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Mindelheim

01.06.2020

So malt die Mindelheimer Künstlerin Susanne Kracht

Die gelernte Illustratorin Susanne Kracht zeigt im Salon in Mindelheim nicht nur ihre Bilder, sondern auch, wie diese entstehen.
Bild: Tina Schlegel

Plus Im Salon kann man der Künstlerin bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Die Corona-Krise und der Lockdown haben zunächst alle Lebensbereiche betroffen. Mittlerweile gibt es im Alltag immer mehr Lockerungen. Nur bei der Kultur ist es immer noch ziemlich ruhig. In unserer neuen Serie „Kunstpause“ wollen wir zeigen, wie Künstler aus der Region die Krise erleben oder auch nutzen, um sie künstlerisch umzusetzen.

Nackte Wände kamen für Susanne Kracht nicht in Frage

Es war die Idee der ersten Vorsitzenden Christel Klemenjak. Als Mitte März die Verordnungen kamen und klar war, dass die geplanten Ausstellungen auf unbestimmte Zeit ausfallen würden, überlegte sie, was aus den Räumen des Kunstvereins, dem Salon in Mindelheim, denn werden sollte. Leer und nackt die Wände, nein, das kam nicht infrage, und so zog im Mai Susanne Kracht mit ihren Bildern in den Salon – nicht nur als Dauerausstellung bis Ende August, sondern auch als „Künstlerin im Atelier“, der man bei der Arbeit über die Schulter sehen kann. „So viel Platz ist natürlich Luxus“, erzählt die Künstlerin begeistert, doch anfangs gehe es vor allem darum, Struktur in dieses neue Arbeiten außer Haus zu bekommen.

Susanne Kracht hat mit ihren großformatigen Tierporträts – ein Schneeleopard, dann ein Wolf und zuletzt in diesem Frühjahr ein Eisbär, in dessen Auge sich eine Palme spiegelt – bereits dreimal den Publikumspreis bei der jährlichen Mitgliederausstellung des Kunstvereins gewonnen. Sie hat sich dabei jeweils gegen rund 90 Werke durchgesetzt und die zahlreichen Besucher der Ausstellung offenbar nachhaltig überzeugen können.

Sehnsucht und Melancholie in den Bildern der Mindelheimer Künstlerin

Nicht nur in diesem Zusammenhang sind die Augen Blickfang. Sie sind in den meisten ihrer Werke Dreh- und Angelpunkt, sie beobachten und fokussieren den Betrachter, ziehen in Bann, verwirren. Neben den Tierporträts sind es Menschen aus anderen Kontinenten, die Kracht faszinieren. Dabei geht es ihr nicht um eine politische Aussage, sondern um ein Erfassen der physiognomischen Besonderheiten und charakteristischen Schönheit – nicht das Glatte, Einfache erweckt ihre Aufmerksamkeit, dafür jene Merkmale, die Einzigartigkeit ausmachen. Oft sind es dabei die Augen, die ihren Bildern ein unverkennbares Wesen einhauchen. „Es heißt, man malt sich immer ein wenig selbst“, sagt sie und: „Man sagt mir öfter, da liegt Sehnsucht und Melancholie in den Bildern. Das stimmt schon.“

Gleichwohl ist die gelernte Illustratorin eine Künstlerin mit einer durchweg positiven Ausstrahlung, die sie auch in ihren Bildern transportieren will. Neben den großformatigen Tier- und Menschenporträts malt sie eine zauberhafte kleine Aquarell-Reihe mit Eisbären und Enten und hin und wieder auch einem niedlichen Schwein. Szenen, die sofort ein Lächeln zaubern. An diesen arbeitet sie derzeit und auch davon gibt es Kostproben im Salon. Die Corona-Krise hat ihre Kreativität weder eingeschränkt noch beeinflusst. „Meine Skizzen entstehen spontan. Und dann habe ich auch noch einen ganzen Ordner mit Dingen, die mich inspirieren“, sagt Kracht. Außerdem wolle sie sich mit Ölmalerei auseinandersetzen, jetzt im „Salon-Atelier“ wäre dafür Platz und Zeit. „Meine Mutter malte ewig mit Öl. Ölfarben und Dauerwellenmittel sind die Gerüche meiner Kindheit“, erzählt sie lachend.

Im Salon sind nun bis Ende August Werke aus den vergangenen zehn Jahren zu sehen sowie ihre aktuellen Arbeiten. Wer also schon immer wissen wollte, wie Kracht die einzelnen Haare im Fell ihres Wolfes zeichnete – denn nein, dafür gibt es keinen Zaubertrick – oder weshalb die Nase des Eisbären tatsächlich aussieht, als sei sie feucht, kann sie besuchen. Sie wird dienstags, mittwochs und sonntags von 14 bis 17 Uhr im Salon sein. Im Netz ist sie ebenfalls zu finden unter www.susannekracht.de. Es gelten natürlich die verordneten Maßnahmen, aber es ist dennoch ein kleiner, schöner Schritt zurück in ein buntes Kunstleben.

Der Salon (Frundsbergstraße 2 in Mindelheim) ist dienstags, mittwochs und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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