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Unterallgäu

27.08.2020

So war die Getreideernte im Unterallgäu

So gut wie alle Getreidefelder sind im Unterallgäu abgeerntet. Eine quantitativ gute Ernte bedeutet jedoch nicht, dass Landwirte ihr Korn von Großmühlen abgenommen bekommen. Vor allem der Eiweißgehalt ist entscheidend.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Viel Regen zu den richtigen Zeiten bescherte den Bauern im Unterallgäu eine reiche Getreideernte. Weswegen viele Landwirte trotzdem Probleme haben.

Wenn der Regen fällt, dann sind Landwirte meist gut gelaunt – zumindest während der Wachstumsphase der Pflanzen. Viele Bauern kämpfen mit den klimatischen Veränderungen. In einigen Regionen Deutschlands fielen die bisherigen Ernten, insbesondere beim Getreide, nicht gut aus. Im Unterallgäu war heuer von einem Negativtrend jedoch nichts zu spüren. Martin Schorer ist Unterallgäuer Kreisobmann beim Bayerischen Bauernverband und erklärt, seit Jahren sei die Getreideernte im Unterallgäu stabil. Lokale Ausreißer nach oben und unten seien normal. Der Regen sei im Unterallgäu zu den richtigen Zeiten gefallen, deshalb können Landwirte mit ihrer Getreideernte zufrieden sein.

Bei zu viel Feuchtigkeit treten am Getreide schädliche Pilze auf

Das Wetter sei maßgebend für die Qualität des Korns. Regnet es zu wenig, wächst Getreide nur gedrungen. Ist es zu feucht, bilden sich Pilze, die rasch die ganze Pflanze befallen können. Landwirte – zumindest im konventionellen Bereich – können ihre Felder dann nur „gesundspritzen“, wie Schorer sagt. Fungizide verhindern Pilzkrankheiten. „Die Mittel sind aber teuer, wir Landwirte spritzen nur, wenn es unbedingt notwendig ist.“

Heuer musste Schorer, der in Hawangen etwa 40 Hektar bewirtschaftet, wegen des günstigen Wetters weniger Pflanzenschutzmittel ausbringen als sonst. Auf der Hälfte seiner Flächen baut der 62-jährige Landwirt Wintergerste und Winterweizen an, auf der anderen Hälfte Mais.

Auch beim Eiweißgehalt seines Getreides hat Schorer Glück. Mit 12,1 Prozent ist er über dem Soll. Ein anderer Unterallgäuer Landwirt, erzählt der Hawanger, sei bei der Mühle jedoch abgeblitzt, da sein Proteingehalt nur etwa zehn Prozent betrug. Dieser könne seine Ernte nur noch an einen Futtermittelhersteller verkaufen – zu einem deutlich geringeren Preis. Die Erzeugerpreise werden durch den weltweiten Handel bestimmt. Da das Angebot aus dem Ausland sehr groß ist, können sich die Abnehmer die Rosinen herauspicken. Nur die Landwirte, die die strengen Anforderungen erfüllen, bekommen ihr Getreide verkauft.

Der Eiweißgehalt im Korn hänge davon ab, wie viel Stickstoff im Boden ist, erklärt Schorer. „Es ist paradox, auf der einen Seite sollen wir so wenig düngen wie möglich, auf der anderen Seite soll unser Getreide aber möglichst viel Eiweiß enthalten.“

BBV-Kreisobmann Martin Schorer
Bild: Diebolder

Noch haben die Bauern im Unterallgäu keine großen Probleme mit dem Klimawandel

Zumindest der Klimawandel mache den Unterallgäuer Landwirten noch nicht so sehr zu schaffen, wie andernorts in der Bundesrepublik. Laut dem diesjährigen Bayerischen Pflanzenbauspiegel der Landesanstalt für Landwirtschaft gehörte der Winter 2019/20 zu den wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 – was gut für Wintergetreidesorten war.

Im Februar, der außergewöhnlich mild ausfiel, gab es ausgiebige Niederschläge, teilweise mit mehr als der doppelten Menge des sonst üblichen Monatssolls. Die regnerische Witterung hielt der Statistik zufolge bis zum ersten Märzdrittel an. Dann kam die Saat des Sommergetreides.

Der April zeigte sich ungewöhnlich sonnig, warm und bis zum Ende extrem niederschlagsarm. Ein teils kräftiger Ostwind verschärfte die Trockenheit zusätzlich. Besonders Franken, die Oberpfalz sowie Teile von Niederbayern litten unter Wassermangel. Die Topologie im Unterallgäu ist ein Standortvorteil. „Wir haben überwiegend gute Böden, die Feuchtigkeit gut halten können“, sagt Schorer. „Nur wenige Flächen haben im Landkreis einen Kiesunterbau, wo das Wasser schnell versickert.“

Das Unterallgäu ist glimpflich durch die Eisheiligen gekommen

Die rund sechswöchige Trockenphase endete mit dem langersehnten, aber rechtzeitigen Regen in der letzten Aprilwoche. Im Mai lagen die Regenmengen zwar erneut unter dem Monatssoll, da es aber im Vergleich zu den Vorjahren nicht allzu warm war und die Niederschläge regelmäßig fielen, reichte die Bodenfeuchtigkeit für den Wachstumsschub. Nachtfröste Anfang und Mitte April sowie um den 12. Mai schädigten etwa in Franken und der nördlichen Oberpfalz zum Teil Wintergerste und Raps, aber auch sogenannte Hackfrüchte wie Kartoffeln und Futterrüben. Das Unterallgäu ist relativ glimpflich durch die „Eisheiligen“ gekommen.

Die regenreiche und warme warme Juniwitterung ohne längere Hitzephasen führte zum letzten Wachstumsschub und begünstigte die Kornausbildung. Auch der Mais ist im Freistaat laut der Landesanstalt gut entwickelt und lässt auf hohe Erträge hoffen. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber schrieb kürzlich in einer Pressemitteilung: „Unsere Landwirte werden sich in Zukunft auf Extremwetterlagen wie Starkregen vor allem im Süden und Trockenheit besonders im Norden Bayerns einstellen müssen.“

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