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12.03.2009

Schock nach der blutigen Tragödie von Winnenden

Mindelheim/Winnenden (jsto) - 17 Tote, die meisten von ihnen 16 und 17 Jahre jung - das ist die schockierende Bilanz eines Amoklaufs, der sich gestern am Vormittag in der Nähe von Stuttgart ereignet hat. Die fürchterliche Nachricht aus Winnenden, dass ein 17-jähriger ehemaliger Schüler einer Realschule wild um sich geschossen und zahlreiche Schüler in den Tod gerissen hat, verbreitete sich gestern wie ein Lauffeuer.

Geschockt reagierten die Schulleiter von Maristenkolleg und Maria-Ward-Schule auf die Nachricht. Direktor Franz Filser (Gymnasium des Maristenkollegs) sagte in einer ersten Stellungnahme, dass wohl keine Schule vor einer solchen Tragödie gefeit ist. Um zu verhindern, dass ein aktueller Schüler bewaffnet die Schule betritt, "müsste man wie an einem Flughafen eine Schleusenkontrolle einführen". Dass so etwas kaum denkbar ist, weiß auch der Direktor des Gymnasiums, das zu den größten Bayerns gehört. Schulfremde sind an seiner Schule gehalten, sich sofort im Sekretariat zu melden. Jeder Fremde werde von Kollegen auch sofort angesprochen, ob man ihm helfen könne. Ein Patentrezept, eine solche Katastrophe zu verhindern, gebe es aber nicht, so Filser.

Nach dem Amoklauf von Erfurt im Jahr 2002, bei dem 16 Menschen den Tod gefunden hatten, war am Maristenkolleg wie in vielen anderen Schulen auch das Sicherheitskonzept überarbeitet worden. Es gibt einen Katastrophenplan, aus dem hervorgeht, wie im Ernstfall zu verfahren sei, erläuterte Filser, etwa wie die Polizei und ein Einsatzkommando zu verständigen sind. Dies sei aber zweitrangig, weil in jedem Fall versucht werden müsse, so etwas zu verhindern.

Nach einer solchen Tat beschleiche die Lehrer ein mulmiges Gefühl. "Jeder fragt sich, könnte mir das morgen auch passieren?", so Filser. Er sei sehr betroffen und müsse erst einmal tief durchatmen.

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Die Schulleiterin der Maria-Ward-Realschule, Rosa Ritter, sagte, sie sehe die Schulen insofern gefordert, als sie darauf achten müssten, Schüler und Schülerinnen, die sich in Schwierigkeiten befinden, Hilfe zu geben. Die Tragödie von Erfurt ist Ritter noch sehr präsent. Ihr war dies noch sehr lange nahegegangen.

Seit Jahren schon findet sie es falsch, dass Gewaltdarstellungen im Fernsehen, bei Computerspielen und im Internet nicht stärker Einhalt geboten wird. "Das spottet jeder Beschreibung", sagte Ritter. Für alles Mögliche würden Gesetze gemacht. Hier müssten sich die Verantwortlichen endlich Gedanken machen, was sie unseren Jugendlichen in der Medienwelt zur Verfügung stellen wollen und was nicht. Die Eltern sind ihrer Ansicht nach damit überfordert.

Auch an der Maria-Ward-Realschule wurde nach Erfurt intensiv über die Sicherheit nachgedacht. Eine Konsequenz war: In jedem Klassenzimmer gibt es ein Telefon, um im Zweifel Hilfe herbeirufen zu können.

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