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Unterallgäu

09.05.2019

So viel Müll verursacht jeder Unterallgäuer

So viel Elektronikschrott wie noch nie haben die Unterallgäuer im vergangenen Jahr an den Wertstoffhöfen abgegeben. Insgesamt waren es 1396 Tonnen, das entspricht zehn Kilogramm pro Einwohner. „Die Gelbe Tonne war die richtige Entscheidung“
Bild: Symbolfoto: Sylvio Wyszengrad

Plus Was das gute Wetter 2018 mit der Abfallbilanz des Landkreises zu tun hat und warum weniger Verpackungsmüll nicht unbedingt positiv ist.

Mit dem Abschlussbild seiner Präsentation sorgte Edgar Putz, der Leiter der Kommunalen Abfallwirtschaft am Landratsamt, in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses für schmunzelnde Gesichter. Es zeigte einen Müllwagen mit der Aufschrift: „Je wichtiger der Mitarbeiter, desto dicker der Dienstwagen.“ Zuvor hatte Putz den Kreisräten die Abfallwirtschaftsbilanz des vergangenen Jahres vorgestellt, in der es mehrere Rekorde gab.

Dabei war auch deutlich geworden, wie wichtig die Müllabfuhr ist. Immerhin hat im vergangenen Jahr jeder Unterallgäuer durchschnittlich rund 138 Kilo Restmüll verursacht, der im Müllheizkraftwerk Weißenhorn verbrannt wurde. Im Vergleich zum Vorjahr ist das zwar ein Plus von etwa fünf Kilogramm, berücksichtigt man aber auch Sperrmüll, Gewerbeabfälle und deponierte Abfälle, ist die Müllmenge pro Landkreisbürger sogar leicht gesunken, nämlich von 171,24 Kilogramm im Jahr 2017 auf 171,12 Kilogramm im vergangenen Jahr.

70 Prozent des Mülls, der im Unterallgäu anfällt sind Wertstoffe

Dieser Müll entspricht allerdings nur rund 30 Prozent des gesamten Abfallaufkommens in Höhe von fast 81.600 Tonnen oder 569 Kilogramm pro Einwohner. Die restlichen 70 Prozent entfallen auf die Wertstoffe: Fast 398 Kilogramm sind hier rein rechnerisch pro Unterallgäuer angefallen. Zu den Wertstoffen zählen neben Schrott, Altglas, Papier und Kartonagen sowie der Schlacke aus der Müllverbrennungsanlage auch Garten- und Bioabfälle. Mit 190 Kilogramm pro Einwohner machen sie den Löwenanteil der erfassten Wertstoffe aus – und sind auch mit ein Grund dafür, dass das Abfallaufkommen im Landkreis insgesamt steigt.

So viel Müll verursacht jeder Unterallgäuer

Denn als es weder die Biotonne noch die Grüngutsammelstellen gab, wurden die Garten- und Bioabfälle meist auf dem eigenen Grundstück kompostiert und tauchten deshalb in keiner Abfallbilanz auf. Inzwischen treiben sie die Zahlen – abhängig von der Witterung – kräftig nach oben: Noch nie zuvor wurden an den Wertstoffhöfen so viel Rasenschnitt, Äste und anderes Grüngut angeliefert wie im vergangenen Jahr, nämlich 22.500 Tonnen. Ebenfalls eine Rekord gab es beim Elektronikschrott: Hier landeten 1.396 Tonnen oder zehn Kilogramm pro Kopf bei den Wertstoffhöfen.

Die zweitgrößte Fraktion nach den Gartenabfällen bilden Papier, Pappe und Kartonagen: In den blauen Tonnen des Landkreises und bei Vereinssammlungen wurden insgesamt 10.850 Tonnen davon erfasst. Auf Platz drei landet das Altholz mit 4.216 Tonnen, gefolgt vom Glas mit 3.286 Tonnen.

"Die Gelbe Tonne war die richtige Entscheidung"

Obwohl es sich beim Inhalt des Gelben Sacks um sogenannte Leichtverpackungen handelt, brachten diese im vergangenen Jahr 2.491 Tonnen auf die Waage – 137 Tonnen weniger als im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang von 1,26 Kilogramm auf 17 Kilogramm pro Einwohner. Grund zur Freude ist das allerdings nicht. Denn offenbar liegt der Rückgang nicht daran, dass die Unterallgäuer weniger Verpackungsmüll zu entsorgen hatten, sondern eher daran, dass sie das – womöglich der Abgabe am Wertstoffhof müde – nicht über den Gelben Sack getan haben. Diesen Schluss legen zumindest die aktuellen Zahlen nahe: Seit die Leichtverpackungen in der Gelben Tonne bei den Bürgern abgeholt werden, wurden laut Putz deutlich mehr Wertstoffe erfasst als zuletzt. Der Leiter der Abfallwirtschaft ist deshalb überzeugt: „Die Gelbe Tonne war die richtige Entscheidung.“

Auf Rückfrage von Kreisrat Erich Lerf (CSU) sagte er, dass sich die Befürchtung mancher Bürger, die Gelbe Tonne reiche nicht aus, bis auf wenige Einzelfälle nicht bestätigt habe. Aktuell sei ihm nur ein Vier-Personen-Haushalt bekannt, bei dem die Tonne häufiger als alle vier Wochen geleert werden müsste. Außerdem ging er auf den immer noch weitverbreiteten Irrglauben ein, die Mülltrennung lohne sich nicht, weil auch der Inhalt der Gelben Tonne letztlich verbrannt werde. Tatsächlich werden die Leichtverpackungen nämlich in eigenen Sortieranlagen sortiert: Aluminium und Weißblech gehen in die Stahlindustrie, Kartonverbunde werden getrennt und anschließend in der Papierindustrie und in Zementwerken wiederverwertet, Styropor wird zu neuem Stryropor aufbereitet und Kunststoffe werden für neue Kunststoffe verwendet. Problematisch seien lediglich Kunststoffe und Folien, die sich beispielsweise aus mehreren verschiedenen Folienschichten zusammensetzen oder verschmutzt sind. Da sie nicht weiterverwendet werden können, werden sie tatsächlich verbrannt – allerdings als Ersatzbrennstoffe für Kohle oder Öl. Insgesamt seien 77 Prozent des gesamten Mülls, der im Landkreis angefallen ist, wiederverwertet worden.

Die Wertstoffhöfe sollen attraktiv bleiben - und zur Müllvermeidung beitragen

In der Sitzung stimmten die Kreisräte schließlich auch zu, das Abfallwirtschaftskonzept des Landkreises fortzuschreiben. Es sieht unter anderem vor, Initiativen zur Abfallvermeidung und -verwertung wie etwa Repair-Cafés oder Gebrauchtwarenkaufhäuser zu unterstützen und miteinander zu vernetzen. Außerdem sollen – wenn der Platz dafür vorhanden ist und die Mitarbeiter dazu bereit sind – die Tauschbörsen an den Wertstoffhöfen ausgebaut werden. „Es geht auch darum, die Wertstoffhöfe attraktiv zu halten“, so Putz. Ferner sieht das Konzept vor, Deponie-Kapazitäten zu sichern und die vom Landkreis erfassten und umzuschlagenden Fraktionen an einer zentralen Stelle zu bündeln.

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