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Ausbruch in Memmingen

06.08.2019

So kam die Polizei den ausgebrochenen Häftlingen auf die Spur

Nach dem Gefängnisausbruch in Memmingen konnte die Polizei mittlerweile beide flüchtigen Häftlinge fassen.
Bild: Ralf Lienert

Am Sonntag waren zwei Männer aus dem Gefängnis in Memmingen geflohen. Mittlerweile konnte die Polizei beide Flüchtigen fassen. Dabei hatten die Beamten Hilfe.

Auch der zweite Häftling, der am Sonntag aus der Memminger Justizvollzugsanstalt (JVA) geflüchtet war, ist festgenommen worden. Die Beamten fassten ihn am Montagabend bei Lauben im Unterallgäu. Das teilte die Polizei am Dienstag mit, gab unter dem Hinweis auf die laufenden Ermittlungen aber keine weiteren Einzelheiten bekannt. Nur so viel: Der geflohene Mann sei nach Hinweisen aus der Bevölkerung festgenommen worden.

Ausbruch in Memmingen: Männer sitzen wieder in U-Haft

Die beiden Untersuchungshäftlinge, ein 36-Jähriger mit türkischem Pass und ein ein Jahr älterer Mann aus Georgien, waren am vergangenen Sonntag beim Hofgang am frühen Nachmittag aus dem Memminger Gefängnis geflohen. Beiden war es gelungen, die sieben Meter hohe und mit Stacheldraht gesicherte Gefängnismauer zu überwinden. Die beiden Männer saßen seit Beginn dieses Jahres in Untersuchungshaft, weil sie sich demnächst vor Gericht wegen Raub- und Eigentumsdelikten verantworten müssen. Die Taten hatten sie in der Region verübt.

Trotz einer Großfahndung konnten die Männer zunächst untertauchen. Am Montagnachmittag wurde dann aber nach einem Hinweis aus der Bevölkerung der 37 Jahre alte Georgier festgenommen. Er hatte sich bei Frickenhausen, einem Ortsteil der Unterallgäuer Gemeinde Lauben, aufgehalten. Das liegt etwa 20 Kilometer von Memmingen entfernt. Dort wurde am Montagabend auch der andere Ausbrecher geschnappt. Beide sitzen nun wieder in Untersuchungshaft.

Allerdings mit größter Wahrscheinlichkeit nicht mehr in Memmingen. Bereits vor der Festnahme hatte JVA-Leiterin Anja Ellinger bekannt gegeben, dass Ausbrecher nach einem derartigen Vorfall und anschließender Festnahme in ein anderes Gefängnis gebracht werden.

Gefängnisausbruch wie in Memmingen ist in Deutschland kein Verbrechen

Das Erstaunliche bei der ganzen Geschichte ist: Gefängnisausbrüche sind in Deutschland kein Verbrechen – und bleiben dementsprechen straffrei. Wie kann das sein? Dass Selbstbefreiung ungesühnt bleiben soll, legten die Gesetzgeber bereits Ende des 19. Jahrhunderts für das deutsche Kaiserreich fest. So verfüge jeder Mensch über einen natürlichen Freiheitstrieb, den der Einzelne nicht unterdrücken könne und den selbst das Gesetz zu respektieren habe. Seine eigene Freiheit wiedererlangen zu wollen, wie bei der Flucht aus einer Haft, könne kein strafwürdiges Verhalten sein. Bis heute hat sich daran nichts geändert.

Den meisten Kriminellen gelingt die Flucht nicht ohne Widerstände. „In der Realität schafft es kaum jemand, sich ohne Fehler hinauszuschleichen“, sagt Michaela Landgraf, Vorstandsmitglied vom Münchener Anwaltverein.

Wer Gitterstäbe durchsägt oder Schlösser aufbricht, begeht Sachbeschädigung. Wer die Arbeitskleidung nicht zurückschickt, stiehlt sie. Wer Vollzugsbeamte mit dem Knüppel überwältigt oder in seine Gewalt bringt, muss sich hinterher wegen Körperverletzung, Bedrohung oder sogar Geiselnahme verantworten. Handlungen wie diese, sagt Landgraf, würden als „Begleittaten“ normal bestraft.

Hinzu kommt: Weil der Ausbruch einen Verstoß gegen die Anstaltsordnung darstellt, können Haftbedingungen verschärft, eine vorzeitige Haftentlassung erschwert werden. Und: Wer einen Gefangenen aus dem Gefängnis befreit, ihn zum Ausbruch verleitet, dabei unterstützt oder es auch nur versucht, muss in Deutschland mit einer Freiheitsstrafe rechnen.

Lesen Sie dazu auch: "Sportliche Höchstleistung": JVA-Leiterin hielt so einen Ausbruch für unmöglich

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05.08.2019

Was schreiben Sie denn Alle ? Sind Sieblind .

Im Artikel sind doch zwei große gute Fotos eingeblendet .

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05.08.2019

Die Bilder wurden nachträglich und zeitnah eingefügt, sobald sie von der Polizei freigegeben wurden.
In der ersten Version des Artikels waren noch keine Bilder der Entflohenen enthalten.

Community-Management der Augsburger Allgemeinen
moderator@augsburger-allgemeine.de

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05.08.2019

Die verspätete Herausgabe von Fahndungsfotos führt dazu, dass man in einer Grenzkontrollfreien EU schon längst unbemerkt über alle Berge ist.

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05.08.2019

Dann bin ich ja beruhigt wenn es keine Mörder sind!!!!!!

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04.08.2019

Für mich ist Datenschutz sehr wichtig.
Warum hier keine Fahndungsfotos veröffentlicht werden verstehe ich aber auch nicht.
Könnte da die liebe Augsburger mal nachhaken?

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04.08.2019

Das Aussehen der geflohenen Häftlinge ist so geheim, wahrscheinlich hat nicht einmal die Polizei Fotos!

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04.08.2019

Wie soll ich die sehen ???
Es gibt keine Bilder von denen !!
Haben die immer noch Zebrasteifenanzüge an ?

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