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Unterallgäu

18.11.2019

Sinkende Mieten machen im Unterallgäu Sorgen

Leer stehende Geschäfte sind auch im Unterallgäu ein Problem. Obwohl die Mietpreise sinken, finden sich oft keine Interessenten.

Plus Entgegen dem Trend werden im Unterallgäu Flächen für den Einzelhandel immer günstiger. Warum Experten diese Entwicklung mit Sorge beobachten

Die Zahlen klingen alarmierend: Im Bundesdurchschnitt sind die Mieten für Geschäfte unter 150 Quadratmeter zwischen 2014 und 2018 um 20 Prozent gestiegen. Sie liegen nach Angaben der Bundesregierung bei 41 Euro pro Quadratmeter. Die Miete für größere Geschäfte stieg im gleichen Zeitraum sogar um 27 Prozent. Soweit das bundesweite Zahlenwerk – die Realität im Unterallgäu sieht anders aus.

Nicht nur, dass die Region dem Trend trotzt. Sie kehrt ihn ins Gegenteil um, wie der für den Bereich Schwaben zuständige Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbands Bayern, Andreas Gärtner, erklärt: „Gerade bei Neuvermietungen beobachten wir einen deutlichen Mietrückgang“, sagt Gärtner. Er verweist insbesondere auf die Entwicklung bei Neuvermietungen Mindelheim und Bad Wörishofen.

In Mindelheim liegt die Ladenmiete derzeit bei neun Euro pro Quadratmeter

Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) liegt die Ladenmiete in Mindelheim derzeit bei durchschnittlich knapp neun Euro pro Quadratmeter. Dabei gilt grundsätzlich: Je besser die Geschäftslage, desto höher die Miete. So liegen die Mieten in den sogenannten 1a-Lagen, also den Stadtbereichen mit der höchsten Passantenfrequenz, nach Angaben von Andreas Gärtner in Mindelheim zwischen zehn und 15 Euro pro Quadratmeter. Für 1b-Lagen, oft Nebenstraßen des Zentrums, werden in der Frundsbergstadt etwa 7,50 Euro pro Quadratmeter fällig. In den ländlicheren Regionen des Unterallgäus liegt der Quadratmeterpreis derzeit bei knapp fünf Euro – die Tendenz ist wie in Mindelheim sinkend. Zum Vergleich: In Metropolen wie München oder Berlin liegt die Ladenmiete in 1a-Lagen bei durchschnittlich 250 Euro.

Kann sich der Einzelhandel im Unterallgäu also auf vergleichsweise niedrigen Mietkosten ausruhen? Mitnichten, wie das Beispiel Bad Wörishofen zeigt. Auch dort sinken die Mieten laut Andreas Gärtner vom Handelsverband kontinuierlich, von einst maximal 40 Euro pro Quadratmeter auf heute maximal 20 Euro in 1a-Lagen. Die IHK spricht von einer Durchschnittsmiete von knapp 13 Euro pro Quadratmeter in der Kneippstadt. Der Grund für diese Entwicklung: „Wir beobachten extrem rückläufige Passantenfrequenzen“, sagt Gärtner.

Die Mieten im Unterallgäu sind eher moderat

Der Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbands erklärt, die Mieten im Unterallgäu seien zwar vergleichsweise moderat. „Doch auch moderat kann zu viel sein.“ Demnach sind immer mehr Geschäftsinhaber nicht in der Lage, die Mieten zu bezahlen. Da die Nachfrage von potenziellen Nachfolgern vielerorts überschaubar ist, sinkt der Preis für Neuvermietungen.

Der Umsatzrückgang in den Innenstädten hat verschiedene Ursachen, die sich manchmal von Stadt zu Stadt unterscheiden. So hat der Einzelhandel in Bad Wörishofen vor allem damit zu kämpfen, dass die Kurgäste immer weniger Zeit in der Kneippstadt verbringen. „Bad Wörishofen hat lange davon gelebt, dass die Gäste dort zwei, drei Wochen geblieben sind. Inzwischen haben sich die Aufenthaltszeiten deutlich verkürzt. Und dadurch fließt auch weniger Geld in den Einzelhandel.“ Die Entwicklung rund um die Kneippstraße beschäftige den Handelsverband schon länger intensiv.

Auch in Mindelheim geben immer weniger Menschen ihr Geld zwischen Oberem und Unterem Tor aus, wenn auch aus eher allgemeingültigen Gründen. So leiden zwei „klassische“ Branchen der Innenstadt, Textil- und Schuhverkauf, unter dem immer stärkeren Online-Handel. Andreas Gärtner schätzt, dass in diesen Bereichen mittlerweile zwischen 25 und 30 Prozent des Umsatzvolumens im Internet erzielt werden. „Viele gehen vielleicht noch für einen Kaffee in die Stadt – aber nicht mehr zum Shoppen. Wenn ich meinen Einkauf schon woanders erledigt habe, brauche ich nicht mehr in die Stadt zu gehen.“ Zwar seien von dieser Entwicklung grundsätzlich auch größere Städte betroffen, die Passantenfrequenzen und damit der Umsatz seien aber „in keiner Weise vergleichbar.“

Manchmal ist auch das Geschäftskonzept nicht zeitgemäß

Auch steigende Kosten im Ladenbau und im Personalbereich belasten laut Gärtner die Ladenbetreiber. Um die angespannte Situation zu verbessern, sieht er aber nicht nur die Verbraucher in der Pflicht. „Oft sind die Geschäftskonzepte nicht hunderprozentig zeitgemäß. Es reicht nicht mehr, 20 schöne Kleider aufzuhängen und die Tür aufzumachen, wie vor 15 Jahren.“ Man müsse heute extrem dafür arbeiten, dem Kunden etwas zu verkaufen, „was er eigentlich gar nicht mehr braucht. Früher hatten Männer drei Paar Schuhe im Schrank. Heute sind es meistens über zehn.“

Ein Modell, das Mietern und Vermietern Vorteile bietet, sieht Gärtner in sogenannten Umsatzmieten. Dabei richtet sich die Miete nach dem Umsatz, den das Geschäft erzielt. „Dadurch hat der Mieter mehr Freiräume bei weniger Risiko – und wenn das Unternehmen funktioniert, kann auch der Vermieter daran teilhaben“, sagt Gärtner. „Eine klare Win-win-Situation.“

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