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Umwelt

27.02.2020

Rettet die Bienen! Aber nicht in Irsingen?

Bienen und ihre Imker haben es in Irsingen ohnehin schon schwer genug, weiß Hobby-Imker Manfred Canci, der elf Bienenvölker in seinem Garten pflegt.
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Bienen und ihre Imker haben es in Irsingen ohnehin schon schwer genug, weiß Hobby-Imker Manfred Canci, der elf Bienenvölker in seinem Garten pflegt.

Hobby-Imker Manfred Canci ist stocksauer: Die Akazien in der Dorfmitte wurden aus seiner Sicht viel zu radikal zurückgeschnitten. Bürgermeister Kähler verweist auf zahlreiche Maßnahmen zum Umwelt- und Insektenschutz

Elf Bienenvölker betreut Hobby-Imker Manfred Canci auf seinem großen Grundstück an der Irsinger Dorfstraße. Seit gut zehn Jahren geht er in diesem Hobby auf und freute sich sehr, als der Schutz der Bienen auch mit einem Volksbegehren in die Bayerische Verfassung Eingang fand.

Umso größer war für ihn der Schock, als er vergangene Woche zu seinem Anwesen in der Dorfstraße in der Irsinger Ortsmitte fuhr: Mitarbeiter des Bauhofes der Gemeinde Türkheim waren damit beschäftigt, die neun Akazienbäume an der Friedhofsmauer zu stutzen. Für dem Imker war das aber des Guten viel zu viel: „Es ist kein einziger Ast mehr dran, es steht nur noch der Stamm mit einem Gerippe oben. Die Bäume werden Jahre brauchen, bis sie sich von dem Radikalschnitt erholt haben“, schüttelt der Hobby-Imker den Kopf.

Und das ausgerechnet in Irsingen, wo die Verhältnisse für Imker ohnehin schwierig seien: „Irsingen ist nicht gerade der idealste Standort für die Bienenhaltung“, sagt Canci: Im Süden jede Menge Maisfelder und Wiesen, wo „keine einzige Blume mehr blüht“. Im Westen „Rapsfelder, die unter Umständen gespritzt“ werden. „Zum Glück haben wir im Osten unsere Wertach-Auen und im Dorf Bäume, die Bienen willkommen heißen wie Kastanie, Linde und Obstbäume.“

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Dazu gehörten auch die neun Akazien in der Dorfmitte: „Wenn die Bäume geblüht haben, war es nur so eine Freude, tausende fleißige Bienen zu beobachten, wie sie sich an den Akazienblüten nützlich machen“, so Canci: „Zigtausende Bienen und Insekten konnten sich an dem reich gedeckten Tisch bedienen.“

Damit werde es aber vorerst vorbei sein, befürchtet Canci. Viel zu radikal sei der Baumschnitt durch die Mitarbeiter des Bauhofes ausgefallen. Eigentlich müsste eine Akazie überhaupt nicht geschnitten werden, sagt Canci. Als er die Mitarbeiter der Gemeinde gefragt habe, warum sie das denn überhaupt machen, wurde ihm nur gesagt, dass der „Befehl von ganz oben“ gekommen sei und dass es um das Laub gehe. Canci will zudem erfahren haben, dass sich Irsinger Bürger über das von den Bäumen fallende Laub beschwert hätten, das dann auf den Gräbern auf dem Friedhof liegen bleibe. Ob er wisse, wer genau sich da beschwert habe, wollte er nicht verraten.

Der aus seiner Sicht zu radikale Baumschnitt ärgert ihn sehr: „Für die Natur ist an der Friedhofsmauer Schluss, und wenn sie sich nicht daran hält, wird sie mit Gewalt in die Knie gezwungen. In diesem Fall mit Sägen“, so Canci.

Bürgermeister Christian Kähler erklärte auf Nachfrage der Mindelheimer Zeitung, dass die Bäume „alle paar Jahre im Rahmen der Baumpflegemaßnahmen“ zurückgeschnitten werden, und das sei eben auch in diesem Fall so gewesen.

Dass der Naturschutz in Türkheim nicht groß genug geschrieben werde oder gar an der Friedhofsmauer ende, wollte Kähler aber nicht auf sich und seiner Gemeinde sitzen lassen. Das Gegenteil sei der Fall, betonte der Rathauschef und verwies darauf, dass sich die Marktgemeinde Türkheim im Februar 2019 mit der Umsetzung des Blühpakets in Zusammenarbeit mit dem LPV beschäftigt habe.

Bereits 2018 habe Türkheim dazu Voruntersuchungen machen lassen. „Wir haben sieben größere Flächen, die bereits umgesetzt sind, und erst vor Kurzem wurden in Abstimmung mit Herr Franke über mögliche weitere Flächen gesprochen“, weist Kähler den Vorwurf zurück, die Gemeinde würde den Umweltschutz nicht ernst genug nehmen.

„Wir wollen dauerhafte Blühflächen im Gemeindegebiet schaffen“, betont er. Auch wurde ja zuletzt die Erstellung des Gewässerentwicklungskonzeptes beschlossen (MZ berichtete), was eine weitere Maßnahme für den Umwelt- und Insektenschutz sei.

Auch Ilse Fischer aus Irsingen ärgert sich darüber, dass im Dorf schon jetzt Mäharbeiten stattfinden: „Warum müssen die Straßenränder dauernd ganz klein gehalten werden?“ Sie hatte Arbeiter beobachtet, die entlang der Hauptstraße „mit einem Kleinbagger die letzten Grasaufkommen wegreißen“.

Früher seien teilweise noch karge Wegwarten durchgekommen, weiß sie: „Jetzt ist wohl auch damit endgültig Schluss. Und in der Hartstraße werden schon jetzt „alle Gräslein abgemäht“, ärgert sich die Irsingerin. Auch der Hügel beim Kreuz beim Feuerwehrhaus sei schon gemäht worden.

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