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Mindelheim

29.11.2019

So verschaffte sich die Klima-Demo in Mindelheim Gehör

Mit Parolen, Live-Musik und Protestschildern zogen rund 200 Demo-Teilnehmer durch die Mindelheimer Innenstadt.
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Mit Parolen, Live-Musik und Protestschildern zogen rund 200 Demo-Teilnehmer durch die Mindelheimer Innenstadt.

Plus Hunderte gehen in Mindelheim für das Klima auf die Straße. Anschließend öffnet das Landratsamt die Türen zur Diskussion. Doch es gibt auch Unstimmigkeiten.

Umweltmanagerin Sandra ten Bulte hat gerade ein paar Minuten gesprochen, da meldet sich eine Frau aus dem Publikum: „Wir sind hier nicht für Vorträge, wir wollen diskutieren!“ Viele, die neben ihr im vierten Stock des Landratsamts sitzen, nicken. Die Klima-Demos, die im Sommer als Schülerbewegung auf der Straße begannen, haben sich im dritten Anlauf endgültig Gehör in der Politik verschafft.

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Im Juni noch verhallte der Protest von rund 80 Schülern vor den Türen des Landratsamts beinahe ungehört, Ende September sprachen immerhin Klimamanagerin Sandra ten Bulte und die Leiterin der Zentralabteilung, Maria Bachmaier, zur inzwischen 400 Menschen starken Menge. Diesmal lud die Landkreis-Verwaltung nach der Klima-Demonstration durch die Stadt jedermann zu einer Diskussion ein. Die Nachricht war klar: Wir haben verstanden, wir hören Euch zu – wir öffnen Euch die Türen.

Die Klima-Demo in Mindelheim führt bis ins Landratsamt

Kurz nach Schulschluss, um 14 Uhr, hatten sich diesmal rund 200 Junge und Ältere am Schrannenplatz versammelt, um für mehr Klimaschutz und explizit gegen das Klimapaket der Bundesregierung zu demonstrieren. Aufgerufen zu dem Protestzug hatte ein Zusammenschluss verschiedener Organisationen, darunter der Bund Naturschutz und die Grüne Jugend Unterallgäu.

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Der Weg war deutlich länger als bei den vorherigen Klima-Demos: Er führte über die Hermele-, Teck- und Krumbacher Straße durch das Obere Tor, die Maximilianstraße entlang und schließlich über die Frundsbergstraße zum Landratsamt in der Bad Wörishofer Straße. Die schlangenlinienförmige Route war kein Zufall: Aus der Vogelperspektive betrachtet, bildete sie ein überdimensionales Fragezeichen – eine Aufforderung an die Politik zum Handeln.

Klima-Protest in Mindelheim: "Wir können halt nicht wählen"

Abgesehen vom grauen Himmel und der Winterkleidung vieler Teilnehmer bot sich ein Bild, das von den vorherigen Demonstrationen bereits bekannt war: Eine gut gelaunte Menschenmenge, die sich mit Musik, Parolen und Protestschildern für mehr und besseren Klimaschutz einsetzt. Kein neuer Anblick, der von seiner Lautstärke aber kaum etwas eingebüßt hat: „Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut!“

Die Brüder Simon und Jakob Ginter aus Mindelheim waren schon bei den vorherigen Klima-Demos in Mindelheim dabei. Warum sie immer wieder kommen? „Wir können halt nicht wählen“, sagt der 16-jährige Simon, der wie sein Bruder das Maristenkolleg besucht. „Aber irgendwie müssen wir uns ja für die Umwelt einsetzen. Den Politikern ist das, was wir hier tun, vielleicht egal. Aber ich glaube, dass wir zumindest eine Wirkung auf andere Leute ausüben können.“ Jakob, 14 Jahre alt, stimmt zu: „Die Klimapolitik macht nicht viel, deshalb sind wir hier.“

Diskussion im Landratsamt nach Klima-Protest: Dialog geht weiter

Nach gut einer Stunde kommt der Demonstrationszug am Landratsamt Unterallgäu an. Dort steht Landrat Hans-Joachim Weirather und nimmt die skandierende Menge in Empfang. „Wir wollen Euch nicht totreden“, sagt er zu Beginn der geplanten Dialog-Veranstaltung zu den nun noch rund 100 Gästen, unter denen auch viele Kreisräte sind. „Aber lasst uns Euch zeigen, was wir schon alles für die Umwelt tun.“ Die geplanten Kurzvorträge zu den Themen Klimaschutz, Mobilität und Naturschutz wurden dann rasch von aufgeweckten Diskussionen überlagert.

Die Klima-Demos haben sich nun also auch im Landratsamt Gehör verschafft. Ein Umstand stieß den Organisatoren trotzdem auf: Sie hatten darauf gehofft, die Politiker und Beamten im Rahmen einer Podiumsdiskussion auf Augenhöhe zur Rede stellen zu können. So waren ihnen nur Fragen aus dem Publikum erlaubt. Trotzdem, so erklärten beide Seiten nach Ende der Veranstaltung am späten Nachmittag, wolle man den Dialog aufrechterhalten.

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