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Unterallgäu

11.05.2020

So können Sie die Rehkitze schützen

Dieses kleine und gar nicht scheue Rehkitz lief unserer Mitarbeiterin Ulla Gutmann im Wald vor die Linse.
Bild: Gutmann

Hunderttausende Rehkitze werden jedes Jahr bei der ersten Grünlandmahd verstümmelt oder getötet. So können Bauern, Jäger, aber auch Spaziergänger die Kitze retten.

Derzeit werden in Feld und Flur die ersten Wiesen gemäht. Diese Zeit ist auch die Zeit der Brut- und Setzzeit von Rehkitz, Junghasen und Wiesenbrütern. Die erste Mahd wird so jedes Jahr zur Todesfalle für Tausende von Jungtieren. Ihre Überlebensstrategie, das „Drücken“, schützt Kitze und Junghasen vielleicht vor Fuchs und Greifvögeln, aber nicht vor dem Kreiselmähwerk. Und auch Spaziergänger können einiges falsch machen und so die Tiere gefährden.

Allein rund 100.000 Rehkitze werden laut Bayerischer Landesanstalt für Landwirtschaft jährlich bei der ersten Grünlandmahd grausam verstümmelt oder getötet. Das Problem: Das Muttertier legt seinen Nachwuchs ganz bewusst in den Wiesen ab. Rehkitze und Junghasen laufen bei Gefahr nicht weg, sondern drücken sich instinktiv in ihr Versteck, was gegen Fuchs und Greifvögel sehr wirksam ist. Hinsichtlich der landwirtschaftlichen Maschinen, die mit großer Arbeitsbreite und hoher Geschwindigkeit fahren, aber oft den Tod oder Verstümmelungen nach sich ziehen.

Landwirte müssen Tierleid verhindern, sagt das Gesetz

Landwirte verstoßen gegen das Tierschutzgesetz, wenn sie im Vorfeld nicht versucht haben, dieses Tierleid zu verhindern. Peter Heckel, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Mindelheim, bittet die Landwirte deshalb, sich eng mit ihren Jägern vor Ort abzustimmen. „Landwirte und Jäger stehen gemeinsam in der Verantwortung, etwas gegen den Mähtod zu tun. Die einen aus jagdethischer Verpflichtung heraus, die anderen von Gesetzes wegen.“

Werden die Mähtermine mit den Jagdpächtern abgestimmt beziehungsweise ihnen mitgeteilt, dann haben diese die Möglichkeit, die Wiesen vor der Mahd abzugehen und Wildscheuchen aufzustellen.

Besonders gefährdet sind demnach Wiesen und Futterflächen, die am Waldrand liegen. Denn die Rehgeißen setzen ihre Kitze besonders gern in die Wiese. Dort sind sie besser vor ihren Fressfeinden geschützt und Geiß und Kitz finden einen besonders üppig gedeckten Tisch. Das frische eiweißreiche Gras fördert die Milchbildung beim Muttertier und liefert erste saftige Nahrung für die kleinen Kitze – allerdings birgt dieser Standort auch Gefahren.

Hunderte Jäger suchen die Wiesen wieder nach Kitzen und Hasen ab

Um die Jungtiere zu retten, sind in den nächsten Wochen wieder Hunderte von Jägern mit ihren Hunden unterwegs, um die Wiesen und Futterfelder nach Kitzen und Junghasen abzusuchen.

Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten, den Rehen den Aufenthalt in der Wiese zu verleiden und sie dazu zu bringen, ihre Kitze herauszuholen. So stellen viele Jäger am Rand der Wiese Scheuchen auf, die die Rehe dann verunsichern sollen. Noch besser funktionieren sogenannte elektronische Wildscheuchen, die unterschiedliche Töne, wie Menschenstimmen, Musik oder Geräusche in unterschiedlicher Lautstärke aussenden.

Auch die richtige Mähstrategie hilft, Jungtiere zu vor dem Mähwerk zu schützen. Beim Grünlandschnitt muss – so verlangt es das neue Artenschutzgesetz – die Wiese grundsätzlich von innen nach außen gemäht werden, damit Rehe, Hasen und Fasane, während der Mahd noch die Möglichkeit zur Flucht haben. „Am wichtigsten aber“, so Peter Heckel, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, sei die gute Abstimmung zwischen dem Landwirt und seinem Jäger. „Wir müssen es einfach rechtzeitig wissen, wann gemäht wird, nicht erst eine Stunde vor dem Mähen. Denn nur dann können auch wir rechtzeitig aktiv werden. Schließlich wollen wir doch alle vermeiden, dass Tiere so grausam zu Tode kommen.“

Das können Spaziergänger falsch machen

Für Spaziergänger gilt, während der Brut- und Setzzeit auf den Wegen zu bleiben und Hunde unbedingt an der Leine zu führen und nicht in den Wiesen stöbern zu lassen. Vor allen Dingen: keine Jungtiere anfassen und mitnehmen! Kitz und Junghase haben kaum Eigengeruch, damit sie von Fressfeinden nicht aufgespürt werden können. Die Muttertiere verstoßen ihren Nachwuchs, wenn dieser fremde Gerüche angenommen hat. (mz)

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