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Gewalt

15.07.2020

So viele verletzte Polizisten im Allgäu wie noch nie

Polizisten werden – auch im Landkreis Unterallgäu – immer öfter Opfer von Gewalt.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Die Zahl der Tage, an denen Beamte dienstunfähig sind, steigt beim Allgäuer Präsidium um fast 50 Prozent.

Schürfwunden, Prellungen, Hämatome, aber auch schlimmere Blessuren: Die Zahl der verletzten Polizisten im Bereich des Kemptener Präsidiums hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. 205 Beamte wurden bei Angriffen verwundet, drei davon schwer. Daraus resultierten 346 Dienstunfähigkeitstage – fast 50 Prozent mehr als noch 2018. Insgesamt ist die Zahl der Angriffe auf Beamte laut Polizei zwar leicht rückläufig, die Schwere der Taten nehme aber deutlich zu.

Passanten mit Messer bedroht, dann auf Polizei losgegangen

Ein Beispiel für die zunehmende Aggressivität gegenüber den Beamten ist ein Vorfall, der sich in Oberstdorf ereignet hat: Ein 29-Jähriger hatte zunächst Passanten mit einem Messer attackiert und ging dann auf zwei Polizisten los. Er würgte sie und nahm einen von ihnen in den Schwitzkasten, um ihm die Luft abzudrücken. Die Kriminalpolizei Kempten ermittelte gegen den Täter unter anderem wegen versuchten Totschlags, die Gerichtsverhandlung steht noch aus.

Im Jahr 2019 wurden 601 Fälle von verbaler oder körperlicher Gewalt gegen Beamte im Polizeipräsidium Schwaben Süd/West registriert. Die Taten ereigneten sich meist nachts oder am Wochenende, beispielsweise bei Festnahmen oder wenn die Identität des Betreffenden geklärt werden sollte.

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Unterallgäuer schlägt Polizisten bewusstlos

Auch in jüngster Vergangenheit wurden Allgäuer Beamte immer wieder angegriffen. Nach dem Tötungsdelikt in einem Bus in Obergünzburg widersetzte sich der mutmaßliche Täter der vorläufigen Festnahme und musste unter Anwendung von körperlicher Gewalt überwältigt und gefesselt werden. In Sonthofen schlug ein junger Mann nach einem Beamten und warf mit Beleidigungen um sich. Er wurde kontrolliert, nachdem er eine Bierflasche ins Gebüsch geworfen hatte.

Im Unterallgäuer Lautrach rastete ein 18-Jähriger komplett aus und schlug einen Polizeibeamten so heftig ins Gesicht, dass dieser das Bewusstsein verlor. Polizeipräsident Werner Strößner zeigt sich angesichts dieses gewalttätigen Angriffs entsetzt: „Es ist nicht hinnehmbar, wenn einem Polizeibeamten aus einer Nichtigkeit heraus mit der Faust ins Gesicht geschlagen wird. Wir werden der Justiz den Fall zeitnah zur Entscheidung vorlegen.“

Polizei im Allgäu setzt Bodycams ein

Strößner setzt auf Bodycams, mit deren Hilfe Geschehnisse aufgezeichnet werden können. Die Beamten tragen die Kameras am Oberkörper. „Es stimmt mich nachdenklich, wenn die seit Jahren ohnehin schon hohe Anzahl verletzter Kollegen nun einen neuen Höchststand erreicht hat. Ich hoffe, dass die seit November 2019 in unserem Präsidium flächendeckend eingesetzte Bodycam zu einem Rückgang der Angriffe führt. Die ersten Erfahrungen mit diesem neuen Einsatzmittel sind sehr positiv.“ (az, sih)

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