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MZ-Serie "Museumsbesuch"

16.10.2020

Steile Berge auf flacher Leinwand in der Mindelheimer Carl-Millner-Galerie

Als die Touristen wandern lernten: Carl Millner beschreibt in diesem Gemälde „Schloss Seebenstein an der Pitten“ anhand der Personen, die städtische Kleidung tragen, den Beginn des Alpinismus und des Wandertourismus.
Bild: Axel Schmidt

Plus Lange galt der Landschaftsmaler Carl Millner als Sohn der Stadt Mindelheim. Das ist er zwar nicht, dennoch würdigt ihn ein Museum auf besondere Art und Weise.

Spötter mögen behaupten, dass die Lebensgeschichte Carl Millners interessanter ist, als seine Werke, die der Künstler hinterlassen hat. Aber das mag nur auf den ersten Blick so stimmen. Davon können sich Besucher der Carl-Millner-Galerie selbst überzeugen. Die Sammlung der Werke Millners ist als eines von vier Museen neben dem Schwäbischen Krippenmuseum, dem Textilmuseum und dem Südschwäbischen Archäologiemuseum im ehemaligen Jesuitenkolleg am westlichen Ende der Mindelheimer Altstadt untergebracht. Doch wer ist dieser Carl Millner eigentlich, dem immerhin mehrere Räume im ehemaligen Jesuitenkolleg in Mindelheim gewidmet sind? Und das, obwohl der Künstler selbst nie einen Fuß nach Mindelheim gesetzt hat.

Carl Millner wurde am 25. März 1825 in München als lediges Kind der Mindelheimer Kupferschmiedtochter Isabella Preckle geboren. Natürlich nicht die besten Voraussetzungen für eine große Karriere, zumal ihm sein leiblicher Vater verwehrte, seinen Nachnamen Müllner zu tragen. So wählte er den Künstlernamen Millner und machte sich in München auf den steinigen Weg zum anerkannten Künstler.

Die Büste Carl Millners zeugt von dessen Bedeutung im 19. Jahrhundert.

Nachdem er eine Lehre als Uhrgehäusemacher abgebrochen hatte, besuchte er die polytechnische Zeichenschule als Vorbereitung für sein Studium an der Akademie der bildenden Künste. Diese besuchte er von 1841 bis 1846. In den folgenden zwölf Jahren reihte sich eine Studienreise an die andere, vorzugsweise verschlug es Millner ins Alpenländische: nach Tirol etwa oder nach Italien. 1858 wurde er sesshaft, heiratete seine erste Frau und gründete ein Atelier.

König Ludwig I. kaufte ein Gemälde Millners und machte ihn so berühmt

Seinen Durchbruch erlangte Millner im Jahr darauf, als König Ludwig I. eines seiner Gemälde für die Neue Pinakothek in München erwarb. Dank des königlichen Interesses legte Millner eine große Produktivität an den Tag und wurde einer der erfolgreichsten Münchener Landschaftsmaler. Als seine Frau 1883 starb, heiratete er im selben Jahr seine zweite Ehefrau. Am 19. Mai 1895 starb Carl Millner in München.

Von der Skizze bis zum Ölbild: In der Carl-Millner-Galerie erzählen Friederike Haber und ihre Kollegen in einem Raum das Entstehen eines Landschaftsgemäldes Millners nach.
Bild: Axel Schmidt

Der anerkannte Künstler hinterließ ein umfangreiches Werk. „Noch heute werden Bilder von ihm auf dem Kunstmarkt gehandelt“, sagt Friederike Haber. Sie leitet die Millner-Galerie und kennt die Vorzüge Millners. „Er war ein Meister darin, die Lichtverhältnisse darzustellen“, sagt sie. Bestes Beispiel dafür ist ein Gemälde, das eine Alpenhütte im Mondschein zeigt. „Wie malt man eine Szene, wenn es dunkel ist?“, fragt sie und gibt sogleich die Antwort. „Nur, wenn man das Handwerk perfekt beherrscht.“

Das musste er auch, schließlich waren Hochgebirgslandschaften wie die Alpen mit schneebedeckten Gipfeln eines der Hauptthemen der Münchner Schuler zur damaligen Zeit. Man musste also aus der Konkurrenz herausstechen. Das gelang Millner offenbar und es ist in der Tat erstaunlich, mit welcher Genauigkeit Millner die jeweiligen Landschaften auf die Leinwand malte. Gerne auch mit dem Künstler selbst darauf.

Der Maler zeichnet seiner selbst am Fuße des Wettersteins.

Zerklüftete Gebirgsketten finden sich ebenso, wie romantische Mühlenbilder. Und immer wieder zeigt sich auch der damalige Zeitgeist: etwa den aufkommenden Alpentourismus. So zeigt das Gemälde „Schloss Seebenstein an der Pitten“ deutlich zwei Damen und einen Herrn in Salonkleidern der 1860er Jahre – Almbauern waren das offenbar nicht.

Die Arbeiten von Carl Millner wurden in England und Amerika verkauft

Der Erfolg gab ihm recht. Neben den königlichen Aufträgen nämlich wurden Millners Werke bereits im 19. Jahrhundert nach England und Amerika verkauft.

Miller darf durchaus als Künstler von internationalem Rang eingestuft werden. Schließlich hängen seine Bilder heute unter anderem in Prag, Bern, New York, München – und eben Mindelheim. Hier hat man sich bei der Ausstellung unter anderem erfolgreich daran versucht, den Werdegang von der schnellen Skizze bis hin zum fertigen Ölbild nachzuerzählen. So erhält man nicht nur eine genaue Vorstellung davon, wie Millner gearbeitet hat, sondern auch, welcher künstlerische Aufwand hinter einem solchen Werk steckte.


Die hohe Kunst der Landschaftsmalerei: eine Szene im Schatten des Mondes. Nur ein Meister seines Faches kann in der Dunkelheit ein solches Gemälde kreieren.

Öffnungszeiten und private Führungen durch die Carl-Millner-Galerie Mindelheim

Die Carl-Millner-Galerie ist Teil der Museen im Jesuitenkolleg (Hermelestraße 4) in Mindelheim. Die Galerie ist täglich außer Montag von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Privatführungen für Erwachsene und/oder Kinder (bis zehn Personen) sind möglich, auf Wunsch auch mit Kreativteil. Infos dazu unter Telefon 08261/909760 oder per E-Mail an museen@mindelheim.de.

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