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Bad Wörishofen

07.09.2015

Seit zehn Jahren helfen sie gemeinsam

Das ehrenamtliche "Ausgabepersonal" (von links): Ruth Holzerland, Hilmar Rath, Josefine Lagrün, Maria Dutz, Andrea Bunk, Marlies Keblatt, Gisela Ledermann, Sylvia Weber,  Regine Heisel, Felix Heisel, Jana König, Olaf Schwabbauer.
Bild: Maria Schmid

Die Bad Wörishofer Tafel feiert ein rundes Jubiläum. Die soziale Einrichtung ist heute ein Verein mit vielen Helfern. Leiterin Ilse Westphal erinnert sich, wie alles begann.

Sozusagen über Nacht hatte an Weihnachten 2004 Ilse Westphal die Idee, in Bad Wörishofen eine Tafel zu gründen. Freunde, mit denen sie zuerst sprach, lachten sie aus. Doch das spornte sie eher noch an. Internetrecherchen überzeugten sie mehr und mehr. So verbrachte sie die nächsten Tage mit Telefonaten: die Pressestellen von Landratsamt, Sozialamt, Arbeitsamt und Arge gaben bereitwillig Auskunft.

Und siehe da, es sollte an die 400 Personen samt Familien geben, wohlgemerkt nur in Bad Wörishofen, die demzufolge potenzielle Tafelkunden werden könnten. Diese ersten Initiativen liegen nun bereits lange zurück, die Tafel Bad Wörishofen kann ihr zehnjähriges Bestehen feiern und die soziale Einrichtung ist aus der Stadt nicht mehr wegzudenken.

Vergessen ist somit auch längst die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten. Doch gerade in diesem Punkt will Ilse Westphal ganz besonders dem Altbürgermeister und Schirmherrn der ersten Stunde, Klaus Holetschek, danken. Er habe sich anfangs wohlwollend, aber auch skeptisch gezeigt. Gleichwohl sei er bereit gewesen, mit ihr über die leer stehenden Räume der ehemaligen Stadtwerke – dem Domizil der Tafel noch heute – zu reden.

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Als Nächstes hat die spätere Tafel-Leiterin ihr Anliegen den hiesigen Serviceclubs vorgetragen und sie wurde von den Rotariern mit einem ersten Scheck beschenkt. Dazu sei ein Angebot von Kurt Fink vom gleichnamigen Malergeschäft gekommen, wenn Räume gefunden wären, Farben und Bodenbeläge zu stiften.

Er habe auch Wort gehalten. „Schon im Februar 2005 durfte ich meine Idee bei einem Bürgerforum vorstellen und um Mitstreiter werben. Am Ende dieses Abends hatte ich die ersten 20 Adressen von interessierten Mitbürgern, die sich mit mir an das Abenteuer heranwagen wollten“, erzählt Ilse Westphal.

„Und es wurde abenteuerlich“, schilderte sie den Start der Tafel. Einerseits hätten sich alle Interessierten alle vier Wochen in der Bürgerstube im Rathaus getroffen, um gemeinsam Arbeitsstrukturen zu entwickeln. Ein Team sei so zusammengewachsen. „Andererseits begann die Arbeit in den Räumen, die uns tatsächlich die Stadt zur Verfügung stellte. Teppichböden rausreißen, Wände anstreichen hieß es für viele Tage“, berichtet sie weiter. Jugendliche hätten begeistert mitgeholfen. Die Stadt habe zudem noch die sanitären Einrichtungen in Ordnung bringen lassen. Von einem Supermarkt konnten ausrangierte Blechregale geholt und aufgestellt werden. „Nun hatten wir einen Flur, ein kleines Büro mit geschenkt zusammen gewürfelter Einrichtung und einen großen Raum für die Warenannahme, das Sortieren und Herrichten sowie der Ausgabe der Waren. Ein Bettelbrief mit Unterschriften von mir und dem Bürgermeister ging an alle örtlichen Lebensmittelhändler, kleine Einzelhändler ebenso wie Discounter“, berichtet die Leiterin der Tafel. Rotary und Lions hätten der Tafel zudem ein gebrauchtes Auto geschenkt – es konnte losgehen.

„Am 5. September weihten wir die Tafel offiziell ein“, so Westphal. Noch am selben Nachmittag hätten sich die ersten Kunden angemeldet. Binnen vier Wochen habe die Bad Wörishofer Tafel bereits 70 Kunden gezählt, die sich – bei jedem Wetter – frühzeitig im Hof angestellt hätten und ab Mittag in den Flur gedrängt haben, damit auch wirklich jeder was abbekam. Angst und Sorge, zu spät zu sein, seien greifbar gewesen.

„Wie im Fluge vergingen die nächsten Jahre“, sinniert Westphal. „Wir lernten viele schlimme Schicksale kennen, die uns so sehr bewegten, dass wir stetig auf Verbesserungen und Weiterentwicklung sannen. So kam immer wieder ein neues Teilprojekt dazu, was nur durch viel Präsenz in der Öffentlichkeit und gezielte Mittelbeschaffung machbar war“, berichtet sie. Heute ist die Wörishofer Tafel ein stadtbekannter Verein mit rund 80 Beitragszahlern und aktuell 68 Ehrenamtlichen. Rund 150 Haushalte mit circa 250 Personen und knapp 50 Kinder werden wöchentlich versorgt.

„Unser Spektrum umfasst neben der Lebensmittelausgabe einen Pack- und Lieferdienst für die ganz Gebrechlichen, ein Medikamenten-Hilfsprojekt, ein Kulturabkommen mit der Kurverwaltung und ein Kinderhygieneprojekt in Zusammenarbeit mit der Kinderbrücke Allgäu. Dank der Unterstützung der Stadtwerke gilt am Dienstag (am Tafeltag) der Tafelausweis auch als Busfahrkarte. Last, but not least konnten wir vor etwa zwei Jahren unser Tafelcafé eröffnen, das für viele ein Treffpunkt zum Austausch und zur Nachbarschaftshilfe geworden ist. Unsere jüngste Errungenschaft ist eine Website“, zählt Ilse Westphal stolz auf. Der Nutzungsvertrag mit der Stadt sei unbefristet und stelle die Tafel von Mietzahlungen frei. Auch Mietnebenkosten übernehme die Stadt, das Landratsamt gebe einen jährlichen Zuschuss.

„Das Wichtigste aber: Wir werden getragen von einer gemeinsamen Idee, zu deren Umsetzung alle Beteiligten verantwortlich beitragen – wir sind zusammen gewachsen. Und wir sind voller Dankbarkeit für die großartige Unterstützung, die wir von unseren Mitbürgern immer wieder erfahren. Wir erfahren eine Stadt voller Solidarität und Freundlichkeit. Auch das ist Bad Wörishofen“, dankt Ilse Wesphal.

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Bad Wörishofer Tafel-Vereins sind alle Mitbürger an mehreren Tagen herzlich eingeladen, die Räumlichkeiten am Stadionring 19 zu besichtigen und sich über die Tafelarbeit zu informieren. Die Termine der „Tage oder offenen Tür“ sind:

Samstag, 12. September, 14.30 bis 18 Uhr

Sonntag, 13. September, 14.30 bis 18 Uhr

Mittwoch, 16. September, 18 bis 20 Uhr

Donnerstag, 17. September, 18 bis 20 Uhr.

Eine Besonderheit gibt es zudem am Sonntag, 13. September, denn da findet der Verkauf eines gut vier Meter langen Roggenmischbrotes

statt. Beliebig große Stücke können auf Spendenbasis erworben werden. Die Bad Wörishofer-Tafel freut sich über viele Besucher.

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