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Ettringen

20.08.2020

Soziale Mitte: Wieder gemeinsam statt einsam in Ettringen

Tagespflege und Seniorenkaffee in einem Haus: Ottilie Deutsch (sitzend) profitiert gleich doppelt vom Konzept der „Sozialen Mitte“. Unterstützung findet die 91-jährige Ettringerin dabei in (stehend, von links) Gabriele Strüwing (Verein „Dahoim“), Einrichtungsleiterin Anita Uhl und Intakt-Geschäftsführerin Nicole Dübbel.
Bild: pae

Plus Teile der Sozialen Mitte in Ettringen sind in Betrieb, nun folgt am Wochenende ein weiteres Angebot für Senioren.

Es duftet nach Tee im geräumigen Aufenthaltsraum der Tagespflege Intakt. Fünf Senioren, die hier liebevoll „Tagesgäste“ genannt werden, sitzen am Tisch und spielen ein Würfelspiel. Ein Radio läuft, gespielt wird Egerländer Blasmusik. Es ist kurz vor 10 Uhr.

Im Anschluss wird Einrichtungsleiterin Anita Uhl eine Geschichte vorlesen, danach mit ihren Schützlingen über das zuvor Gehörte sprechen. Dieses Gedächtnistraining ist Teil des Vormittagsprogrammes und wird von den Tagesgästen geschätzt.

Mittlerweile kann Uhl wieder Tagesgäste aufnehmen, das Coronavirus hatte zuvor alles zum Erliegen gebracht. Nicht nur die Senioren haben das Angebot vermisst. Auch das Team um Anita Uhl ist froh, ihren Tagesgästen jetzt wieder so etwas wie Normalität bieten zu können – deren Angehörigen damit auch. Wer noch mobil ist, kommt auch Fuß. So wie Ottilie Deutsch.

Die 91-jährige Ottilie Deutsch liebt ihren Heimatort und will keinesfalls in ein Heim ziehen

Die 91-Jährige ist in Ettringen geboren, liebt ihren Heimatort und möchte von dort auch nicht weg. „Schon gar nicht in ein Heim!“, sagt sie. Nur wenige Gehminuten trennen ihre Wohnung von der Sozialen Mitte.

Die Einrichtung findet Tilli, wie sie hier gerufen wird, sehr gut. Hier hat sie Gesellschaft, kann an den angebotenen Gedächtnis- und Gesellschaftsspielen teilnehmen, bisweilen ihre Fitness durch moderaten Stuhltanz stärken und sogar ein kleines Schläfchen halten. Das tut sie nach dem gemeinsamen Mittagessen, wenn die Ruhestunde in der Tagespflege beginnt. Dann sitzt Ottilie Deutsch gerne vor dem Fernseher der Einrichtung und schaut sich Tierreportagen an. „Do kann i am beschta schlafa!“, sagt sie und zwinkert.

Ottilie Deutsch ist die älteste Besucherin der Tagespflege. Mag sie unter so manchem Zipperlein leiden – ihr Geist, der ist hellwach. Ebenso ihr Humor. Vier Kinder hat Tilli großgezogen, mittlerweile gehören neun Urenkel zu ihrer Familie. Viel gearbeitet hat sie ihr Leben lang, darunter zehn Jahre die Mindelheimer Zeitung ausgetragen. Flott sei sie unterwegs gewesen, natürlich, das Austragen fand ja nachts statt, ohne Schwätzchen am Gartenzaun. „Sonst kommscht ja nimma hoim!“, lacht sie.

Für den beliebten Kaffeetreff gelten nach dem Neustart andere Regeln in der Corona-Krise

Wenn im Begegnungsraum, im vorderen Trakt der Sozialen Mitte und damit im gleichen Gebäude, zum Kaffeetreff geladen wird, dann ist auch Ottilie Deutsch mit dabei. Dieser beliebte Treff unter der Ägide des Vereins „Dahoim“ war bis dato gut gesucht. Die notwendige Schließung aufgrund der Pandemie hat dem gemütlich ausgestatten Raum jedes Leben entzogen. Nun geht es auch dort wieder los, am Samstag, 22. August. „Wir freuen uns alle sehr darauf!“, sagt Gabriele Strüwing, die als Seniorenbeauftragte Ettringens fungiert. Ein wenig anders als zuvor wird sich der Kaffeetreff dennoch gestalten. Natürlich wegen Corona – oder „Cora“, wie die Senioren das Virus abschätzig nennen. Eine telefonische Anmeldung unter der Rufnummer 0171/7201554 ist nun Voraussetzung, auch wird es eine Sitzordnung geben.

Der beliebteste Platz des Kaffeetreffs ist die langgezogene Sitzbank an der Stirnseite des Begegnungsraums. Hat man von dort aus doch einen herrlichen Blick auf das Treiben entlang der Ettringer Hauptstraße. „Sonst saßen unsere Besucher dort eng aneinander, die Kaffeetassen in der Hand“, sagt Gabriele Strüwing und lacht. Nun gilt es auch dort das Abstandsgebot einzuhalten.

Zwei Mal im Monat soll es den Kaffeetreff wieder geben. Wieder aufleben lassen möchte man zudem den Mittagstisch, den es einmal pro Monat im Programm gab. Doch das ist noch Zukunftsmusik; noch wisse man nicht, wie sich die Situation weiter entwickle, sagt Strüwing. „Wir planen vorsichtig,aber mit Hoffnung.“

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