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Mindelheim

16.01.2019

Schafkopf: Vom Pausenfüller zum Lernstoff?

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Nico Natterer, Veronika Hörmann, Miriam Bernhard und Michael Sturm (von links) spielen gerne Schafkopf. Trotzdem finden sie es aber völlig unnötig, das Spiel in den Lehrplan aufzunehmen.
Bild: Sandra Baumberger

Was vier Schüler des Mindelheimer Maristenkollegs von dem Vorschlag halten, das Kartenspiel in den Lehrplan aufzunehmen.

Früher – und so lange ist das in diesem Fall nun auch wieder nicht her – wäre der Bayerische Philologenverband wahrscheinlich gar nicht auf die Idee gekommen, dass Schüler das Schafkopfen in der Schule lernen sollten. (Mehr dazu lesen Sie hier: Warum Lehrer für das Schafkopfen an Schulen kämpfen )

Da haben sie es dort nämlich noch gespielt: Am Mindelheimer Maristenkolleg zumindest gab es – schon lange bevor der Philologenverband das Thema für sich entdeckt hat – einen Wahlkurs Schafkopfen und außerdem in einer Ecke des Kollegiatenzimmers immer mindestens einen, oft sogar zwei Tische, auf die die Schüler in den Freistunden ihre Karten schlugen, neben sich ein Schälchen für das Kleingeld, das bei dieser Gelegenheit verzockt wurde.

Die Schüler haben Schafkopfen zuhause gelernt

Heute gibt es Wahlkurs und Tische in dieser Form zwar nicht mehr, wohl aber noch ein paar Oberstufen-Schüler, die das Spiel beherrschen – oder sich wie Veronika Hörmann aus der Q11 aufrichtig darum bemühen. „Ich bin in der Lernphase. Ich kann’s nicht so wirklich“, sagt sie mit einem breiten Grinsen. Der Opa wollte es ihr beibringen, hat dann aber kapituliert und auch ein Kurs beim Ferienprogramm brachte noch nicht den Durchbruch. Trotzdem will die 17-Jährige nicht aufgeben. Schon, um künftig auch Mitspielen zu können, wenn nach der Musikprobe eine Schafkopf-Runde zusammenkommt. Die war auch für Miriam Bernhard aus der Q12 mit ein Grund, die Schafkopf-Kenntnisse wieder aufzufrischen, die sie schon vor Jahren von ihrem Papa erworben hat, als im Urlaub Langeweile aufkam. Nico Natterer, der schon an mehreren Preisschafkopfen teilgenommen hat, verdankt sein Können ebenfalls seinem Vater und bei Michael Sturm war es die Oma, die den Enkeln zumindest die Grundregeln beibrachte, weil sie überzeugt war: „Schafkopfen müsst ihr lernen!“

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Dass sich das lohnt, finden auch die vier Schüler: „Es macht Spaß, aber man muss auch mitdenken und sich konzentrieren. Es hängt mit einer Strategie zusammen und ist nicht ausschließlich Glück. Und die Zeit geht so schnell vorbei“, findet Miriam und Nico ergänzt: „Es ist jedes Mal ein anderes Spiel. Manchmal glaubt man, man gewinnt sicher und verliert trotzdem“, was Veronika mit einem ergebenen „So ist es bei mir immer“ quittiert. Alle vier schätzen auch die Geselligkeit, die so eine Kartenrunde mit sich bringt. Bei aller Begeisterung für das Spiel finden sie den Vorschlag, Schafkopf in den Lehrplan aufzunehmen, dann aber doch einigermaßen abwegig.

Anderes wäre den Mindelheimer Schülern wichtiger als Schafkopf

„Da gibt es wirklich anderes, das wichtiger wäre“, sagt Nico. Zum Beispiel das Zehnfinger-System auf der Computertastatur, um die anstehenden Seminararbeiten nicht im Adler-Suchsystem bewältigen zu müssen. Oder insgesamt etwas weniger Theorie und dafür mehr Praxisbezug.

Michael befürchtet außerdem, dass der Spaß auf der Strecke bleiben könnte, wenn Schafkopf nicht mehr nur ein Spiel, sondern Teil des Unterrichts werden sollte und Miriam vermutet, dass sich der Philologenverband mit seinem Vorschlag einfach nur ins Gespräch bringen wollte. „Ich weiß nicht, wie die drauf kommen, dass weniger Junge schafkopfen“, sagt sie. „Und ich weiß auch nicht, welche Werte mir beim Schafkopfen vermittelt werden sollen. Es macht mir halt Spaß.“

Der Mindelheimer Rektor bietet Schafkopf-Crash-Kurse an

Rektor Gottfried Wesseli, selbst ein großer Schafkopf-Freund, findet dagegen schon, dass beim Schafkopfen „Soft-Skills“ gefördert werden. „Man muss aus dem gegebenen Blatt das beste rausholen.“ Und man muss – wenn man nicht gerade ein Solo spielt – mit einem anderen zusammenspielen. Deshalb habe das Spiel auch einen stark kommunikativen Aspekt – und für ihn, der es seinerzeit als Ministrant gelernt und dann jeden Tag im Bus auf dem Weg zur Schule gespielt hat, außerdem großen Charme. Allerdings gilt das auch für andere Spiele: Skat zum Beispiel oder auch Schach. Und genau deshalb fände er es auch schwierig, nur Schafkopf in den Lehrplan aufzunehmen – auch wenn eine „Beheimatung in unserer Kultur“ schon wichtig sei.

Deshalb bietet er den Schülern immer mal wieder Crash-Kurse im Schafkopf an. „Die Grundlagen, dass man überhaupt zum Spielen kommt, kann man in einer Viertelstunde gut vermitteln.“ Danach empfiehlt es sich freilich, fleißig zu spielen und so zu üben. Verbissen sollte es allerdings auch nicht betrieben werden, findet Gottfried Wesseli. Denn schließlich soll das Spiel ja vor allem eines: Freude machen.

Er selbst tritt einmal im Jahr beim Schafkopfturnier der Freiwilligen Feuerwehr in Bad Wörishofen an und vielleicht ja auch bei dem Turnier, dass die Schülermitverantwortung in diesem Schuljahr wieder plant. Anders als sonst werden dann auch Miriam, Veronika, Michael und Nico um Geld spielen – für den guten Zweck, versteht sich: Der Erlös fließt an Misereor.

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