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Veteranen I

30.01.2015

Sie steht ihren Mann

Karin Nather (im Bild mit Tochter Romy) aus Rammingen tritt als erste Frau im Unterallgäu in einen Veteranen-, Soldaten und Reservistenverein ein. Vorsitzender Christian Reiber freut sich sehr.
Bild: Franz Issing

Karin Nather ist die erste Frau im Verein

„Einbrecher und Verwandte sind unerwünscht“, weist ein Hund auf dem Türschild ungebetene Besucher ab. Stets willkommen ist bei Karin Nather aber Christian Reiber, der sie als Mitglied für den Ramminger Veteranen, Soldaten und Reservistenverein rekrutiert hat. Die 33-Jährige ist weit und breit die einzige Frau, die von einem solchen Verein „eingezogen“ wurde. Eine Uniform muss sie vorerst aber nicht anziehen. „Die tragen bei uns nur Vorstandsmitglieder und Fahnenträger“, informiert Christian Reiber.

„Veteranen werden in der Öffentlichkeit gerne mit alten Männern verglichen“, mokiert sich der erst 44-jährige „Frontmann“ und räumt mit gängigen Vorurteilen und Bildern auf: „Wir sind kein typischer Kriegerverein, sondern verstehen uns generationenübergreifend als Mahner für Frieden und Freiheit“, macht er deutlich und seinen Vorgängern ein großes Kompliment: „Die waren recht weitsichtig und sind immer auf potenzielle Interessenten jeden Alters zugegangen und haben so die Zukunft des Vereins beizeiten gesichert.“.

Doch zurück zu Karin Nather. Welche Gründe haben sie wohl bewogen, dem Verein mit seinen 186 Mitgliedern – der Jüngste ist 29, der älteste 92 Jahre – beizutreten? Diese Frage beantwortet der berufliche Werdegang der jungen Mutter von zwei kleinen Töchtern. Vier Jahre, von 2002 bis 2006, diente Karin Nather als Stabsunteroffizier der Reserve bei der Bundeswehr. In der Schreibstube arbeitete sie bei der Luftwaffe ihrem Spieß, der „Mutter der Kompanie“, zu. Dem „mit dem dicken Bauch“, lacht sie. Geflogen ist Karin Nather allerdings nie. „Höchstens mal auf die Schnauze“, verrät sie augenzwinkernd. Will heißen: Die erste Frau, die bei allen Streitkräften dienen durfte, musste sich gegen „alte Hasen“ durchsetzen, um sich Respekt zu verschaffen. „Ich habe mehr um Anerkennung gekämpft, als jeder männliche Soldat“, erinnert sie sich.

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Ehrgeiz war für die 33-Jährige ein starkes Motiv für ihren Dienst in der Bundeswehr. „Ich wollte mir einfach beweisen, was Männer können, kann ich schon lange“. Kein Wunder, dass sich die ehemalige Soldatin beim Ramminger Veteranen-, Soldaten- und Reservistenverein recht wohl und gut aufgehoben fühlt. „Hier kann ich meine Erfahrungen einbringen und mich mit Gleichgesinnten austauschen“, begründet sie ihren Schritt in die Männerdomäne. Und noch eines zählt für sie: „Wenn man in einem Ort wie Rammingen wohnt, heißt das für mich, nicht nur dort gemeldet zu sein, sondern auch ein Miteinander zu leben.“

Karin Nather hat ihre Uniform zwar ausgezogen, doch den Kontakt zu ihrer alten Einheit aufrecht erhalten. „Das war für mich eine tolle und sehr lehrreiche Zeit bei der Bundeswehr“, schwärmt sie und macht schon wieder neue Pläne. So will sie ihre Kameraden in Rammingen für Leistungs- und Orientierungsmärsche sowie Reservistenschießen begeistern und sobald wie möglich an einer Wehrübung teilnehmen.

Durchaus ernst gemeint auch ihre Absicht: „ Sollte ich in ein paar Jahren mal in den Vorstand des Vereins gewählt werden, lasse ich mir bestimmt wieder ein militärisches Gewand schneidern.“

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