Newsticker

Söder warnt vor einer Lockerung der Corona-Regeln über Silvester
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Stellvertreterin des Landrats geht nach 33 Jahren

Mindelheim

30.11.2018

Stellvertreterin des Landrats geht nach 33 Jahren

Nach 40 Jahren im Öffentlichen Dienst und 33 Jahren am Landratsamt Unterallgäu verabschiedet sich Ulrike Klotz in die Freistellungsphase ihrer Altersteilzeit. Landrat Hans-Joachim Weirather verabschiedete sich mit den Worten: „Sie waren eine wichtige Säule des Landratsamtes Unterallgäu.“
Bild: Sandra Baumberger

Für Ulrike Klotz, Stellvertreterin des Landrats im Amt, gab es keine spannendere Arbeit als die am Landratsamt. Zwei Ereignisse bleiben ihr in Erinnerung.

Wer die Arbeit in einer Verwaltung für unglaublich langweilig hält, sollte sich vielleicht einmal mit Ulrike Klotz unterhalten. 40 Jahre hat sie im Öffentlichen Dienst gearbeitet, 33 davon am Landratsamt Unterallgäu – und das nie bereut. Im Gegenteil. Mit großer Begeisterung spricht sie von „unheimlich vielfältigen Aufgaben“, die die Arbeit spannend und abwechslungsreich machten. „Jedes Ereignis – egal ob es ein politisches ist oder ein Unglück – schlägt auf die Verwaltung durch“, sagt sie. „Langweilig wird’s an einem Landratsamt nicht.“

Tatsächlich hat die 62-Jährige, die jetzt noch im Urlaub ist und anschließend in die Freistellungsphase der Altersteilzeit eintritt, in ihrem Berufsleben so ziemlich alle Abteilungen durchlaufen, die ein Landratsamt zu bieten hat: Anfang der 80er Jahre war sie die erste Frau in Schwaben, die – damals noch im Ostallgäu – ein Bauamt geleitet hat.

Später war sie im Unterallgäu für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zuständig, zu der anfangs auch das Wasser- und das Ausländerrecht sowie Enteignungen gehörten, für den Sozialbereich mit Sozialhilfe, Heimaufsicht, Jugendamt und dem Ausgleichsamt für Aussiedler aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Als die Bundeswehr den Flugplatz in Memmingerberg verließ, kam das Thema Konversion hinzu und ein paar Jahre später die Kommunalaufsicht. „Ich habe mich in Themen eingearbeitet, die ich sonst wahrscheinlich nie kennengelernt hätte“, sagt Ulrike Klotz, der das erkennbar Spaß gemacht hat.

Ulrike Klotz leitete am Landratsamt Unterallgäu viele Abteilungen - zuletzt die "Zentralen Angelegenheiten"

Zuletzt leitete sie die sogenannte Abteilung Z, die Abteilung für zentrale Angelegenheiten. Dort laufen die Abfallwirtschaft, die Senioreneinrichtungen des Landkreises, Hoch- und Tiefbau, die Kämmerei, die Kommunalen Schulen und das Personal- sowie das IT-Management zusammen. Die Juristin war die Stellvertreterin von Landrat Hans-Joachim Weirather im Amt – und 1986 die erste Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises. (Mehr über ihre Nachfolgerin erfahren Sie hier: Wechsel am Landratsamt )

Zu der damals noch neuen Aufgabe, die sie dann fast 30 Jahre ausgeübt hat, ist sie eher durch Zufall gekommen. „Ich bin gefragt worden und dann hab ich’s halt gemacht“, sagt sie und lacht. An Kinderkrippen, die heute eins der Themen sind, hat in der damaligen „Frauenberatungsstelle“ noch niemand gedacht. Es ging um Kindergartenplätze, Infos zu Nebenjobs und vor allem darum, die Kompetenzen und das Selbstvertrauen der Frauen zu stärken.

In einer Zeit, in der die Schreibmaschine noch weit verbreitet war, bot die Gleichstellungsbeauftragte Computerkurse speziell für Frauen an, um ihnen die Scheu vor der neuen Technik zu nehmen. Heute seien die Frauen selbstbewusster und vieles selbstverständlich – etwa, dass Frauen in Berufen arbeiten, die lange als Männerdomänen galten. Als sie selbst die Bauabteilung leitete, war das noch ungewöhnlich. Heute ist es normal. „Ich glaube schon, dass die Gleichstellung vorangekommen ist“, sagt Ulrike Klotz. Weil es zwischen Theorie und Praxis aber immer noch gelegentlich hakt und Gesetze auch gelebt und umgesetzt werden müssen, wird man die Gleichstellungsbeauftragte auch weiterhin brauchen, glaubt sie.

Als sie am Landratsamt Unterallgäu anfing, war aber nicht nur die „Frauenberatungsstelle“ neu, sondern auch ein wichtiges Verkehrsprojekt: die A96. Noch gut kann sich Ulrike Klotz an ihren ersten Arbeitstag erinnern, als sie zusammen mit dem damaligen Landrat Hermann Haisch die Trasse der Autobahn abgelaufen ist. Später war sie die Sachbearbeiterin für alle Planfeststellungen, die mit dem Projekt zusammenhingen.

Den Katatastrophenalarm im Unterallgäu im Jahr 2002 wird Ulrike Klotz nicht mehr vergessen

Und noch ein Ereignis ist ihr – natürlich neben vielen anderen, über die sie aber wegen der Verschwiegenheitspflicht nicht sprechen darf – im Gedächtnis geblieben: der 7. Juni 2002, als im Landkreis zum ersten und bislang letzten Mal Katastrophenalarm ausgelöst wurde. Nach verheerenden Unwettern war es im nordöstlichen Unterallgäu zu schweren Überschwemmungen gekommen, eine junge Frau starb in den Wassermassen. Ulrike Klotz war damals mit der Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landratsamt und koordinierte die Einsatzkräfte. „Es dauerte, bis es überhaupt ein Lagebild gab“, erinnert sie sich – und auch daran, wie alle zusammengeholfen haben: Polizei, Rettungskräfte, Feuerwehrleute, Anwohner, einfach alle. „Das war beeindruckend, wie viele da mitgewirkt und Hand angelegt haben.“

Der Landkreis liegt der gebürtigen Mittelneufnacherin, die heute in Memmingen lebt und sich selbst nach mehreren Wohnortswechseln der Einfachheit halber als Schwäbin bezeichnet, am Herzen. „Das Unterallgäu ist für mich liebens- und lebenswert“, sagt sie. „Wir wohnen ja da, wo andere Urlaub machen. Und ja, hier leben nette Leute. Das Schwäbische gefällt mir schon.“ Mit großer Begeisterung ist sie bei den Wallenstein-Festspielen dabei – bei den Bettlern. Sie werkelt gerne in ihrem Garten, freut sich, wenn die Pflanzen gedeihen und jetzt auch darauf, sich ihre Zeit frei einteilen zu können. Zusammen mit ihrem Mann hat sie schon Reisen geplant und das Rad- und Wanderwegenetz im Unterallgäu wollen sie auch ausgiebig erkunden. „Ich habe keine Angst, dass es mir langweilig wird“, sagt sie.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren