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Bad Wörishofen

16.09.2016

So soll die Kurstadt fitter werden

Der Masterplan Tourismus ist seit Februar 2016 fertig.  Zahlreiche Ideen aus den Arbeitsgruppen, sollen nun umgesetzt werden. Dazu zählen auch Freiluft-Sportgeräte für den Stadtkern.
Bild: Brücken

Von Schmerz-O-Meter bis Kochbuch und Pergola-Wettbewerb reichen die Ideen. Stressgeplagte, Rückenschmerz-Patienten und Familien sind neue Zielgruppen. Hoteliers und Ärzteschaft mahnen Versäumnisse an.

Das Verhältnis zwischen Hoteliers und Kurdirektion hat sich augenscheinlich etwas entspannt. Martin Steinle vom Hotel- und Gaststättenverband schlug am Mittwoch deutlich moderatere Töne an als noch vor einigen Monaten. Er würdigte die Leistung des Kur- und Tourismusbetriebs. Auch Kurdirektor Horst Graf strich die „kollegiale Zusammenarbeit“ mit den Hoteliers heraus. Gleichwohl betrachtete Steinle die Situation in der Sitzung des Kurausschusses durchaus kritisch.

So hätten Bayerns Kneippkurorte im vergangenen Jahr im Schnitt neun Prozent mehr Gäste und sieben Prozent mehr Übernachtungen verzeichnet. In Bad Wörishofen dagegen sei man bei 6,6 Prozent mehr Gästen und lediglich 0,2 Prozent mehr Übernachtungen gelandet. „Das gibt uns zu denken“, sagte Steinle. Zudem müsse man „dringend“ gemeinsam über die Vermarktung „des hier Geschaffenen“ sprechen. „Hier scheint es mir Defizite zu geben“, betonte Steinle. Er kritisierte außerdem, dass der 94 Seiten starke Tourismusbericht des Kur- und Tourismusbetriebs auf dessen Internetseite für jedermann verfügbar gemacht wurde. So offen sollte man mit den Zahlen nicht umgehen, findet Steinle.

Auch beim touristischen Internetauftritt Bad Wörishofens sehen die Hoteliers Nachholbedarf. Hier teilte Cathrin Herd mit, dass weitere Verbesserungen geplant sind. So soll es einen eigenen Blog geben, ein Online-Tagebuch also, zudem das „Schmerz-O-Meter“ für Menschen mit Rückenschmerzen. Anhand des Ergebnisses wird den Nutzern gleich die passende Kompaktkur zur Linderung der Probleme präsentiert. Derzeit verzeichne die Website etwa 30000 Zugriffe pro Monat, so Herd. Das „Schmerz-O-Meter“ ist auch Bestandteil der ersten Projekte aus dem Touristischen Masterplan 2021. Die CSU-Fraktion hatte beantragt, eine Zwischenbilanz zu präsentieren. Josef Wild (FW) kritisierte am Ende, der wichtigste Punkt sei gar nicht genannt worden: die Stärkung der ärztlichen Kompetenz. „Die Therapie muss vor Ort individuell festgelegt werden“, betonte Wild und zwar für alle Gäste, auch jene mit Pauschalkur.

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Diese Pauschalkuren würden „unsere Kompetenz ständig untergraben“, kritisierte Wild, der selbst als Kurarzt tätig ist. Das Problem habe ein gewisses Ausmaß erreicht. Etwa 40 Häuser in Bad Wörishofen würden von Pauschalkuren leben, berichtete Wild. Durch die Stärkung der ärztlichen Kompetenz verspricht sich Wild etwa 140000 Übernachtungen mehr pro Jahr.

Noch in Arbeit ist die Gästebefragung im Rahmen des Masterplans. Das teilte Kurdirektor Graf auf Nachfrage von Grünen-Sprecherin Doris Hofer mit. 500 bis 600 Rückmeldungen gebe es bereits, das Ergebnis soll im November vorgestellt werden.

Von einem „großen Strauß an Maßnahmen“ spracht Bürgermeister Paul Gruschka im Hinblick auf den Masterplan. Es habe sich in den Arbeitsgruppen gezeigt, dass „da viele Ideen geschlummert haben“, berichtete Kurdirektor Graf. Im Februar 2016  war der Plan fertig. Es geht um die Qualitätssicherung der Pauschalkuren, ebenso um die Aufwertung des Kneipp-Museums. Hier ist eine Erweiterung geplant, gemeinsam mit Peter Schreiner, der etwa das Ötzi-Museum mitgeplant hat. Der Ausbau ist aber noch Zukunftsmusik, es gibt noch nicht einmal eine Kostenschätzung. Die Pergola im Ortskern ist ebenfalls ein Thema. „Sie hat mindestens ebensoviele Gegner wie Befürworter“, berichtet Petra Nocker. Einige wollten Teile erhalten, andere wollten sie komplett abreißen. Man werde nun einen Ideenwettbewerb für das Gelände an den umliegenden Hochschulen ausschreiben, kündigte Nocker an.

Ein wichtiger Punkt ist auch die Umgestaltung des Kurparks. Hier dürfe man im Wettbewerb der Parks im Lande nicht stehenbleiben, sagte Nocker. Dazu gehören auch Sanierungsmaßnahmen (siehe eigener Bericht auf dieser Seite). Weitere Vorhaben sind Angebote für Stressgeplagte und Rückenschmerz-Patienten, Sportgeräte im Stadtzentrum, eine Fernbus-Haltestelle, eine Fünf-Elemente-Tour durch Bad Wörishofen, eine neuer Stadtplan mit allen Sehenswürdigkeiten, eine Familien-Offensive mit eigenen Produkten wie „Großeltern-Enkel-Ferien“, ein vierbändiges Kochbuch der Wörishofer Gastronomen, Angebote wie „Single-Tische“, wo sich Alleinreisende kennenlernen können, ein Kräuterbeauftragter und vieles mehr.

Zudem soll die Angebots- und Servicequalität gesteigert werden, indem sich möglichst viele Hotels gängigen Zertifizierungen unterwerfen.

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