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Mindelheim

22.05.2018

Stars und Sternchen, die bewegen

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5 Bilder
Absoluter Star der Ausstellung war der Bentley von Hans Martin aus Watford in Südengland. Das Auto, das 1929 gebaut wurde, bringt 220 PS auf die Straße.
Bild: Franz Issing

Mehrere tausend Besucher bewundern in der Mindelheimer Altstadt zwei- und vierrädrige Oldtimer - vom Kinderwagen bis zum Coupé.

 „Alte Liebe rostet nicht.“ Dies gilt vor allem für die Besitzer von Oldtimern, historischen Zweirädern und Traktoren. In ihren schmucken Karossen steuerten sie am Pfingstsonntag Mindelheim an. Da wurden Maximilianstraße und Marienplatz zum Autosalon, in dem Stoßstange an Stoßstange etwa 250 Fahrzeuge von anno dazumal parkten. Und weil Petrus exakt bis zum Ende des 35. Treffens der „Freunde alter Motorfahrzeuge“ die Schleusen dicht hielt, bummelten mehrere tausend Besucher durch die Altstadt, um den automobilen Stars und Sternchen aus der Vorkriegszeit und der Ära des deutschen Wirtschaftswunders ganz nahe zu sein.

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Es roch nach Diesel, Benzin und Bratwürsten, als die Kindheitserinnerungen auf zwei und vier Rädern anrollten. Stündlich stellten auf einer vom Autohaus Jäckle gesponserten Bühne Johannes Hölzle und Peter Sauer ausgewählte fahrbare Untersätze vor und informierten über deren Herkunft und Innenleben. Die diesjährige Sonderschau lud zu einem Wiedersehen mit legendären Fahrzeugen der Auto Union A-G ein, deren vier Ringe an so bekannte Modelle wie „Audi“, „DKW“, „Horch“ und „Wanderer“ erinnerten. So schafften es aufs Präsentiertreppchen unter anderem ein anno 1936 gebautes DKW-Cabrio F5 von Peter Gorlitt aus Mindelheim sowie ein DKW vom Typ 1000 Sp. Von diesem Modell wurden bis 1965 5000 Stück gebaut. „Vom Volksmund wurde dieses Auto wegen seines Zwei-Takt-Motores und Flossenhecks oft als „Thunderbird mit Sprachfehler“ verspottet, erzählte Franz Gerle aus Babenhausen. In der Parade der „Chromjuwelen“ fiel aber auch ein „ Wanderer W 24“ auf, eine 42 PS starke Limousine des Baujahres 1937.

Der Star des Tages kommt aus England

Absoluter Star der Ausstellung war ein Bentley vom Typ „Speed Six open Tourer“ des Baujahres 1929, ein Fahrzeug im Originalzustand, das 220 PS auf die Straße bringt. Mit dieser sündhaft teuren Karosse fuhr Hans Martin aus Watford in Südengland vor. Mit seinem Oldtimer nahm der Besitzer schon an zahlreichen Ralleys teil. „Kenner fahren DKW“ war auf seinem T-Shirt zu lesen. Kein Wunder, dass Günther Hausknecht aus Kaufbeuren sein am 19. Dezember 1958 in Düsseldorf vom Band gelaufenes Coupé der Auto Union voller Stolz zur Schau stellte. „Diesen Klassiker habe ich einem Schweizer Millionär abgekauft“ erzählte er schmunzelnd. Zum Scherzen aufgelegt war auch Georg Prim aus Bad Grönenbach. Mit seinem „Citroën Traction 11 CV, Baujahr 1955 fährt er gerne Hochzeitspaare zur Kirche oder zum Standesamt. „Aber nur wenn die Braut auch hübsch ist“, schränkte er lachend ein.

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Unter die Oldie-Fans mischte sich auch Altlandrat Hermann Haisch. Er schob einen historischen Kinderwagen, indem der 14. Urenkel von Leni Lampert aus Schöneberg friedlich schlummerte. „In dieser ,Kindskarre‘ lag vor 90 Jahren schon die Leni“, war von ihm zu erfahren. Beim Stelldichein der rollenden Raritäten ließen auch „betagte“ und auf Hochglanz polierte Motorräder und Schlepper ihre Muskeln spielen. Im Schatten der vielen Raritäten aus Holz und Blech fachsimpelten deren Besitzer mit Oldiefans und ließen sie auch mal unter die Motorhaube schauen. Davon machten auch Vizebürgermeister Hans-Georg Wawra und die stellvertretende Landrätin Marlene Preißinger Gebrauch.

Ein Fahrzeug wie eine Bergziege

Doch damit nicht genug der Aktionen. Mit einem geländegängigen, zum Feuerwehrauto umgebauten Vehikel des Modells „Steyr Puch Haflinger“ punktete Wolfgang Marxer aus Kaufbeuren. „Dieses Fahrzeug kann wie eine Bergziege klettern und in unwegsame Regionen vordringen“, schwärmt er von seinem Allrad getriebenen Alleskönner.

Daneben staunten die Besucher über ein einst als „Barockengel“ belächeltes Fahrzeug vom Typ 502, Baujahr 1962 des „BWM-Verrückten“ Edward Kastner aus Thannhausen. „Mit seinen 160 PS läuft der Wagen schneller, als ich fahren kann“, übertreibt der ein bisschen. Große Augen machten die Besucher auch beim Anblick eines in die Jahre gekommenen Mercedes 300, einer Staatskarosse, in die Bundeskanzler Konrad Adenauer auch mit Hut passte. „Kürzlich wurden wir beide 66 Jahre alt“, verriet Besitzer Werner Habich aus Mindelheim.

Auf einen Nenner gebracht, war das 35. Pfingsttreffen für die Oldie-Fans ein tolles Ereignis, für den Veranstalter, die „Freunde alter Motorfahrzeuge“ aber logistische Schwerstarbeit. Da sollten, so Vorsitzender Johannes Hölzle, die Besucher doch einsehen, dass die den Verein auch Geld kostet und ein Eintrittspreis von drei Euro durchaus angemessen ist.

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