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Mindelheim

07.01.2019

Schnee überall: Von Lust und Frust des Wintereinbruchs

War hier nicht ein Auto geparkt? In Pfaffenhausen musste der Eigentümer dieses Wagens erst einmal die Schneeschaufel auspacken, bevor er losfahren konnte.
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War hier nicht ein Auto geparkt? In Pfaffenhausen musste der Eigentümer dieses Wagens erst einmal die Schneeschaufel auspacken, bevor er losfahren konnte.
Bild: Johann Stoll

Rekordverdächtigem Schneeräumen folgten rekordverdächtig viele Beschwerden in Mindelheim. Der Forstbetrieb warnt Spaziergänger davor, Wälder zu betreten.

Der Leiter des Mindelheimer Bauhofs ahnte gestern schon um 5 Uhr morgens, was dieser Tag bringen wird: Anrufe im Zwei-Minuten-Takt. Genau so ist es dann auch gekommen, weil es bei Schneefall immer so ist. Von „rekordverdächtigen Beschwerden“ sprach Helmut Huber. Dabei hatten die Mitarbeiter des Mindelheimer Bauhofs ein rekordverdächtiges Räum-Wochenende hinter sich gebracht. Acht eigene Fahrzeuge und ein weiteres im Auftrag waren 14 Stunden in zwei Schichten im Dauereinsatz. Nur nachts von 20 bis 4 Uhr pausierten die Fahrer.

Die Räumfahrzeuge kamen kaum durch die Mindelheimer Wohnstraßen

5 Zentimeter Schnee war in der Nacht auf Samstag gefallen. 18 Zentimeter waren es tags zuvor, wie der Mindelheimer Wetterbeobachter Hans-Peter Schneider erfasst hat. Der Winterdienst hat sich zunächst auf die Räumung der Hauptstraßen konzentriert. Später kamen am Samstag die Wohngebiete dran inklusive aller Ortsteile. Dort kam es laut Huber immer wieder zu Problemen, weil Räumfahrzeuge durch parkende Autos stark behindert wurden. „Teilweise konnten wir nicht hineinfahren.“

Der Schnee war wegen der milden Temperaturen mit Wasser voll aufgesogen und deshalb ungewöhnlich schwer. Das merkte jeder sehr schnell, der eine Schneeschaufel in die Hand nahm und sich abplagen musste. Die Schneedecke war aber noch nicht so hoch, dass sie bereits eine Gefahr für Flachdächer dargestellt hätte.

In den Wäldern war die Lage schon kritischer. Immer wieder mussten Feuerwehren wegen umgestürzter Bäume ausrücken und so Straßen wieder freiräumen. In Kronburg war das der Fall, in Guggenberg, Haitzen, Woringen, Bad Wörishofen, Wolfertschwenden, Hawangen, Bedernau, Mindelau, Ottobeuren und Hawangen. Den Bäumen machte nicht nur die schwere Schneelast zu schaffen. Sie waren auch durch die Trockenzeit des vorigen Sommers geschwächt.

Der Forstbetrieb Ottobeuren warnt Spaziergänger eindringlich vor dem Betreten der Wälder

Der Forstbetrieb Ottobeuren warnte unterdessen vor dem Betreten der Wälder. Vielfach habe es schon Schneebruch gegeben. Der angekündigte weitere Schneefall drohe, die Situation zu verschärfen, teilte Forstbetriebsleiter Hermann S. Walter mit.

Folgen hatte der Wintereinbruch auch auf den Straßen. Wegen nicht angepasster Geschwindigkeit war es zu mehreren Verkehrsunfällen gekommen (wir berichteten), auch auf der Autobahn A96. Schwer verletzt worden war ein 26-Jähriger, der am Freitagabend mit seinem Wagen zwischen Mindelheim und Mattsies die Kontrolle über seinen Wagen verloren hatte und gegen einen Baum gekracht war.

Die Autofahrer haben sich zwischenzeitlich auf die Wetterlage eingestellt. Es kam nur noch zu kleineren Unfällen. Auf der A 96 bei Mindelheim in Fahrtrichtung München geriet am Sonntag gegen Mittag ein 30-Jähriger mit seinem Pkw auf nasser Fahrbahn ins Schleudern und nach rechts von der Fahrbahn ab.

Das Fahrzeug überschlug sich und kam auf dem Dach liegend zum Stehen. Ebenfalls zur Mittagszeit verlor ein 24-Jähriger auf der A 96 bei Bad Wörishofen in Fahrtrichtung München bei Schneeregen die Kontrolle über sein Fahrzeug. Der Pkw landete im Grünstreifen auf der rechten Fahrzeugseite liegend, berichtete die Autobahnpolizei Memmingen. Während bei beiden Verkehrsunfällen ein Gesamtsachschaden von rund 10 000 Euro entstand, blieben beide Fahrzeugführer unverletzt. Die beiden Unfallfahrzeuge waren nicht mehr fahrbereit und mussten abgeschleppt werden.

06.01.2019, Bayern, Siegsdorf: Umgestürzte Bäume liegen am Rand der verschneiten Autobahn A8 bei Siegsdorf und die Fahrzeuge werden an der Engstelle vorbeigeleitet. Foto: Bernd März/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Lawinen, Staus, Behinderungen - Szenen eines Winter-Wochenendes
Bild: Ralf Lienert, Karl-Josef Hildenbrand, Tobias Hase, Bernd März

Alle, die gestern angesichts der milderen Temperaturen gehofft hatten, der Winterspuk könnte schon wieder vorbei sein, warnte Wetterexperte Hans-Peter Schneider. Am heutigen Dienstag werden die Temperaturen zwar leicht im Plus liegen. Niederschläge fallen also als Regen oder Schneeregen. In der Nacht auf Mittwoch wird es aber wieder kälter. Dann ist mit Glätte, Schnee und Schneematsch zu rechnen. Wie viel letztlich liegen bleibt, vermag Schneider derzeit nicht vorherzusagen. Aber es wird Neuschnee geben. Diese Wetterlage werde bis Freitag anhalten.

Hans-Peter Schneider betreibt seit 15 Jahren die Mindelheimer Wetterstation (Hier geht's zu seiner Homepage). Entstanden war das Projekt in einer Zeit, als der Deutsche Wetterdienst noch sehr wenige regionale Vorhersagen machte. Unwetterwarnungen sind dank des Einsatzes von Schneider für die Region heute viel genauer. Solche Winter gab es übrigens immer wieder. Nur in den vergangenen Jahren habe offenbar so mancher vergessen, dass es in unseren Breiten auch einen Winter geben könne, sagte Schneider. Weil der Verkehr auf den Straßen aber stark zugenommen hat, fällt es nicht jedem Autofahrer leicht, sich auf die veränderten Straßenverhältnisse einzustellen.

Der Wintereinbruch hat aber auch seine vielen schönen Seiten. Vor allem Kinder freuten sich zum Ende der Winterferien, dass an der Schwabenwiese ausgiebig gerodelt und Schneemänner und Iglus gebaut werden konnten. Herbeigesehnt haben den Schnee auch alle Wintersportfreunde. In Warmisried können sich die Langläufer wieder in die Spur begeben oder skaten. Der Rundkurs ist frisch bereitet.

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