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Schnerzhofen

08.08.2019

Schnerzhofens einziger Verein feiert: "Stopsel hui!"

Den Vorsitzenden des Stopselclubs Schnerzhofen, Michael Unglert (links), und seine Frau Sylvia bringt ein „Stopsel hui!“ nicht in Bedrängnis: Sie haben den Stopsel stets griffbereit im Geldbeutel. Michael Unglerts Vater Johann, der den Verein vor 60 Jahren mit gegründet hat, kann ebenfalls gelassen bleiben: Er ist inzwischen stopselloses passives Mitglied.
Bild: baus

Zwei Tage lang feiert Schnerzhofens einziger offizieller Verein Geburtstag. Zur Feier werden gut zehnmal so viele Gäste erwartet, wie der Ort Einwohner hat.

Am kommenden Wochenende wächst Schnerzhofen über sich hinaus: Gut 1000 Besucher erwartet der hiesige Stopselclub zu seiner zweitägigen Geburtstagsfeier – und damit rund zehnmal so viele Menschen wie sonst in dem kleinen Ort leben. Die Feierlichkeiten zum 60-jährigen Bestehen des einzigen offiziellen Vereins von Schnerzhofen beginnen am Samstag, 10. August, mit dem Auftritt der Band „Mixtape“. Bei schönem Wetter präsentiert sie ihre „Forever Young Rocknight“ unter freiem Himmel und sonst im Zelt bei der Festhalle. Einlass ist ab 20 Uhr, los geht es um 21.15 Uhr. Am Sonntag, 11. August, gestaltet der Kirchenchor den Festgottesdienst um 10 Uhr, beim anschließenden Frühschoppen sorgt Max Pfluger für Unterhaltung. Für die Kinder gibt es kostenloses Kinderschminken und eine Hüpfburg.

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Und mit etwas Glück bekommen die Besucher auch einmal ein „Stopsel hui“ zu hören. Ruft ein Vereinsmitglied einem anderen diese Aufforderung zu, hat der Angesprochene umgehend einen Stopsel vorzuzeigen. Freilich nicht irgendeinen und schon gar nicht den Stöpsel der heimischen Badewanne, sondern eine auf den ersten Blick recht unscheinbare, etwa einen Zentimeter hohe Holzscheibe mit rund 1,5 Zentimeter Durchmesser. Klein genug eben, um diesen Stopsel, auf dessen Rand „Stopselclub Schnerzhofen“ eingraviert ist, jederzeit mitführen zu können. Denn wer nach einem „Stopsel hui“ keinen Stopsel vorweisen kann, ist dran: Dann werden 50 Cent für die Vereinskasse fällig.

Am Anfang waren die Auflagen beim Stopselclub Schnerzhofen streng

„Früher waren es 50 Pfennige“, erklärt Johann Unglert, eines der 14 Gründungsmitglieder des Stopselclubs und damals dessen erster Vorsitzender. „Das war damals viel Geld. Dafür hat man eine Halbe Bier bekommen.“ Auch die Auflagen waren in den Anfangsjahren noch strenger: Während man früher bei jeder Gelegenheit – sei es beim Milchschütten in der Käskuch, auf dem Feld, beim Wirt oder sogar in der Kirche – damit rechnen musste, den Stopsel vorzeigen zu müssen und deshalb gut daran tat, ihn rund um die Uhr bei sich zu haben, durfte ab 1970 nur noch bei öffentlichen Veranstaltungen und auch nur noch einmal am Tag „Stopsel hui“ gerufen werden. Mittlerweile gibt es sogar stopsellose passive Mitglieder, was zur Gründungszeit vermutlich ebenso undenkbar gewesen wäre wie die Tatsache, dass der Verein irgendwann seinen 60. Geburtstag feiern würde.

Schnerzhofens einziger Verein feiert: "Stopsel hui!"

Der sollte ursprünglich ohnehin kein Stopsel-, sondern ein Pfeifen-Club werden. Weil die Zahl der Raucher unter den jungen Männern in Schnerzhofen aber sehr überschaubar war, ließ sich Johann Unglert schließlich von einem Mitschüler an der Landwirtschaftsschule inspirieren – und vom Stopselclub Breitenbrunn, in dem dieser Mitglied war. „Da sind wir gemeinsam hingefahren und das hat uns so gut gefallen, dass wir das auch gemacht haben. Als Junger will man ja was auf die Füße stellen“, sagt Johann Unglert und fügt beinahe entschuldigend hinzu: „Es gibt halt welche, die was unternehmen wollen und da gehör’ ich halt auch dazu.“

Der Schnerzhoener Stopselclub hat sogar ein Vereinslied

Deshalb und weil es bis dato in Schnerzhofen wenig gab, wo die jungen Männer etwas hätten unternehmen können, gründeten sie den Verein, dessen Zweck mit Freundschaftspflege und Geselligkeit vermutlich am besten umschrieben ist. Im Vereinslied, das Erna Stadler 1963 auf der Heimfahrt von einem Ausflug ins italienische Jesolo gedichtet hat und das Johann Unglert nach kurzem Überlegen recht textsicher anstimmt, heißt es jedenfalls im Refrain: „Der Stopsel, der Stopsel ist schuld daran, dass man nicht heimgehen kann.“ Etwa von den Clubabenden, Faschingsbällen, Wald- und Dorffesten oder auch den Weihnachtsfeiern mit Christbaumversteigerung, die der Verein in den vergangenen 60 Jahren neben einigen Ausflügen organisiert hat.

Seit 1981 dürfen dem ursprünglichen „Männer-Club“ auch Frauen beitreten – und sogar dessen Geschicke lenken: Über viele Jahre hinweg war Beate Lutzenberger die Vorsitzende des Vereins, der inzwischen 104 Mitglieder zählt – und damit nur acht weniger als das Dorf aktuell Einwohner hat. Viele leben längst anderswo, sind dem Verein aber stets treu geblieben, dem der jetzige Vorsitzende, Johann Unglerts Sohn Michael, gerne wieder mehr Leben einhauchen würde. Schließlich soll es dem Stopslclub Schnerzhofen nicht so ergehen wie dem Vorbild aus Breitenbrunn: Dort ist das „Stopsel hui“ längst Geschichte.

Das Festprogramm in Schnerzhofen

  • Samstag, 10. August: „Forever Young Rocknight“ mit Mixtape ab 21.15 Uhr, Einlass ab 20 Uhr
  • Sonntag, 11. August: Festgottesdienst mit dem Kirchenchor ab 10 Uhr, anschließend Frühschoppen, Mittagstisch sowie Kaffee und Kuchen mit Max Pfluger; Ehrung langjähriger Mitglieder; kostenloses Kinderschminken und Hüpfburg für Kinder.
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