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Unterallgäu

24.03.2020

Stichwahl: Landratskandidaten sind "zum Nichtstun verdammt“

Am Sonntag wird in einer Stichwahl entschieden, wer neuer Landrat im Unterallgäu wird.

Alex Eder und Rainer Schaal können wegen der Corona-Pandemie fast nur im Internet für sich werben. So geht es den beiden Unterallgäuer Landratskandidaten damit.

Ein bisschen skurril, fast schon gruselig sei die Zeit vor der Stichwahl, sagt Alex Eder. Der Kandidat der Freien Wähler hat am Sonntag gute Chancen, neuer Landrat im Unterallgäu zu werden. Nur 14 Stimmen fehlten ihm im ersten Durchgang mit vier Kandidaten für die absolute Mehrheit. (Mehr dazu hier: Der Triumph des Alex Eder) Sein Konkurrent Rainer Schaal von der CSU kam auf 25,6 Prozent.

Homeoffice und Gartenarbeit statt Wahlveranstaltungen für Alex Eder

Doch statt Wahlveranstaltungen mit zahlreichen Zuschauern, dem Verteilen von Flyern und Händeschütteln bestimmen nun Homeoffice und Gartenarbeit Eders Alltag. Der Wahlkampf-Endspurt ist wie so vieles wegen des Coronavirus ausgefallen. „Mein Terminplan war voll. Das haben wir nun alles abgesagt.“

Alex Eder

Den persönlichen Kontakt ersetzen zumindest in Teilen die sozialen Medien. „Das verlagert sich auf eine ansteckungsfreie Möglichkeit“, sagt Eder. Etwa drei bis vier Nachrichten von Bürgern bekomme er täglich auf Facebook. „Da geht es um Themen, die den Leuten auf den Nägeln brennen.“ Seit der Wahl am 15. März hat er zehn Beiträge auf Facebook verfasst und sechs Bilder auf Instagram hochgeladen. Eder bedankt sich darin für das tolle Wahlergebnis und wirft einen Blick zurück auf die vergangenen Wochen und Monate.

Stichwahl: Landratskandidaten sind "zum Nichtstun verdammt“

Der Landratskandidat der Freien Wähler fühlt sich zum Nichtstun verdammt

In den Wochen vor Corona habe er auf den sozialen Netzwerken eine Art Wahlkampf-Tagebuch geführt, sagt Eder. Er berichtete von Versammlungen, Infoständen und von Podiumsdiskussionen. „Ich kann jetzt inhaltsmäßig weniger bringen, weil ich weniger unterwegs bin. Es kommt mir vor, als wäre ich zum Nichtstun verdammt.“ Eders bisher letzter Post zeigt stattdessen seine Aktivitäten während des Wochenendes daheim: Er pflanzte Bäume um, baute einen Turm aus Legosteinen und zimmerte am heimischen Hühnerstall weiter.

Auch Rainer Schaal ist weniger im Internet aktiv als zuvor

Mit fünf Facebook-Posts und einem Bild auf Instagram ist Rainer Schaal seit dem Wahlsonntag deutlich weniger im Internet aktiv. „Natürlich könnte man da jetzt gewaltig Werbung für politische Themen machen. Ich weiß aber nicht, ob das richtig wäre“, sagt er. Er habe sich deshalb entschieden, im Internet präsent zu sein – aber nicht mit Politischem. Auf die Wahl geht er dann auch nur in einem Beitrag konkret ein: In dieser Krise brauche der Landkreis Führungserfahrung und Sachverstand, steht in einem von Schaal geposteten Bild auf Instagram und Facebook. Weiter heißt es da: „Ich verspreche Ihnen, in Urlaub würde ich in so einer Situation nicht gehen.“

Eine Anspielung auf den amtierenden Landrat Hans-Joachim Weirather, der vergangene Woche zwar offiziell im Urlaub, laut eigener Aussage aber weiter „in alle Entscheidungen massiv eingebunden“ war. (Lesen Sie auch: Der Landrat ist „permanent“ im Einsatz)

Der CSU-Politiker arbeitet derzeit teils von Zuhause aus

Ein Seitenhieb auf einen Politiker sei dieser Post nicht, so Schaal. „Aber ich kann sagen: Für keinen Amtsträger wäre Verständnis da, wenn er in so einer Zeit im Urlaub ist.“ Auch Schaal berichtet von vielen Nachrichten auf den sozialen Netzwerken. Thema sei dort vor allem Corona. Er selbst arbeite derzeit teilweise von Zuhause aus.

Rainer Schaal

Das Virus bestimme seinen Arbeitsalltag bei der Regierung von Schwaben und auch sein Privatleben. „Unsere Kinder sind vom Kindergarten zuhause. Meine Frau und ich haben genügend zu tun, die zu beschäftigen. Wir versuchen – wie viele andere auch –, den Alltag zu bewältigen“, beschreibt er. Den Wahlabend selbst wird Schaal daheim vor dem Computer verbringen. „Etwas anderes ist durch die Allgemeinverfügung auch nicht möglich – und ich hätte auch kein Verständnis für eine Wahlparty oder Ähnliches“, sagt er.

Corona machte auch einen Strich durch die Wahlplakate-Aktion

Laut Alex Eder ist es zwar schön, nach der intensiven Wahlkampfzeit nun daheim bei der Familie zu sein. Allerdings: „Mir fehlt die Rückmeldung aus den Gesprächen mit den Leuten nach den Veranstaltungen.“ Und noch etwas ärgert ihn: Nach dem „fantastischen Ergebnis“ am 15. März klebten seine Wahlhelfer und er „Dankeschön“-Sticker auf seine Wahlplakate. Eigentlich sei geplant gewesen, diese nun mit einem Aufruf zur Stichwahl zu ergänzen. Das sei nun aber nicht mehr möglich. „Jetzt sieht es so aus, als würde ich mich direkt für ein Ergebnis bedanken, dass es noch gar nicht gibt“, sagt Eder.

Hier kommen Sie zu den Portraits der beiden Kandidaten inklusive Schnellfragerunde im Video:

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