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Jagd im Unterallgäu

20.02.2018

Schwarzkittel-Freunde melden sich zu Wort

Wieland Schuhmeir
Bild: Lippl

Wieland Schuhmeir kann die Forderung des Bauernverbands, dass 70 Prozent aller Wildschweine geschossen werden sollen, nicht verstehen. Er hat sich mit Gleichgesinnten zusammengetan und will den Tieren eine Lobby geben

Es läuft etwas schief in der Diskussion über den Abschluss von Wildschweinen, davon ist Wieland Schuhmeir überzeugt. Der Jäger kann nur den Kopf schütteln über den Vorschlag des Bauernverbands. Weil Landwirte befürchten, dass sich die für die Tiere tödliche Afrikanische Schweinepest (ASP) bald von Osteuropa nach Deutschland ausbreitet, sollen 70 Prozent der Wildschweine abgeschossen werden, um ein Übergreifen der Krankheit auf Hausschweine zu verhindern.

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Diese Forderung war der Grund dafür, dass sich Schuhmeir und etwa 25 andere Jäger und Privatpersonen zu einer Interessensgemeinschaft (IG) zusammengeschlossen haben. Die Gruppe hat sich den Namen „Die Schwarzkittel-Freunde“ gegeben. „Das ist bewusst provokativ“, sagt Schuhmeir und grinst. „Wir sind keine Schweine-Streichler.“ Ziel sei es, Aufklärungsarbeit zu leisten. In gewisser Weise also Lobby-Arbeit zu betreiben für diejenigen, die in der aktuellen Diskussion keine Stimme haben – nämlich die Wildschweine selbst.

Das Problem sind die Menschen

Schwarzkittel-Freunde melden sich zu Wort

In seinen Augen sind es nicht die Wildschweine, die die Schweinepest über weite Strecken transportieren, denn die Einzugsgebiete der Rotten seien verhältnismäßig klein. Das Problem seien die Menschen, durch die die Erreger größere Strecken zurücklegen können.

Was Schuhmeir grundsätzlich stört: „Wildtiere werden teilweise nur noch behandelt wie Ungeziefer.“ Seiner Meinung nach fehle der Respekt vor den Tieren gänzlich. „Man will die Landschaft nutzen und alles, was der Produktion im Weg steht, muss verschwinden.“ Er findet, man solle der Natur auch mal wieder eine Chance geben, sie nicht nur als „Produktionsfabrik“ sehen. Man sollte sich Gedanken darüber machen, ob man auch noch den letzten Quadratmeter Fläche nutzen müsse, sagt er in Richtung des Bauernverbands.

Schuhmeir hält in der Diskussion vor allem eines für wichtig: „Dass man einen Gang runterschaltet.“ Denn: „Es wird bei uns genügend gejagt – auf saubere Art und Weise“ und nicht mit Nachtsichtgeräten oder anderen Dingen, die derzeit im Gespräch und mancherorts sogar schon erlaubt sind.

680 Schweine erlegt

In der Jagdsaison 2016/17 wurden im Unterallgäu 680 Wildschweine erlegt, im Jahr zuvor 931. Das Landratsamt rechnet für das Jagdjahr 2017/18 mit rund 1000 Abschüssen. Hier in der Region gebe es keinen Grund zur Panik, sagt Schuhmeir. In anderen Gebieten wie in den Westlichen Wäldern oder nahe Heidenheim, wo er herkomme, seien die Schwarzwildbestände deutlich größer, aber dort sei die Lage im Griff. Denn in diesen Gebieten gebe es schon jahrzehntelange Erfahrungen mit Schwarzwild. Diese fehle manchen Jägern im Allgäu, kritisiert Schuhmeir. Da werde ein Schwein entdeckt und gleich geschossen.

Dabei gebe es ein ausgeprägtes Sozialgefüge innerhalb einer Wildschwein-Rotte. Bei einer erlegten Leitbache fehlt die „Anführerin“, wodurch die Keiler quasi unkontrolliert gleich mehrere Bachen deckten – und die Wildschweinpopulation steige, so Schuhmeir. „Hausgemacht“ nennt er in so einem Fall das Problem mit dem Schwarzwild.

Sein Revier ist 2000 Hektar groß

Schuhmeir selbst kümmert sich als Jäger um rund 2000 Hektar Revier inklusive Betreuungsjagden. „Null Wildschaden“ gebe es dort, sagt er: „Ich habe kein Schweineproblem und meine Landwirte auch nicht.“ Andere kämen zu ihm und fragten ihn um Rat, berichtet der Jäger. „Die hätten auch gern ein entspanntes Schwarzwild.“ Dabei sei seine Methode ganz einfach: In den Haupteinstandsgebieten im Wald, also quasi in der „Wohnung“ der Schweine, lässt er die Tiere in Ruhe. Entdecken er oder die Bauern aber auch nur einen einzigen umgegrabenen Quadratmeter auf den Feldern, sei er abends mit ein paar Jägern vor Ort. Selbst wenn sie kein Wildschwein erlegen, geht es darum, Unruhe zu stiften, mit zuschlagenden Autotüren oder den Jagdhunden.

Schnell würden sich die intelligenten Wildschweine wieder in ihren Bereich des Waldes zurückziehen, wo sie alles haben, was sie brauchen – und auch ihre Ruhe. „Schwarzwild lässt sich sehr gut konditionieren“, sagt Schuhmeir. „Manche kapieren das nicht, weil’s zu einfach ist.“

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