft und eigene Sparprodukte erleichtern. Der hiesigen Sparkasse ist die langjährige Kundenbeziehung wichtiger als die rechtssichere Kündigung, betont Peters. Junge Kunden seien zum Beispiel gut beraten, wenn sie auf gut gestreute Fonds umstiegen. Langfristig habe eine Investition in Wertpapiere nie im Minus gelegen. Obwohl die Aktien derzeit im Zusammenhang mit der Corona-Krise spürbar nachgegeben haben, liegen sie immer noch auf dem Niveau von vor eineinhalb Jahren.

Ein gewisses Risiko sei bei Aktien aber immer dabei, räumt Peters ein. „Wir wollen Sparringspartner unserer Kunden sein“, so der stellvertretende Vorstand der Sparkasse. Die beste Lösung für die Kunden sei das Ziel. Dabei sollen zugleich die möglichst unwirtschaftlichen Anlageformen aus Sicht der Bank wegfallen.

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