Newsticker

Höchster Stand seit Mai: Robert-Koch-Institut meldet 1226 Corona-Neuinfektionen
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Schlechter Religionsunterricht als „Schlüsselerlebnis“

Bad Wörishofen

31.07.2020

Schlechter Religionsunterricht als „Schlüsselerlebnis“

Pfarrer Gundolf Schattenmann genießt seinen Ruhestand. Seine Passion war immer auch die Musik.
Bild: Maria Schmid

Plus Gundolf Schattenmann war acht Jahre lang Pfarrer in der Erlöserkirche. Noch immer erinnert er sich gerne an seine „schönste Pfarrstelle“. Am heutigen Freitag feiert er seinen 80. Geburtstag.

Wenn das alte Pfarrhaus aus Aufhausen an der Kessel nur aus seiner langen Geschichte erzählen könnte! Heute ist es das evangelisch-lutherische Pfarramt Aufhausen & Forheim im Landkreis Donau-Ries. Doch damals, im Jahre 1822, erlebte es den Neubau der Martinskirche.

Am 31. Juli 1940 erblickte Gundolf Schattenmann das Licht der Welt

Die alte Kirche St. Martin von 1177 war durch einen Brand zerstört worden. Durch den Neubau der Kirche kam auch neues Leben in das kleine Pfarrdorf. Der damalige Pfarrer bekam in dem Pfarrhaus seinen Sohn Wilhelm Vocke, den späteren Bundesbankpräsidenten.

Am 31. Juli 1940 war es dann Gundolf Schattenmann, der in diesem Pfarrhaus das Licht der Welt erblickte.

Schlechter Religionsunterricht als „Schlüsselerlebnis“

Sein Vater, ein Evangelisch-Lutherischer Pfarrer, hatte hier seine erste Pfarrstelle angetreten. Dem kleinen Gundolf schien es in die Wiege gelegt worden zu sein, ebenfalls Pfarrer zu werden, denn nicht nur sein Vater, sondern auch sein Großvater und sein Urgroßvater waren Pfarrer.

Doch bis er als Pfarrer in die Ev. Luth. Kirchengemeinde, die Erlöserkirche, nach Bad Wörishofen kam, war es ein langer und für ihn sehr interessanter und abwechslungsreicher Lebensweg. Der Pfarrer i. R. genießt nun zu seinem 80. Geburtstag nach seiner „schönsten Pfarrstelle“ (1995-2003) auch in Bad Wörishofen den wohl verdienten Ruhestand.

Doch zunächst besuchte der kleine Gundolf die Schule im Dorf Aufhausen. Er ging auf die Gymnasien in Öttingen und Windsbach und besuchte neun Jahre ein Internat für Alte Sprachen. Alle drei Wochen, von Samstagnachmittag (vormittags war noch Unterricht) bis zum Sonntagabend. Gundolf Schattenmann wollte eigentlich nicht Pfarrer werden und studierte zunächst Germanistik und Theologie, später nur Theologie, da es zu einem Schlüsselerlebnis kam: „Am Gymnasium habe ich einen so schlechten Religionsunterricht erlebt, dass ich es besser machen wollte. So bewirkte etwas Schlechtes etwas Gutes.“

Später habe man es ihm immer wieder bescheinigt - er habe es besser gemacht. Seinen Dienst begann er 1966 als Vikar in Bamberg. Er wurde 1968 als Pfarrer ordiniert und war 1970 bis 1975 auf seiner zweiten Pfarrstelle in der Auferstehungskirche in Nürnberg-Fürth, anschließend von 1975 bis 1995 Pfarrer in Treuchtlingen (Mittelfranken). In Bad Wörishofen gefiel ihm besonders die Kombination zwischen der Erwachsenenbildung und der vielen guten Musik.

Ja, die Musik, die hatte es ihm schon als Kind angetan. Gerne erinnert sich Gundolf Schattenmann an den Blockflötenunterricht im Alter von zehn Jahren. Acht Jahre blieb er dem Instrument treu. Beim Studium kamen Klavier und Orgel hinzu. Während seiner Amtszeit jedoch blieb dieses Hobby auf der Strecke - einfach zu wenig Zeit. Doch nun, im Ruhestand, sind es gleich mehrere Blockflöten, auf denen er sehr gerne spielt.

Die Musik war und ist die Leidenschaft von Gundolf Schattenmann

Dafür nahm er wieder Unterricht bei Katrin Lapsit-Hanel, einer Lehrkraft der Irmgard Seefried Sing- und Musikschule Bad Wörishofen. Und das mit inzwischen virtuosem Können. Bei einem Auftritt in der Wallfahrtskirche St. Rasso in Untergammenried lernte er bei einem Konzert sein Vorbild Silvia Berchtold aus Landsberg kennen. Er ist begeistert von ihrem Können. Sie gewann 2017 den renommierten internationalen Blockflötenwettbewerb MOECK/SRP in London, bei dem sie bereits 2015 Finalistin war.

Gundolf Schattenmann hat zwei Söhne und zwei Töchter. Sie und seine Enkelkinder hat er nicht nur selbst getauft sondern auch konfirmiert. Auch bei den Taufen kommt sein Blockflötenspiel bestens an, vor allem dann, wenn ein Enkelkind sich erst beruhigt, wenn er es durch sein Spiel besänftigt wird.

Gundolf Schattenmann bedauert sehr, dass seine Frau Traudl nicht mehr mit ihm und den Kindern und Enkelkindern seinen besonderen Geburtstag feiern kann. Sie starb vor fünf Jahren. Sie war eine klassisch evangelische Pfarrfrau, die zugunsten des Berufes ihres Mannes ihren eigenen Beruf aufgegeben hatte, ihm in den langen Dienstjahren stets zur Seite stand und auch darüber hinaus in der Erlösergemeinde hilfreich tätig war.

Und wie sieht es mit der fünften Generation eines Pfarrers in der Familie Schattenmann aus? Nun, einen weiteren Pfarrer gibt es nicht, allerdings eine Religionslehrerin.

Lesen Sie dazu auch: Zum Schluss ist er geblieben

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren