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Bund Naturschutz

18.04.2013

Schwierige Gratwanderung

Rund 30 Interessierte schwangen sich mit Hauptflussmeister Max Leinauer (links im Bild) auf die Räder und erkundeten die Wertachauen.
Bild: stn

Hauptflussmeister Max Leinauer informiert bei einer Radtour entlang der Wertach

Türkheim Natur, Hochwasserschutz und regenerative Energiegewinnung auszubalancieren ist eine bisweilen schwierige Gratwanderung. Das ist der Eindruck, der sich am Ende einer vom Bund Naturschutz initiierten Radltour einstellte. Ein einfaches „Zurück zur Natur“ gibt es wohl nicht.

Im vergangenen Jahr reichte bereits die beantragte Leistungsoptimierung für das von Alois Ruf betriebene Wasserkraftwerk im Norden Türkheims für eine Kontroverse betroffener Anwohner mit den Genehmigungsbehörden (die MZ berichtete). Dieses Kraftwerk war Ausgangspunkt der Radltour, gut 30 Interessierte waren der Einladung der Ortsgruppe gefolgt. Grund für die rege Teilnahme war wohl nicht zuletzt, dass die Vorsitzende Gudrun Kissinger-Schneider mit Hauptflussmeister Max Leinauer als Referenten einen Fachmann mit weitreichenden Kenntnissen auf dem Sachgebiet für die Exkursion gewinnen konnte.

Die Flussmeisterstelle in Türkheim ist eine Dienststelle des Wasserwirtschaftsamtes Kempten und zuständig für Erhaltungsmaßnahmen an Fließgewässern im Einzugsbereich. Erwartungsgemäß wurden Fragen nach Hochwasserüberflutungsflächen, zur Renaturierung des Flusslaufs und zum Auwald gestellt. Leinauer wies zunächst auf seine lediglich die Gewässererhaltung umfassende Aufgabe hin, um dann allerdings auch die historischen Eingriffe in den Flusslauf einer Bewertung zu unterziehen.

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So sei die Wasserkraft der Flüsse Voraussetzung und Notwendigkeit für die Ansiedlung von Industrieunternehmen etwa der Papierherstellung oder der Schuhfabrikation Sigle & Cie (heute Salamander) gewesen. Darüber hinaus versuchte man, die ständige Hochwassergefahr durch eine Begradigung des Flussbettes einzudämmen. Die zu diesen Zwecken gebauten Wehre von beachtlichen sechs bis acht Metern Höhe, kämen in der Flussgeschichte die eher geringere Bedeutung zu. Gravierender seien laut Leinauer die Folgen der in den 1950er Jahren weiter südlich gebauten Stauseen. Dadurch werde der Geschiebetransport aus dem Flussoberlauf weitgehend unterbunden, das heißt, es komme kein Material mehr nach, um den Abtrag durch Erosion im nördlichen Flussbabschnitt wieder auszugleichen. Eine 0,5 bis 6 Meter starke sogenannte Flinzschicht (eiszeitliche Sedimente) dichtet das Flussbett noch gegen ein versickern des Flusswassers ab.

Um einer weiteren Erosion vorzubeugen, lässt die Flussmeisterstelle an gefährdeten Flussabschnitten Solstützschwellen einbauen. Flussbausteine lagern bereits an den Uferböschungen. Die zugewiesenen 50000 bis 75000 Euro seien dabei bald aufgebraucht. (stn)

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