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31.03.2008

Spaziergang auf der farbenprächtigen Bühne des Lebens

Wer sich im Forum an die farbenfrohen, mythologischen Malereien von Johanna Kieling gewöhnt hat, wird nun für die kommenden vier Wochen mit einer völlig anderen Art Kunst - und damit einer ganz neuen Atmosphäre der Räume - konfrontiert.

Nämlich mit einer Ausstellung von Joachim Feldmeiers großem, 56-teiligem Holzschnitt "Naturgewalten", die soeben von Bürgermeister Winter und Christian Schedler eröffnet wurde.

Wenn der Künstler seine monumentale Arbeit "Naturgewalten" nennt, dann gibt er diesen Titel nicht donnernden Wasserfällen, tobenden Stürmen oder feuerspeienden Vulkanen, sondern einem stillen Waldstück irgendwo im Schwäbischen. Ein Künstler lehrt uns das Sehen, öffnet uns die Augen für die gewaltige Kraft des scheinbar Unspektakulären, Schlichten, Banalen. Führt uns auf die grandiose Bühne des Lebens und hebt den Vorhang für ein Stück, das sich täglich vor uns abspielt, ohne dass wir dessen gewahr werden. Feldmeier weckt Bewusstheit für das Leben - und für dessen Zerbrechlichkeit.

Die Mittel, mit deren Hilfe ihm das gelingt, sind allerdings durchaus spektakulär. Der Kunsterzieher, der sich seit 20 Jahren ausschließlich der Technik des Holzschnitts verschrieben, gängige Wege dabei aber längst verlassen hat, erfüllt sich mit den "Naturgewalten" einen Traum, der nur mit Hilfe ausgeklügeltster Technik und ausgefeiltester Logistik realisierbar war: die Erstellung eines Holzschnitts von 31 Metern Länge und fast drei Metern Höhe, bestehend aus 56 Farbholzschnitten im Format 138 mal 110 cm.

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Feldmeier hat seine Bilder in acht Farbstufen auf Leinwand gedruckt und für die Präsentation ein spezielles Hängesystem aus Aluprofilen entwickelt. Durch die Technik des Abbauschnitts (Verlorene Platte) ist ein Nachdruck nicht möglich, es existiert also von dem gigantischen Werk nur ein einziges Exemplar und ein Probedruck.

Zum Schneiden seiner hochkomplexen Platten entwickelte er mit Hilfe befreundeter, hochmotivierter Techniker eine computergesteuerte Fräsmaschine, die er selbst programmiert hat und die an den "Naturgewalten" zwei Jahre lang praktisch Tag und Nacht arbeitete.

Dieser High-Tech-Einsatz - permanent kontrolliert, modifiziert und ergänzt vom Auge und den Händen des Künstlers - ermöglicht den von Feldmeier sogenannten "Progressiven Holzschnitt". Das heißt, er erfüllt ihm einen Wunsch, den er vor Jahren so formulierte: "Ich möchte mit dem Holzschnitt malen, ja eigentlich aquarellieren."

Das Werk fordert den Betrachter, aber es tut das auf unaufdringliche Weise. Sein suggestiver Sog wirkt nicht beunruhigend, sondern gewissermaßen freundlich. Er zieht uns in eine lichtflirrende Waldlandschaft unbestimmter Tages- und Jahreszeit hinein, die in sanft-irisierendem, transparenten Farbenspiel schimmert. Wir wandern zwischen lichten, besonnten Stämmen und zitterndem Laub, ahnen das Kommen und Gehen des Windes und das Flügelschlagen eines Vogels, riechen harzig-modrige, kühle Erde.

Perspektiven verschieben, öffnen oder schließen sich, je nach Blickwinkel. Ein irritierender Zauber, ein fast impressionistisches Licht führen in Tiefen, in denen sich das Auge verliert.

Diese Natur weist, bei aller Schönheit, Brüche, Wunden, Zersplitterungen auf, aber die Scherben sind vom Künstler hoffnungs- und liebevoll wieder zusammengefügt zu einer neuen, höheren Realität.

Feldmeiers Sicht der Natur ist geprägt von Respekt und Nachdenklichkeit. Nicht zufällig hat er die Bäume und den Wald als Sujet gewählt, ist doch der Baum eines der großen Sinnbilder des Lebens, zu allen Zeiten verehrt und von Menschen aufgesucht, die in ihm Trost und Freiheit, Zuflucht und Schutz fanden.

Und die Intensität von Leben ist das, worum es Feldmeier geht: der Kreislauf des Werdens und Vergehens, das Geheimnis des letztlich Unbegreiflichen. Im Wald, bei den Bäumen, findet er sich "In den Fängen des Glücks", im "Garten der Sinne" oder im "Paradies für Wichte". "Wut, lass nach" heißt ein Bild, "Schreie der Rinde" oder "Wenn Menschen wüten" zwei andere.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung dauert bis 27. April. Sie ist täglich geöffnet von 9 bis 16 Uhr.

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