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Sprachförderung

05.02.2015

Spielerisch besser Deutsch lernen

H. Ohlmann
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H. Ohlmann

Auch immer mehr deutsche Vorschulkinder besuchen Kurse zur Sprachverbesserung

Einige Jahre werden bereits in den Unterallgäuer Kindertagesstätten Sprachkurse für Kinder mit Migrationshintergrund angeboten. Sie sollen ihnen den Schuleintritt erleichtern. Doch immer mehr fällt Grundschullehrern auf, dass deutsche Kinder Sprachdefizite bei ihrer Einschulung aufweisen. Folgerichtig ist diese frühkindliche Sprachförderung heuer nun auch erstmals für Kinder ohne Migrationshintergrund zugänglich. In Rammingen unterrichtet Grundschullehrerin Eva Maria Scholz in enger Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen sogar eine rein deutsche Gruppe.

„Die Sprachkurse für Vorschulkinder finden in spielerischer Form statt. Zum Beispiel werden bei Memory- oder Fingerspielen Hemmungen abgebaut, das Selbstbewusstsein der Kinder gestärkt und einfache Satzmuster vermittelt“, erklärt die engagierte Grundschullehrerin, die für diesen Unterricht auch eine entsprechende Fortbildung besucht hat. Viele Handlungen der Kinder begleite sie ganz einfach sprachlich. Der Stuhlkreis könne gut für Sprachspiele, für eigenes Erzählen oder für das Einüben von Gesprächen genutzt werden. Auch notwendige Regeln, wie etwa sich gegenseitig ausreden zu lassen, sich gegenseitig zuzuhören und zu warten, bis man an der Reihe ist, übe sie mit den Kindern ein. Insbesondere durch Reime und Wiederholungen prägten sich neue Wörter und Wortfolgen bestens ein. In solch einer geschützten Kleingruppe mit acht Kindern wie in Rammingen trauten die Buben und Mädchen sich sprachlich zu öffnen. Schon nach kurzer Zeit seien Fortschritte festzustellen. „Pädagogisch ist diese Aufgabe für mich reizvoll. Ich freue mich sehr, wenn sich der Wortschatz der Kinder steigert“, so Eva Maria Scholz.

Die Ursachen, warum vermehrt auch deutschsprachige Kinder Sprachschwierigkeiten haben, seien laut der Grundschulrektorin in Türkheim, Hildegard Ohlmann, ganz unterschiedlich. Einige seien einfach Spätzünder, Defizite in der Artikulation eben oft entwicklungsbedingt. Doch einige Kinder erhielten auch zunehmend weniger Anregungen zu Hause. Dabei wolle sie keinerlei Schuldzuweisung betreiben, aber die Berufstätigkeit oft beider Eltern verringere die Zeit, die Eltern mit ihren Kindern verbringen. Satzfehler der Kinder werden nicht mehr berichtigt und so präge sich beim Kind der falsche Ausdruck ein. Manche würden zudem als Kleinkinder schon vor dem Fernseher und Computerspielen sitzen. Das wirke sich nicht nur auf die Sprache der Kinder aus. Werkleiter berichteten ihr auch, dass immer mehr Erstklässler noch kaum einen geraden Schnitt mit der Schere zustande brächten oder sich die Schuhe nicht selbst binden könnten.

Kitas leisteten laut Scholz und Ohlmann eine hervorragende Arbeit, könnten aber Defizite im Elternhaus nie ganz abfangen. Auch der Grundschullehrplan müsste künftig noch verstärkt auf dieses veränderte Familienleben angepasst werden.

Im Verbreitungsgebiet des Staatlichen Schulamtes Unterallgäu gibt es laut der Schulamtsdirektorin Elisabeth Fuß derzeit 30 Sprachkurse für insgesamt 254 Kinder (Deutsche und Kinder mit Migrationshintergrund). Diese finden an Kindertagesstätten oder Grundschulen statt, da sie von Lehrkräften (drei Wochenstunden) und von Erzieherinnen (zwei Wochenstunden) in gemeinsamer Arbeit gestaltet werden.

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