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Mindelheim

27.11.2019

So sicher sind die Schätze aus Mindelheims Museen

Das „Millionen-Baby“ zählt zu den wertvollsten Exponaten in Mindelheim.
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Das „Millionen-Baby“ zählt zu den wertvollsten Exponaten in Mindelheim.

Plus Der Juwelenraub von Dresden erschüttert die Kunstszene. Wie gefährdet sind die Museen in Mindelheim? Kulturamtsleiter Christian Schedler klärt auf.

Die Kunstszene ist nach dem groß angelegten Raub im Grünen Gewölbe in Dresden in Aufruhr. Fest steht: Die Täter stahlen zahlreiche Schmuckstücke mit Diamanten und Brillanten. Wer dafür verantwortlich zeichnet, ist nach wie vor offen. Überrascht hat Experten vor allem die Leichtigkeit, mit der die Räuber in das streng gesicherte Gebäude eindringen konnten. Doch wenn eine Kulturinstitution wie das Grüne Gewölbe für einen derartigen Coup anfällig ist, wie ist dann die Situation in kleineren Museen wie denen in Mindelheim?

„Grundsätzlich gilt: Wenn ein Spezialist etwas stehlen möchte, gibt es keine Sicherung der Welt, die ihn davon abhalten könnte“, sagt Christian Schedler, Kulturamtsleiter in Mindelheim. „Wir haben nur Maßnahmen zur Verfügung, die ihm das Leben erschweren.“ Wie diese Maßnahmen in den Mindelheimer Museen im Detail aussehen, möchte Schedler naturgemäß nicht preisgeben. Nur so viel: „Unsere Vorrichtungen könnten moderner nicht sein. Die elektronischen und mechanischen Sicherungen sind stark.“

Die Wahrscheinlichkeit eines Raubs in Mindelheim ist gering

Grundsätzlich schätzt Schedler das Risiko, dass ein Mindelheimer Museum überhaupt Ziel eines Kunstraubs werden könnte, als eher gering ein. Der Grund dafür ist denkbar einfach: Früher gingen viele Kunstraube auf wohlhabende Auftraggeber zurück, die ein bestimmtes Werk oder Exponat zur persönlichen Bereicherung haben wollten. Inzwischen ist die Kunstszene jedoch bestens vernetzt und kommt, etwa durch Online-Register, gestohlenen Kunstwerken leichter auf die Schliche. Viele Kunstkriminelle konzentrieren ihre Machenschaften deshalb darauf, wertvolle Edelmetalle und -steine zu stehlen, um diese dann weiterzuverarbeiten – etwa durch Einschmelzen oder, im wahrsten Wortsinn, einen neuen Schliff.

Einige Ausstellungsstücke in Mindelheimer Museen haben zwar eine extrem hohe kulturelle Bedeutung, rein materiell ist ihr Wert aber meist überschaubar. Ein Beispiel dafür ist das sogenannte „Millionen-Baby“, das im Schwäbischen Krippenmuseum in Mindelheim zu sehen ist. Das Jesulein zählt zu den ältesten der Welt und hat „einen unschätzbaren kulturellen Wert“, wie Kulturamtsleiter Schedler sagt. Rein materiell könne ein möglicher Dieb damit aber nur wenig anfangen. Gleiches gilt für die vielen Kunstwerke, die in Mindelheim ausgestellt sind. Werden sie irgendwie verändert, um einen möglichen kriminellen Hintergrund zu kaschieren, sind sie de facto wertlos.

Kunstraub in Dresden: Mindelheimer Museen sind in Millionenhöhe versichert

Einige Museen liebäugeln nach den Vorfällen von Dresden mit der Idee, fortan häufiger Kopien zu präsentieren anstatt der kostbaren Originale. Kulturamtsleiter Schedler kann diesem Gedankenspiel nur wenig abgewinnen: „Dann können wir uns die Museen gleich sparen. Originale haben eine ganz andere Aura und sehen einzigartig aus – da kann die Kopie noch so gut sein“, sagt Schedler. Da die Kunst letztlich allen gehöre, hätten auch alle einen Anspruch darauf, die Originale zu sehen. „Kopien führen das Publikum hinters Licht.“

Im Gegensatz zu staatlichen Museen wie dem Grünen Gewölbe in Dresden sind Museen, die von der Kommune, dem Landkreis oder dem Bezirk getragen werden, gegen Diebstahl versichert – sowohl für eigene als auch geliehene Exponate. Der Versicherungswert aller Mindelheimer Ausstellungsstücke geht in die Millionen. Dass einmal darauf zurückgegriffen werden muss, ist jedoch nicht absehbar. „Ich bin seit fast 30 Jahren hier“, sagt Kulturamtsleiter Schedler. „Seitdem gab es keinen nennenswerten Diebstahl.“

Kulturamtsleiter Christian Schedler: "Mir blutet das Herz"

Zwei Zwischenfälle sind ihm dennoch in Erinnerung geblieben. So wurde vor längerer Zeit Bargeld aus einer Spendenkasse im Heimatmuseum entwendet. „Das war schlecht gesichert, inzwischen haben wir das behoben“, sagt Schedler. Ein zweiter unangenehmer Vorfall fand vor einigen Jahren ebenfalls im Heimatmuseum statt. Damals wurde ein Teil einer frei stehenden Figur des Heiligen Ulrich abgebrochen. „Das war aber eher Vandalismus als Diebstahl“, schätzt Schedler.

Als Kunstexperte bedauert Schedler die Vorfälle von Dresden sehr. „Mir blutet schon das Herz“, sagt er. Die Sorge vor weiteren, ähnlichen Zwischenfällen raube ihm aber nicht den Schlaf. „Vor dieser Gefahr darf man nicht kapitulieren, das ganze Leben ist gefährlich. Und wer weiß“, sagt Schedler und lacht, „vielleicht tauchen die Juwelen von Dresden ja wieder auf. Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Mehr zum Kunstraub von Dresden lesen Sie hier:

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