1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Schwangerschaftstest für die Bachmuschel in Erkheim

Erkheim

18.06.2019

Schwangerschaftstest für die Bachmuschel in Erkheim

Die Bachmuschel ist vom Aussterben bedroht. Deshalb wird untersucht, wie und ob sie sich im Unterallgäu vermehrt.
Bild: Weber

Experten haben am Falchengraben in Erkheim untersucht, ob die bedrohte Bachmuschel trächtig ist. Was sie nach dem Massensterben 2016 jetzt herausgefunden haben.

Es war eine Art Schwangerschaftstest für die Bachmuscheln: Die Experten Dr. Susanne Hochwald und Ortwin Ansteeg sowie Stefan Striegl von der Fischereifachberatung Salgen haben im Auftrag des Landschaftspflegeverbandes Unterallgäu eine Trächtigkeitskontrolle und eine Elektrobefischung im Falchengraben in Erkheim durchgeführt.

Bachmuscheln benötigen für ihre Fortpflanzung Wirtsfische wie Elritze, Aitel oder Mühlkoppe. Männliche Muscheln entlassen Spermien ins Wasser, die von den Weibchen zur Befruchtung der Eier aufgenommen werden. Im Brutraum der Weibchen entwickeln sich aus den Eiern Muschellarven, die ins Wasser abgegeben werden und sich für vier Wochen an die Kiemen eines Wirtsfisches anheften. Die fertigen Jungmuscheln lösen sich dann vom Fisch und verbringen die nächsten Jahre in der Gewässersohle.

Die Bachmuschel ist auch in Erkheim vom Aussterben bedroht

Zur Kontrolle der Trächtigkeit der Muscheln werden die beiden Schalenhälften vorsichtig einen Spalt weit geöffnet. Muschellarven sind dann im Brutraum trächtiger Weibchen zu sehen. Bei der Elektrobefischung werden Stromstöße ins Gewässer abgegeben. Da Fische in der Umgebung zur Stromquelle schwimmen und kurzzeitig betäubt werden, können sie dann leicht mit einem Kescher gefangen und gezählt werden. Das Ergebnis zeigt, ob genügend Wirtsfische vorhanden sind.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Schließlich untersuchten die Experten, ob Fische mit Muschellarven infiziert sind. Die bis zu zehn Zentimeter kleinen Elritzen und Aitel werden betäubt und die Kiemendeckel unter dem Mikroskop leicht angehoben. Bei einer Infektion mit den Muschellarven sitzen diese auf den Kiemen.

Da die Bachmuschel vom Aussterben bedroht ist, musste vor den Untersuchungen eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung bei der Regierung von Schwaben eingeholt werden. Die Muscheln und Fische wurden nach der Untersuchung wieder in den Falchengraben gesetzt.

2016 starben zahlreiche Bachmuscheln in Falchengraben

Laut Stefan Striegl ist der Bestand an Elritzen und Aitel optimal für die Vermehrung der Bachmuschel. „Ebenso normal sind der Anteil der trächtigen Muschelweibchen sowie die Infektionsrate der Wirtsfische.“ Und Susanne Hochwald ergänzt: „Das Problem der Bachmuschel liegt nicht am mangelnden Nachwuchs, sondern beim Lebensraum: Die Jungmuscheln entwickeln sich nur in kiesigen Gewässern. In verschlammten Gewässern wie dem Falchengraben können die winzigen Jungmuscheln nicht überleben.“ Deshalb sollte der Falchengraben einerseits streckenweise renaturiert werden, um kiesige Abschnitte zu schaffen, andererseits Sediment- und Nährstoffeinträge vom Maisacker im Oberlauf vermieden werden.

„2016 gab es ein Massensterben der Bachmuschel im Falchengraben. Wir wollten wissen, ob die Fortpflanzungsrate der Muscheln wieder normal ist“, so Dr. Michael Schneider, der das Bachmuschelprojekt beim Landschaftspflegeverband leitet.

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren