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MZ-Jahresrückblick 2020

05.01.2021

Rückblick: Widerstand in Türkheim verhindert Wasserkraftwerk

So idyllisch lieben die Türkheimer „ihre“ Wertach am sogenannten Walterwehr – und so idyllisch soll es auch bleiben. Zumindest wenn es nach dem Willen des Gemeinderates geht, der sich jetzt mit großer Mehrheit für einen Planungsstopp des an dieser Stelle geplanten Wasserkraftwerkes ausgesprochen hat.
Foto: Wilhelm Unfried (Archiv)

Plus Das umstrittene Wasserkraftwerk an der Wertach wird doch nicht gebaut. Warum der Betreiber im Juli einen Rückzieher machte.

Jubel im Juli bei den Wertachfreunden: Das am Walterwehr an der Wertach bei Türkheim geplante und in der Bevölkerung heftig umstrittene Wasserkraftwerk wird nicht gebaut. Thomas Liepold, Geschäftsführer der Bayerischen Landeskraftwerke GmbH (LaKW), teilte für viele überraschend mit, dass das Unternehmen „die Planungen zum Bau der Wasserkraftanlage am Walterwehr aufgegeben“ habe.

Als Grund gab Liepold an, dass sich „jetzt überraschend“ die Rahmenbedingungen für den Bau kleinerer Wasserkraftwerke geändert“ hätten.

Rahmenbedingungen stoppen Bau des Kraftwerks

In seiner Mitteilung weist Liepold zwar auch darauf hin, dass die LaKW „seit mehreren Jahren“ den Bau eines Wasserkraftwerkes am Walterwehr plane. „Bei einer Reihe von Informationsveranstaltungen, Ortsterminen und Besprechungen haben wir das Projekt mit den Beteiligten und der Bevölkerung teils sehr kontrovers diskutiert“, so Liepold. Mit dem neuen Kraftwerk habe die LaKW auch eine Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Wertach insbesondere für Fische wiederherstellen wollen.

Doch nicht die Proteste der Wertachfreunde oder der jüngste Beschluss des Gemeinderates gegen den geplanten Bau des Wasserkraftwerkes habe den Planungsstopp zur Folge gehabt, sondern die geänderten Rahmenbedingungen. Er „würde den örtlichen Gegnern des Projekts den Erfolg durchaus gönnen“, meinte Liepold. Doch die Proteste hätten „zumindest keinen direkten Einfluss auf die Entscheidung“ gehabt.

Wertachfreunde sehen Erfolg

Für Leo Rasch von der Wertachfreunden war es dennoch ein Erfolg, den sich vor allem die Kraftwerksgegner und damit weite Teile der Türkheimer Bevölkerung auf die Fahnen schreiben können. Was letztlich wirklich den Ausschlag für den Planungsstopp gegeben habe sei unterm Strich zweitrangig, so Rasch: „Wir sind alle sehr erleichtert, das zähe Ringen in den vergangenen vier Jahren hat sich also wirklich gelohnt“, so Rasch.

Entsprechend war die Freude bei den Wertachfreunden und allen Unterstützern „riesengroß“: Als die Wertachfreunde die Neuigkeit auf ihrer Homepage veröffentlicht hatten („Oh happy day ...“), stand das Telefon bei Rasch nicht mehr still. Immer wieder meldeten sich erleichterte Türkheimer, die sich freuen und sich bei Rasch und seinen Wertachfreunden für ihre Hartnäckigkeit und Konsequenz in der Haltung gegen das Wertach-Wasserkraftwerk bedankten.

So soll es nun an der Wertach bei Türkheim weitergehen

Noch Mitte Juni hatte die Landeskraftwerke GmbH (LaKW) nicht am Bau eines Wasserkraftwerkes am Walterwehr an der Wertach rütteln lassen und wies die entsprechende Forderung der Wertachfreunde energisch zurück: „Als Landeskraftwerke, aber auch persönlich, halte ich den geplanten Bau des Kraftwerks unverändert für sinnvoll und notwendig. Wir werden die Planung weiterverfolgen und sind gespannt auf die Reaktionen im Genehmigungsverfahren“„, so LaKW-Geschäftsführer Thomas Liepold damals gegenüber unserer Zeitung.

Nach dem Ausstieg der Landeskraftwerke wird das Wasserwirtschaftsamt Kempten die Planung für die Schaffung der Fischdurchgängigkeit am Walterwehr als Vorhabensträger übernehmen. Dabei sollen noch einmal alle technischen Möglichkeiten für einen Fischaufstieg konzeptionell durchdacht und mit den Beteiligten diskutiert werden. Gesucht werde eine „Lösung, die technisch funktioniert, möglichst ökologisch gestaltet wird, wirtschaftlich vertretbar ist und möglichst von allen Beteiligten akzeptiert wird“, so das Wasserwirtschaftsamt.

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