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Bad Wörishofen

05.05.2020

Stadtrat: Amtseide nach mahnenden Worten der Wörishofer Geistlichen

Stefan Welzel (CSU) ist der neue Bürgermeister von Bad Wörishofen. Vor Ilse Erhard, dem ältesten Ratsmitglied, legte Welzel seinen Amtseid ab. Die konstituierende Sitzung des neuen Stadtrates fand im Kursaal statt.
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Stefan Welzel (CSU) ist der neue Bürgermeister von Bad Wörishofen. Vor Ilse Erhard, dem ältesten Ratsmitglied, legte Welzel seinen Amtseid ab. Die konstituierende Sitzung des neuen Stadtrates fand im Kursaal statt.
Bild: Bernd Feil

Plus Stefan Welzel (CSU) startet in seine erste Amtszeit als Bürgermeister von Bad Wörishofen. Zur Seite stehen ihm zwei Stellvertreter.

Der neue Stadtrat von Bad Wörishofen hat am Montagabend die Weichen für die nächsten sechs Jahre politischer Arbeit gestellt. Dies geschah an ungewohnter Stelle im Kursaal. Dorthin ist das Gremium in der Corona-Krise ausgewichen, um die nötigen Abstände zum Infektionsschutz einhalten zu können. Im Mittelpunkt der konstituierenden Sitzung stand die Frage, wer künftig Bad Wörishofens neuen Bürgermeister Stefan Welzel ( CSU) vertreten wird.

Welzel legte in der Sitzung den Amtseid ab. Ilse Erhard (CSU) als nun ältestem Ratsmitglied kam die Ehre zu, den neuen Bürgermeister zu vereidigen. Der neue Stadtrat stellte ihm danach nicht nur einen, wie bislang, sondern zwei Stellvertreter an die Seite.

Zweiter Bürgermeister ist Daniel Pflügl von den Grünen. Er gewann die geheime Wahl der Stadtratsmitglieder mit 17:6 Stimmen (zwei Stimmen waren ungültig) gegen Paul Gruschka (FW), Welzels Vorgänger im Amt des Bürgermeisters. Für Gruschka hatte Wolfgang Hützler geworben. Die Belange der zweitstärksten Fraktion im Rat müssten bei der Stellvertreterwahl berücksichtigt werden, sagte Hützler mit Blick auf das Wahlergebnis. Im Kreistag und in der Nachbarstadt Kaufbeuren sei das bereits gelungen. Zudem habe Gruschka nach der Wahl „als Erster eine Brücke“ gebaut, so Hützler. Er meinte das Angebot, als Stellvertreter Welzels zu arbeiten.

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Doris Hofer wirbt für Daniel Pflügl als Bürgermeister-Stellvertreter

Für Pflügl warb Doris Hofer, die selbst als mögliche Kandidatin gegolten hatte. Aus zeitlichen Gründen sei das aber nicht möglich, sagte Hofer. Sie erinnerte daran, dass die Grünen als einzige bereits im Rat vertretene Fraktion bei der Wahl dazugewinnen konnten. Zudem sei Pflügl ein „klasse Teamspieler, der auch in Führung gehen kann“. Zudem stimme „die Chemie“ zwischen Pflügl und Welzel. „Der Daniel kann’s und er will’s“, brachte es Hofer auf den Punkt. Dritter im Bunde der Bewerber hätte Dominic Kastner (Generation Fortschritt) sein können. Sein Name stand schon auf der Kandidatenliste. Er sei auch von vielen Bürgern ermutigt worden, sich zu bewerben, berichtete er. Auch sein Wahlergebnis von 8700 Stimmen sei eine „sehr gute Ausgangslage“, stellte er fest. Kastner war der Stimmenkönig der Stadtratswahl. Allerdings habe er nun „keine realistische Chance“ mehr gesehen. Das liege zum einen an den bereits feststehenden Bewerbern. Zum anderen seien auch die Vorgespräche nicht wie erwartet gelaufen, sagte er, allerdings ohne weiter ins Detail zu gehen. Er werde deshalb nicht kandidieren, erklärte Kastner im Rat. Stattdessen schlug er Michaela Bahle-Schmid (CSU) vor und sprach sich im Namen seiner Fraktion dagegen aus, einen Dritten Bürgermeister zu wählen.

Bahle-Schmid wiederum verzichtete und erklärte, die CSU wolle sich für Daniel Pflügl einsetzen. „Er hat ein gutes Wesen und wirkt verbindend“, sagte sie.

Dritte Bürgermeisterin wurde dann aber Michaela Bahle-Schmid (CSU). Sie gewann die Wahl mit 16:6 Stimmen bei drei ungültigen Stimmen gegen Wolfgang Hützler von den Freien Wählern. Für Hützler hatte Joachim Nägele geworben, erneut mit dem Hinweis, dass es wichtig sei, auch das Wahlergebnis abzubilden. Die Freien Wähler gingen aber wiederum leer aus.

Dafür war es für Daniel Pflügl bereits die zweite Stellvertreter-Wahl des Tages. Am Montagvormittag hatte ihn der neue Kreistag bereits zu einem von nun vier Stellvertretern von Landrat Alex Eder (FW) gewählt.

Geistliche finden deutliche Worte zum Thema Miteinander in Bad Wörishofens Rat

Bevor der neue Stadtrat seine Arbeit aufnahm, richteten die evangelische Pfarrerin Susanne Ohr und ihr katholischer Kollege Pfarrer Andreas Hartmann eindringliche Worte an die Ratsmitglieder. „Schafft der neue Stadtrat ein konstruktives und friedliches Miteinander?“, fragte Ohr. Und Hartmann betonte, wie vielen Bürgern der Wunsch nach Frieden im Rat wichtig sei. „Wir wünschen uns, dass Sie friedvoll – nicht Friede-Freude-Eierkuchen – zusammenarbeiten“, sagte er. Gegen schlechte Laune gab es ein Starterpaket der Geistlichen mit Süßigkeiten. Ebenfalls enthalten: Samen, um die Saat zu legen und andere hintergründige Gaben – auch ein Schild, das vor Elefanten warnt. Hartmann erzählte dazu vom Elefanten im Porzellanladen. „Wenn wir auf das letzte Jahr schauen, liegt da auch noch eine Menge zerschlagenes Porzellan, das noch nicht weggeräumt wurde“, stellte der Pfarrer fest. „Dazu gehört auch, dass man sich beim Anderen auch mal entschuldigt“, machte er klar. Pfarrerin Ohr sagte, so manche Verletzung aus der abgelaufenen Legislaturperiode schmerze noch, manche Kränkung aus dem Wahlkampf ebenfalls. Sie rief die Ratsmitglieder dazu auf, das nun ruhen zu lassen. Bürgermeister Stefan Welzel dankte den Geistlichen. „Sie haben viele klare Worte gefunden“, sagte er. „Ich glaube, dass wir gemeinsam zu vielen guten Entscheidungen und Beschlüssen kommen können“, so Welzel. Alle in der Runde hätten intensive Wochen hinter sich, die „uns einiges abverlangt haben, manchmal auch den Wählern“, erinnerte Welzel. Man habe einen „demokratischen Wettbewerb erlebt, wie ihn Bad Wörishofen so noch nie hatte, mit so vielen Bewerbern.“ Den Bürgern dankte Welzel für die hohe Wahlbeteiligung. Den Wählern sei „eine gute Zusammensetzung“ des neuen Stadtrates gelungen, mit erfahrenen Mitgliedern und 14 neuen Räten. Welzel dankte allen, die nicht mehr dabei sind, auch „meinem Amtsvorgänger“. Es stünden große Herausforderungen an. „Wir wollen das Beste für Bad Wörishofen auf den Weg bekommen“, sagte Welzel. Es komme dabei „nicht auf die Positionen an, sondern auf die Ideen“, betonte er.

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