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Braustadel „Broadway Joe“ und Waltraud Mair – urkomisch allgäuerisch

09.05.2015

Sie treffen den Nerv ihrer Fans

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Eigentlich hat der Joe, der ein ums andere Mal im Ramminger Braustadel für ein volles Haus und Zusatztermine sorgt, so viel mit dem New Yorker Broadway zu tun wie die lila Milka Kuh mit dem saftigen Grün des Allgäus, der Heimat des „Broadway Joe“. Aber genau diesen Gegensatz machen er und die Autorin Waltraud Mair zum Thema eines Großteils ihrer Kabarettnummern. Da geht es um das Selbstverständnis eines Völkchens in erprobten Wendungen seines Dialekts, der bei der unausweichlichen Berührung mit dem aseptisch empfundenen Hochdeutsch unfreiwilligen Humor auslöst.

Urkomisch sind die Geschichten, die Waltraud Mair, meist in Versform vorliest. Etwa von der Einladung zum Essen in ein Nouvelle Cuisine Restaurant, mit der sich ein Rechtsanwalt aus der Stadt für das Abschleppen seines festgefahrenen Autos auf der winterlichen Landstraße bedanken möchte. Oder der offizielle polizeiliche Unfallbericht, den die Bäuerin über das vergeblich versuchte Heimtreiben der Kühe, abzufassen hat – eine lupenreine Übersetzung des tatsächlichen Vorgangs aus dem Allgäuerischen ins Amtsdeutsch – einfach zum Totlachen.

Im Wechsel mit ihren poetischen Anekdoten stimmt „Broadway Joe“ seine Lieder an, selbst begleitet auf Akkordeon oder Gitarre. Etwa „D´r Bolle Käs“. Dabei geht um den Genuss des Käseverzehrs aus Sicht des Käses. In seinen stückeverbindenden Texten gibt auch er einiges von den Skurrilitäten des Alltags zum Besten. So erklärt er den beginnenden Bauchansatz mit seiner Aufgabe als „Reschtleesser“, die ihm als Vater noch schulpflichtiger Kinder ungewollt zukommt. Mit „Mankmol - do frog i mi“ nimmt er die Männer und ihre Mucken aufs Korn. Dabei ist fürs Publikum Klatschen und Pfeifen Pflicht. Zuschauer Karlheinz-Josef zeigt bei Letzterem herausragende Qualitäten und Joe macht Komplimente; schon zu Beginn hat er das Publikum für sein besonderes Allgäuer Niveau gelobt. Mit „Luag Käser a“ und dem lautmalerisch ins Spiel gebrachten „Que será“ lässt er gegen Schluss aller Ironie zum Trotz sentimental Heimatliebe anklingen, wenn er den Käser bei seiner frühmorgendlichen Arbeit besingt, während alle anderen noch in den Federn liegen.

Ein absoluter Knaller ist nicht zuletzt Waltraud Mair in der Rolle der alten Landfrau mit Rollator, die von ihrer Vorsorgeuntersuchung beim Arzt erzählt, dessen sprachliche Wurzeln auch noch in den Neuen Bundesländern liegen. Keine Frage, „Broadway Joe“ und Waltraud Mair treffen den Nerv ihrer Fans, die sich vor Lachen biegen. Alles andere war dieser Abend als eintönig. Doch, um auch den leisesten Zweifel zu zerstreuen, spielt Broadway Joe als Zugabe ein Stück auf zwei statt nur einer Blockflöte – also zweitönig.(stn)

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