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Pilotprojekt

06.05.2014

Rückenwind für die Energiewende

Peter Satzger vom Bund Naturschutz in Landsberg (rechts) hat das Modell geschaffen und vorgestellt.
Bild: Stoll

An der Berufsschule Mindelheim werden Auszubildende in einem bayernweit einmaligen Wahlfach zu „Jungbotschaftern für Energieeffizienz“ ausgebildet

Karl Geller ist Lehrer mit Leib und Seele. Er ist aber auch ein Mensch mit Visionen, der seit vielen Jahren seine ganz private Energiewende lebt. Sein Privathaus zum Beispiel ist ein frühes Energiesparwunder. Jetzt hat der Studiendirektor gemeinsam mit seinem Kollegen Wolfgang Ramerth ein neues Projekt angestoßen, das der Energiewende Beine machen soll. Geller traf mit seiner Idee an seiner Schule, der staatlichen Berufsschule in Mindelheim, ebenso auf offene Ohren wie bei der Industrie- und Handelskammer für Augsburg und Schwaben (IHK) sowie bei der Regierung von Schwaben.

Konkret hat Geller ein Pilotprojekt angestoßen, das im Idealfall auf ganz Bayern ausstrahlen wird. Auszubildende der Berufsschule Mindelheim verschiedener Fachrichtungen überlegen in einem auf drei Jahre angelegten Wahlfach, wie Betriebe Energie effizienter einsetzen können. Techniker sind ebenso dabei wie Gastronomen, Landwirte, Kaufleute. Die jungen Leute sollen „Jungbotschafter für Energieeffizienz“ werden und so in den Betrieben Impulse geben. Die Kurse finden an zwölf Abenden jeweils von 19 bis 21.30 Uhr statt.

Die Mindelheimer Berufsschule will am Ende Empfehlungen abgeben, wie die Inhalte dieses Wahlfaches in den allgemeinen Lehrplänen aller Berufe einfließen können. Zum Auftakt des Pilotprojekts sagte Georg Renner von der Regierung von Schwaben: „Je besser die Öffentlichkeit die Notwendigkeit akzeptiert, desto schneller wird die Energiewende kommen.“ Letztlich sind es weniger technische Herausforderungen als Blockaden in den Köpfen, die gemeistert werden müssen.

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Um eine veränderte Einstellung gehe es, um Verständnis für die Notwendigkeit der Energiewende, sagte Regierungsvertreter Renner, der selbst aus Mindelheim stammt. Der Wahlkurs soll Wege aufzeigen, wie man die Energiewende am besten an junge Menschen heranbringt.

Karl Geller sagte: „Wir übernehmen Verantwortung.“ Seiner Einschätzung nach sei dies bei vielen in der Bevölkerung noch nicht angekommen. „Wir haben diese Leute nicht ausgebildet, jetzt fehlen sie in allen gesellschaftlichen Gruppen.“ In der Schule erfahre er für seine Ideen durch die Schulleiter Reinhard Vetter und Peter Fischer einmalige Unterstützung, betonte er.

Der Kurs, der jetzt in Mindelheim entwickelt wird, soll später an jeder bayerischen Schule möglich sein. Um die Herausforderungen der Energiewende spielerisch deutlich zu erleben, sollen drei Modelle von Energiedörfern gezimmert werden, die auf Peter Satzger vom Bund Naturschutz in Landsberg zurückgehen. Hier helfen Wolfgang Ramerth und Jugendliche ohne Ausbildung mit sowie Asylbewerber, die an der Berufsschule unterrichtet werden. Sie wollen diese Modelle bauen. Mit einem solchen Modell kann gezeigt werden, wie sich die Energiebilanz eines Dorfes verändert, wenn etwa ein Solarfeld oder ein Windrad gebaut wird. Letztlich versetzen sich die jungen Leute in die Rolle von Gemeinderäten, die ihr Dorf fit für die Energiewende machen.

Bei allem Einsatz: Das Projekt kostet auch Geld. Die IHK hat knapp 100 000 Euro bereit gestellt. Für die drei Dorfmodelle sind jeweils 19 000 Euro vonnöten, die Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer aus Mitteln seines Ressorts zusagte.

Der Vizepräsident der IHK Schwaben, Hermann Kerler, räumte ein, dass vor allem kleinere Betriebe noch zu wenig energieeffizient geführt werden. Kerler zeigte sich auch als Leiter des Energieteams Unterallgäu dankbar für die Initiative.

Landrat Hans-Joachim Weirather sagte, die Energiewende werde nur funktionieren, wenn der Funke auf die nächste Generation überspringe. Er verwies auf die Anstrengungen des Landkreises für die Umwelt – von beinahe oder Passivhausstandard für Schulbauten. Rund 50 Prozent des Stromverbrauchs im Unterallgäu stamme inzwischen aus erneuerbaren Quellen wie Sonne, Wind und Biomasse.

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