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Rammingen

03.08.2020

Sie wurde nur 29 Jahre alt: Erinnerungen an Teresa Hintner

So werden sie viele Ramminger in bester Erinnerung bewahren: Teresa Hintner war ein fröhlicher Mensch, den man einfach gern haben musste. Unser Foto entstand beim Bezirksmusikfest in Rammingen. Ihr viel zu früher Tod war für viele ein Schock.
Bild: Archivbild: Maria Schmid

Plus Mit nur 29 Jahren ist Teresa Hintner gestorben. Als Dirigentin der Jugendkapelle hat sie für immer einen Namen bei der Blaskapelle in Rammingen. Doch es gibt noch viele schöne Erinnerungen an einen besonderen Menschen

Die Lebenssymphonie von Teresa Hintner wurde zur Unvollendeten. Die Melodie ihres Lebens fand durch ihren Tod am 25. Juni dieses Jahres ein viel zu frühes Ende. Was hätte sie nicht noch alles erlernen, was noch alles in Sachen Musik schaffen können? Denn Musik war ihr Leben.

Teresa Hintner übernahm im Herbst 2014 die Ramminger Jugendkapelle

Das zeigte sich vor allem durch ihre Arbeit als Dirigentin bei der Jugendkapelle Rammingen. Jugendleiter Manuel Rauscher vom Musikverein Rammingen sagte es mit großer Hochachtung: „Sie war irgendwie besonders!“ Teresa Hintner habe im Herbst 2014 das Dirigat der JuKa von Andreas Bäurle übernommen. 18 junge Musikanten waren aktiv dabei.

Durch das erste von ihr dirigierte Konzert im Dezember 2014 legte sie den Grundstein für eine gute Zusammenarbeit. Heute seien, so Rauscher, 58 Jungmusiker unter 16 Jahren in der Jugendkapelle. Und das in einem Dorf von rund 1600 Einwohnern. Das sei Teresas Verdienst.

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Ihr sei es zu verdanken, dass viele junge Menschen Freude an der Blasmusik haben. Er sagte: „Doch das meiste, was ich an ihr schätzte war, dass bei ihr immer Freundschaft und Zusammenhalt der Kapelle an erster Stelle standen, dann kam das Musikalische. Das rechne ich ihr heute noch hoch an. Hierin hat sie sich auch von vielen anderen Dirigenten positiv unterschieden.“ Manuel Rauscher berichtete von einem Wertungsspiel, bei dem der Auftritt nicht zur vollen Zufriedenheit verlaufen sei.

Ein Wertungsrichter übte Kritik. Nach dem Gespräch mit ihm lachte Teresa und sagte, der Wertungsrichter habe ihr erzählt, was sie besser machen könne. Sie habe die Tipps gerne angenommen, doch dann habe sie ihm gesagt, was es heiße Jugendarbeit zu leisten. Der Wertungsrichter habe gemeint, dass er seit über 20 Jahren Musikkapellen richte, aber „so deutliche und trotzdem höfliche Worte sagte noch kein Dirigent zu mir“. Manuel Rauscher resümiert: „Das war eben unsere Teresa.“ Die Jugendkapelle sei ihr eine Herzensangelegenheit gewesen. In den sieben Jahren habe sich eine enge Verbindung aufgebaut. Die Kinder und Jugendlichen der Kapelle gestalteten zu ihrem letzten Geburtstag, dem 2. Juni, ein Buch, das aus vielen Blättern bestand, jedes Blatt von einem Jungmusikanten gemacht.

Ihre Aufgabe bei der Jugendkapelle Rammingen gab Teresa Hintner viel Kraft

Die Freude darüber war bei Teresa sehr groß. Sie habe gemeint: „Das gibt mir jetzt unendlich Kraft und ich kämpfe für meine Jugendkapelle Rammingen weiter.“ Sie lebte und arbeitete nach dem Motto: „Zuerst kommt der Spaß, die Freundschaft, das Miteinander und dann erst das Musikalische.“ So sei es schon immer gewesen, berichten ihre Eltern Patricia und Hermann Hintner.

Schon als Siebenjährige wollte Patricia Musik machen. Das Hackbrett stand an erster Stelle. Eine Anfrage bei Manfred Stadler ergab, dass er gesagt habe, das sei kein Instrument für sie. Teresa gab nicht auf. Der Wunsch, Querflöte zu spielen, war nach dem Erlernen der Klarinette weiterhin groß. Alles, was sich zu einer Rolle formen ließ oder rund war wie ein Kochlöffel, wurde spielerisch zu einer Querflöte.

Patricia und Hermann Hintner mit zwei ihrer wichtigsten Urkunden.

Da die Eltern aktiv in der Blaskapelle vom Orchesterverein Türkheim musizierten, wurde ihr die Musikalität in die Wiege gelegt. Teresa erblickte das Licht der Welt in Schwabmünchen, wuchs in Türkheim auf, besuchte die Grundschule und das Joseph-Bernhart-Gymnasium. Mit neun Jahren wurde sie Mitglied in der Jugendkapelle Türkheim und das natürlich mit ihrer Querflöte.

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Beim Allgäu Schwäbischen Musikbund machte sie die Prüfungen zum D1- und zum D2-Kurs. Der D3-Kurs war ihr zuerst nicht so wichtig, bis sie die Oboe zu ihrem liebsten Instrument erkor. Nach der D3-Prüfung folgte 2012 der Dirigenten-Kurs. Fortan war das Dirigieren ihre Leidenschaft, zunächst in Kammlach. Es folgte von 2013 bis 2016 der Musikverein Pfaffenhausen. Zusätzlich fand sie 2014 ihre Freude bei der Jugendkapelle Rammingen. Durch ihr Studium der Germanistik mit Deutsch als Fremdsprache arbeitete sie unter anderem im Goetheinstitut in München. Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hielt sie Deutschkurse ab. Es folgte die Arbeit bei der Volkshochschule in Mindelheim.

Teresa hatte als Solistin an ihrer Oboe beim Auftritt der „Messe solennelle en l’hommeur de Sainte-Cécile“ (Cecilienmesse) von Charles-Francois Gounod ein Schlüsselerlebnis. Das von ihr gespielte Solo hatte sie so sehr berührt, dass sie hauptberuflich nur noch Musik machen wollte. Im April 2019 bestand sie die Aufnahmeprüfung an der Berufsschule für Musik in Krumbach. Ihr Ziel: Dozentin an einer Musikschule werden. Ihre schwere, mit unendlicher Geduld und großer Zuversicht getragene Krankheit erfüllte ihr diesen Herzenswunsch nicht. Sie starb am 25. Juni und wurde nur 29 Jahre alt.

Ihre Eltern sind dankbar für die Jahre, Monate und Stunden, die sie mit ihrer ältesten Tochter verbringen durften, ganz im Sinne von Konfuzius: „Leuchtende Tage, nicht weinen, dass sie vorüber. Lächeln, dass sie gewesen.“

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