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Kritik

17.05.2019

Straßenbau bringt Bäcker zum Kochen

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Bäckermeister Herbert Hörberg ärgert sich, dass die Ortsdurchfahrt von Amberg schon zum zweiten Mal innerhalb von nur drei Jahren monatelang für den Durchgangsverkehr gesperrt ist. Sein Betrieb muss erhebliche Umsatzeinbußen verkraften, sagt er.

Bäckermeister Herbert Hörberg ist stocksauer: Weil die Ortsdurchfahrt von Amberg monatelang für den Durchgangsverkehr komplett gesperrt ist, muss er erhebliche Umsatzeinbußen verkraften

Herbert Hörberg hat die Nase gestrichen voll. Er ist sauer, vor allem auf die Behörden, die für den Ausbau der Ortsdurchfahrt in Amberg und die damit verbundene monatelange Totalsperrung verantwortlich sind. „Am liebsten würde ich gleich zusperren“, sagt der 60-jährige Bäckermeister wütend und enttäuscht. Denn mit der Straßensperrung bleiben ihm auch die allermeisten Kunden weg, er wird bis November erhebliche Umsatzeinbußen in Kauf nehmen müssen: „Wo bleibt da die Unterstützung für kleine Handwerksbetriebe?“, wettert Herbert Hörberg. Denn innerhalb von nur drei Jahren müsse er jetzt schon zum zweiten Mal eine monatelange Straßensperrung und die damit verbundenen Umsatzeinbußen verkraften.

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Der Amberger Bäckermeister ist bestimmt keiner, der schnell jammert. Dass immer mehr Handwerks-Bäckereien unter dem Druck der Billig-Konkurrenz zu leiden haben, sei zwar richtig, aber betreffe ihn und seine Bäckerei an der Hauptstraße in Amberg nicht so stark wie andere Kollegen. Er könne eigentlich ganz gut leben von seiner Bäckerei und dem dazu gehörenden Ladengeschäft.

Die Bäckerei Hörberg in Amberg profitiert nämlich vor allem auch von der Kundschaft, die bei der Durchfahrt durch den Ort von Buchloe in Richtung Türkheim und umgekehrt kurz anhält und sich mit einer leckeren Brotzeit, Backwaren, Wurst, Obst, Zeitungen und all den Dingen des täglichen Bedarfs aus Bäckerei und Ladengeschäft eindecken.

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Doch seit Ende April klingelt es nur noch selten, wenn seine Ladentür aufgeht. Seit die Ortsdurchfahrt wegen der Bauarbeiten komplett gesperrt ist, verirren sich nur noch wenige Kunden in seine Bäckerei. Kein Wunder, sagt Bäckermeister Hörberg, schließlich werde der Durchgangsverkehr im großen Bogen um Amberg herum geleitet. Große Schilder mit der Aufschrift „OD Amberg gesperrt“ oder „Anlieger frei bis Baustelle“weisen alle Verkehrsteilnehmer darauf hin, dass die direkte Route zwischen Türkheim und Buchloe nicht befahrbar ist.

Kleinere Schilder weisen dann auch darauf hin, dass die Zufahrt bis zu einzelnen Geschäften in Amberg möglich ist: „Zufahrt Haar-Wech frei“ ist an einer Abzweigung zu lesen, an der Ortsausfahrt von Türkheim steht auch noch „Zum Kronenwirt – Edeka Markt frei“ und ein kleines, von Gemeindearbeitern in Amberg selbst ausgedruckter Zettel quer über der Warnbarke weist darauf hin, dass auch zur Bäckerei Hörberg, zu Haar Wech, zum Kronenwirt und zur Pizzeria La Cascina die Zufahrt frei ist.

All das bleibt offenbar ungelesen und verpufft nahezu vollständig, weiß Bäckermeister Hörberg: selbst Amberger nehmen den Umweg durch die Baustelle nicht in Kauf, um in seinem Geschäft einzukaufen. Handwerker, die sonst auf dem Weg zur Baustelle noch schnell ihre Brotzeit in seinem Laden kaufen, machen gezwungenermaßen einen großen Bogen um Amberg und kaufen dann eben andernorts ein.

Dass dies noch bis Ende November so weitergehen wird, macht den Bäckermeister wütend. Vor allem, weil schon vor drei Jahren im Sommer 2016 die Amberger Ortsdurchfahrt komplett gesperrt war. „Und jetzt schon wieder?“, vermisst Hörberg das Verständnis der Behörden für die Nöte der davon betroffenen Unternehmer. Auch habe es vonseiten des zuständigen Landratsamtes keinerlei Informationen gegeben: „Mit mir hat keiner gesprochen“, so Hörberg.

Normalerweise drängeln sich die Kunden in seinem Laden, der um 6.30 Uhr aufgesperrt wird. Doch seit die Straße dicht gemacht wurde, herrscht hier weitgehend „tote Hose“, sagt Hörberg. Ob sein Geschäft diesen erneuten finanziellen Tiefschlag verkraftet, kann er noch gar nicht sagen: „Mal sehen, wie es weitergeht“, so der 60-Jährige nachdenklich und sagt: „Am liebsten würde ich noch heute dicht machen..“ Aber die Verantwortung für seine Mitarbeiter und die Beziehung zu seinen vielen Stammkunden halten ihn davon ab – noch, wie er sagt.

Auf Anfrage der MZ nahm auch das Landratsamt Stellung: „Im Jahr 2016 wurde der nördliche Abschnitt der Amberger Ortsdurchfahrt ausgebaut.

Schon damals war klar, dass der südliche Abschnitt, also der Teil, der zurzeit ausgebaut wird, später folgen wird“, so Sylvia Rustler von der Pressestelle.

Der Ausbau der Amberger Ortsdurchfahrt sei nur mittels einer Vollsperrung möglich, da nicht nur die Kreisstraße ausgebaut wird, sondern in Zusammenhang mit der Dorferneuerung auch Arbeiten an gemeindlichen Straßen, Gehwegen und Nebenflächen erfolgen, so Rustler. Außerdem müssten Versorgungsleitungen verlegt werden, aber: „Der Anliegerverkehr ist immer frei“. Alle Geschäfte entlang der Ortsdurchfahrt könnten über gemeindliche Straßen erreicht werden.

Zusätzlich seien an den Absperreinrichtungen Hinweise angebracht worden, dass die Zufahrt zu den Betrieben auch über die Ortsdurchfahrt möglich ist, betont Rustler. Ein Schild, das falsch angebracht worden war, sei durch das Landratsamt wieder entfernt worden. Darüber sei die Gemeinde Amberg aber auch „umgehend informiert“ und darauf hingewiesen worden, dass sie das Schild an der richtigen Stelle neu anbringen muss. Gegenüber der MZ machte Bürgermeister Peter Kneipp klar, dass dies auch schnellstmöglich erledigt werden soll.

Auch sei die Öffentlichkeit über die Baumaßnahme informiert worden, betont Pressesprecherin Sylvia Rustler: „Dass die Straße in diesem Jahr ausgebaut wird, wurde im Vorfeld mehrmals in der örtlichen Tagespresse sowie in der Gemeinde Amberg bekannt gegeben, damit die Anlieger über die Maßnahme informiert sind.“

Die Frage der MZ, ob ein finanzieller Ausgleich für die betroffenen Unternehmer vor Ort vorgesehen sei, blieb indes unbeantwortet.

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