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Mindelheim

26.11.2019

So schont die Mindelheimer Kläranlage das Klima

Die Mindelheimer Kläranlage ist für knapp eine Million Euro ertüchtigt worden. Darüber freuen sich von links Planer Stefan Steinbacher, Bürgermeister Stephan Winter und Klärwerksmeister Norbert Lutz.
Foto: jsto

Die Stadt Mindelheim hat die Kläranlage konsequent umweltfreundlich nachgerüstet. Das spart dem Bürger auf lange Sicht richtig Geld.

Knapp eine Million Euro hat die Stadt Mindelheim in eine Anlage investiert, die zwar jeder täglich nutzt, über die man aber üblicherweise wenig spricht. Die Rede ist von der Kläranlage im Norden der Stadt, in der Jahr für Jahr zwei Millionen Kubikmeter Fäkalien gereinigt werden. Diese jetzt abgeschlossene Sanierung allerdings hat es in sich: Weil gedämmt und isoliert wurde, was geht, die Fenster und Türen erneuert wurden und als Isoliermaterial umweltfreundliche Jute eingebaut wurde, konnte die Umweltbelastung der gesamten Anlage um rund drei Viertel gesenkt werden.

Planer Stefan Steinbacher vom gleichnamigen Büro aus Augsburg-Neusäß nannte 18,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid, die sich auf der Einweihungsfeier vor Stadträten, Vertretern von Baufirmen, Verwaltung und Planern die Zahl von 18,8 Tonnen Kohlendioxid, die sich seit dem Umbau jährlich einsparen lasse. Damit verbessere sich die Bilanz um 73 Prozent. Die Kläranlage wurde 1982 für 18 Millionen D-Mark gebaut, wie Steinbacher erinnerte. Für die Mindelheimer bedeutete das: Sie mussten die weit und breit höchsten Abwassergebühren schlucken. Würde die Kläranlage allerdings heute gebaut werden, würden die Baukosten zwischen 35 und 40 Millionen Euro liegen. „Es ist eben wichtig, zum rechten Zeitpunkt zu investieren“, lobte der Planer die Stadträte von damals.

Die Reinigungsleistung der Mindelheimer Kläranlage ist hoch

Steinbacher betonte die hohe Reinigungsleistung der Anlage. Trinken würde er das Wasser allerdings auch ganz am Ende des Reinigungsprozesses nicht. Denn alle Stoffe werden dann doch nicht herausgefischt.

Mindelheims früherer Vizebürgermeister Karl-Heinz Drexel hatte erzählt, der damalige Mindelheimer Bürgermeister Julius Strohmayer habe behauptet, er würde sogar das geklärte Wasser trinken. Sprach’s und genehmigte sich einen kleinen Schluck aus einem Schnapsglas. In Wirklichkeit, verriet Drexel, war es Cognac, den Strohmayer sich damals genehmigt hatte.

Bürgermeister Stephan Winter meinte mit leichter Ironie, die Bürger freuten sich wohl nicht auf die Briefe, die sie von der Stadt erhalten. Gemeint sind die Rechnungen für das eingeleitete Abwasser. Er gab aber zu bedenken, dass es Millionen von Menschen weltweit gibt, die solche Anlagen nicht kennen. Vier Millionen Kinder sterben jährlich an Krankheiten, die durch verdrecktes Wasser verursacht sind oder mangelnde Hygiene. Damit bezog er sich auf Angaben der Weltgesundheitsorganisation. Alle acht Sekunden stirbt ein Kind.

Bürgermeister Winter richtet Appell an die Mindelheimer

1,4 Milliarden Menschen müssen ohne sauberes Wasser auskommen. Winter appellierte deshalb an alle, möglichst sorgsam mit der Natur umzugehen.

Auch Winter betonte, dass bei der Sanierung besonders auf die Umweltverträglichkeit geachtet wurde. Darauf legte Klimaschutzmanagerin Simone Kühn besonderen Wert. An der Feier konnte sie aber nicht teilnehmen, weil sie zeitgleich in München mit Vizebürgermeister Roland Ahne den Beitritt Mindelheims zur Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen besiegelte.

Mit der Sanierung sei ein wichtiges Stück Zukunftsvorsorge geschaffen worden. Die Mitarbeiter um Klärwerksmeister Norbert Lutz hätten nun zeitgemäße und gute Arbeitsbedingungen. Winter hob aber auch die gute Zusammenarbeit von Verwaltung, Planern und Baufirmen hervor. Der Kostenrahmen konnte laut Steinbacher ziemlich genau eingehalten werden. Und die Stadt durfte sich noch über einen Zuschuss von 200.000 Euro vom Bund freuen. Das Geld gab es als Belohnung für die vorbildliche umweltschonende Sanierung.

Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach soll das Klärwerk noch effizienter machen

Nächstes Jahr soll dann noch eine Photovoltaikanlage auf das Gebäude des Klärwerks kommen. Planer Steinbacher hat errechnet, dass das 90.000 Kilowattstunden Strom verspricht. Damit könnte das Klärwerk selbst elf Prozent seines Stromverbrauchs selbst abdecken.

Die Feier hat ein fünfköpfiges Bläserensemble der Stadtkapelle Mindelheim umrahmt.

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