1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. So gut radelt es sich wirklich in Bad Wörishofen

Bad Wörishofen

22.06.2019

So gut radelt es sich wirklich in Bad Wörishofen

Copy%20of%20IMG_3945.tif
4 Bilder
Yasar Takilel ist regelmäßig mit seinem Sohn per Fahrrad in Bad Wörishofen unterwegs. Zu den Bedingungen für Radfahrer in der Kneippstadt hat er eine klare Meinung, auch zu Entscheidungen in Sachen Verkehrsplanung.
Bild: Thessy Glonner

Plus In der Bad Wörishofen setzen viele Bürger und Gäste aufs Rad. Ein Test des ADFC hat der Stadt ein ordentliches Zeugnis ausgestellt. Stimmen die Leute hier zu?

„Ich fahr’ so gerne Rad“ lautet der Titel einer 1978 veröffentlichten Single – und damit hat Schlagerstar Peter Petrel nicht nur seinen Fans, sondern auch unzähligen anderen Menschen aus der Seele gesungen. Zu derart begeisterten Radlern gehören auch die Kurstadtbewohner Ille und Gerd Koch, die mit ihren Elektrorädern „in und um Bad Wörishofen pro Jahr 800 bis 1000 Kilometer“ zurücklegen, wie sie sagen. Nur selten steigen die beiden ab, es sei denn, dort, wo es durch entsprechende Verkehrsschilder gefordert ist. „Das ist doch wohl eine Selbstverständlichkeit“, erklärt Gerd Koch, als das Ehepaar gerade die Räder durch die Fußgängerzone schiebt. (Lesen Sie hier den Artikel über den Fahrradklima-Test: So fahrradfreundlich ist das Unterallgäu )

Manche Regelung in Bad Wörishofen war unklar

Die Kochs finden auch prima, dass an der Rössle-Kreuzung zwischenzeitlich der alte Zustand wieder hergestellt wurde und die Radler nicht mehr in den Fußgängerbereich einfahren dürfen. „So ist es besser“, finden die Kochs. „Die Regelung vorher sorgte oftmals für Unklarheit“, sind sich beide einig. Wie es um das Radfahren in Bad Wörishofen bestellt ist, wollte heuer auch der Fahrradklima-Test des ADFC ermitteln. Mit einer Gesamtnote von 3,16 steht Bad Wörishofen dabei im Vergleich der Orte unter 20000 Einwohnern in Bayern auf Platz 3 von 36. Bundesweit belegte die Stadt Rang 17. Bei den Grünen, die den Fahrradklima-Test stark beworben hatten, hieß es danach: Man freue sich, doch sei noch viel Luft nach oben. „Denn befriedigend bis ausreichend sind wahrlich keine guten Noten“, teilte die Fraktionssprecherin Doris Hofer mit. „Immer noch entstehen zu viele Konflikte beim Mischverkehr Auto-Radfahrer und Fußgänger-Radfahrer“, finden die Grünen. „Und die Oberflächen der Straßen und Wege sind teils sehr rau.“

Die Kochs sind derweil mit den Bedingungen zufrieden. Es mache ihnen äußerst viel Freude, sich per Rad „durch diese wunderschöne Gegend“ zu bewegen und auf solche Weise ihr Leben zu genießen. Die Infrastruktur in Bad Wörishofen sei hervorragend und biete alles, was man sich als Fahrradfahrer nur wünschen könne. Selbst sein sechsjähriger Enkel rufe bei Besuchen immer wieder begeistert aus: „Opa, hier kann man super Radfahren!“ verrät Gerd Koch schmunzelnd.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Auch Jutta Högg setzt in der Kurstadt voll aufs Fahrrad. „Ich erledige beinahe meine gesamten Wege mit dem Fahrrad“, sagt die Kirchdorferin und fügt hinzu: „Das bietet sich hier in unserer schönen Gesundheitsstadt doch einfach an.“ Alles sei leicht erreichbar und die Fortbewegung „durch die grüne Idylle mit den herrlichsten Zielen wie die Wassertretstellen“ bedeute für sie ein absolutes Highlight.

Im Kurort Bad Wörishofen schiebt man auch gern mal

An bestimmten, gekennzeichneten Punkten absteigen zu müssen, mindere ihr Vergnügen durchaus nicht: „Schließlich sind wir ein Kurort und dann schiebt man halt mal.“ Keinen Anlass zu Kritik hat auch Yasar Takilel. „Fahrradfahren in unserem Bad Wörishofen ist für mich einfach perfekt“, versichert Takilel, während sein Sohn Samir aus dem sportlichen Fahrradanhänger lächelt. „Zum Glück ist ja nun wieder alles normal“, führt der junge Vater weiter aus, denn an Konflikte, wie sie durch die inzwischen wieder aufgehobene Regelung an der Rössle-Kreuzung und vor dem Kurhaus entstanden waren, erinnert er sich dann doch kritisierend und kommentiert: „Das war eine völlig unsinnige, nicht durchdachte Kurzschlussaktion.“ Bevor er sich mit seinem Nachwuchs auf den Heimweg begibt, betont er jedoch: „Ach, es gibt hier doch wirklich genügend gute Fahrradwege.“ Nicht ganz dieser Meinung sind Maren und Jürgen Mauch, die gerade auf der Schlingener Straße unterwegs sind.

„Manche Straßen sind nicht ideal, doch man kann natürlich nicht alles verändern“, sind sie sich einig. „Wenn ein Auto hinter mir einen Meter fünfzig Abstand hält und nur dann überholt, wenn der Verkehr es zulässt, dann bin ich schon froh“, sagt die passionierte Radlerin und fügt noch hinzu: „Ich würde mir mehr Rücksicht untereinander wünschen, dann wäre uns doch allen geholfen.“

Deutlicher als in anderen Städten haben die Wörishofer beim ADFC-Klimatest das Gefühl, dass in jüngster Vergangenheit viel für den Fahrradverkehr getan wurde (Note 3,1). Man kann davon ausgehen, dass die noch relativ jungen Fahrradstraßen in der Stadt dabei eine Rolle spielen. Zuletzt ließ die Stadt einen Teil der Strecken mit neuen Signets auf der Fahrbahn versehen. Die teils in Schlangenlinien aufgebrachten blauen Linien hatten bei der Einführung der Fahrradstraßen für Spott und Kritik gesorgt. Wann es mit der Neukennzeichnung weitergeht, war zuletzt aber nicht klar.

Auch der Winterdienst funktioniert in Bad Wörishofen nach dem Empfinden der Radler besser als in anderen, vergleichbaren Städten (Note 3,0).

Nachholbedarf sehen die Kneippstädter dagegen insbesondere bei der Baustellenführung: Hier geben 18 Prozent an, dass sie an Baustellen meistens zum Absteigen und Schieben gezwungen werden - Note: 3,9.

Hier erfahren Sie mehr über Radfahren im Unterallgäu:

Mindelheimer sollen öfter aufs Rad umsteigen

Grüne wollen mehr für die Radler in Bad Wörishofen tun

Radler-Umfrage: Nur sieben Prozent sind zufrieden

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren