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Bettenwelt

10.06.2013

Starke Firma mit Schwächen

Das Unternehmen Bettenwelt betreibt in Deutschland eine Vielzahl an Filialen. In Kammlach soll nun ein Logistikzentrum entstehen.
Bild: Merk

Das Unternehmen, das in Kammlach ansiedeln will, gilt als kerngesund, nimmt auf Mitarbeiter aber nur wenig Rücksicht

Kammlach Bürgermeister Josef Steidele aus Kammlach hatte nur das Beste erfahren. Die Firma Bettenwelt genieße einen hervorragenden Ruf. Von seinem Amtskollegen in Homberg-Efze, Martin Wagner, hatte er erfahren, dass die Bettenwelt zu den drei besten Gewerbesteuerzahlern der 15 000 Einwohner zählenden Stadt in Nordhessen gehört. Homberg-Efze habe sehr gute Erfahrungen mit der Bettenwelt gemacht, die seit rund 20 Jahren in Hessen ein Logistikzentrum betreibt. „Das ist eine Klientel, die heimisch werden möchte“, rief Steidele den rund 140 Besuchern auf einer Informationsveranstaltung diese Woche im Unterkammlacher Vereinsheim zu. Das Unternehmen strebe langfristige Bindungen mit der Region an.

Einen ganz anderen Eindruck gewinnt, wer sich im Internet auf die Suche nach dem Unternehmen macht und sich in Nordhessen umhört. Die Firma Bettenwelt gilt als größtes Unternehmen am Ort in Homberg-Efze zwar als wichtiger Steuerzahler. Mit ihrem Logistikzentrum rund 40 Kilometer südlich von Kassel war die Bettenwelt in den vergangenen Jahren allerdings immer wieder in die Negativ-Schlagzeilen geraten.

Im November 2010 hatte es in dem Unternehmen sogar eine Großrazzia gegeben wegen des Verdachts, in dem Betrieb seien Scheinselbstständige beschäftigt worden. 100 Beamte des Hauptzollamtes, der Homberger Polizei, der Steuerfahndung Kassel und der Staatsanwaltschaft Kassel waren damals nach einem Bericht der Regionalzeitung Hessisch-Niedersächsische Allgemeine vor Ort, um Beweismittel sicherzustellen.

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Schon im April 2010 hatte die Finanzkontrolle des Hauptzollamtes Kassel die Bettenwelt überprüft. Dabei waren die Fahnder auf Hinweise gestoßen, dass osteuropäische Arbeiter ohne Arbeitserlaubnis beschäftigt worden waren.

Ärger gab es auch mit dem Betriebsrat. Der Geschäftsführer von Bettenwelt hatte die Hälfte der Betriebsräte vor die Tür gesetzt. In mehreren Verfahren hatten die Arbeitnehmervertreter dann aber vor dem Kasseler Landesarbeitsgericht Recht bekommen und mussten weiterbeschäftigt werden. Zwischenzeitlich ist dieser Geschäftsführer abgelöst worden.

Die Ankündigungen, 300 Arbeitsplätze in Nordhessen zu schaffen, seien zwar verwirklicht worden. Aber nicht alle sind bei Bettenwelt angestellt. Zeitweise waren in dem Unternehmen 50 Arbeiter aus Rumänien zu Minilöhnen beschäftigt worden. Laut Betriebsrat sind 140 Mitarbeiter fest angestellt, der Rest komme von Fremdfirmen.

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