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Gericht

06.05.2020

Streit unter Brüdern eskaliert: Dann wird das Auto zur Waffe

Plus Ein Streit unter Brüdern endet im Unterallgäu mit einem Zusammenstoß auf der Straße. Das hat nun Konsequenzen.

Bruderliebe kann Berge versetzen, Bruderhass in echte Katastrophen münden. Das weiß man seit Kain und Abel. Damals war es ein schnöder Steinbrocken, mit dem Kain im Alten Testament seinen Bruder Abel erschlagen hat. Im Februar diesen Jahres war es ein Auto, mit dem ein 20-Jähriger seinen ein Jahr jüngeren Bruder Schaden zufügen wollte.

Vorausgegangen war laut Polizeiprotokoll ein Streit zwischen den beiden Brüdern. Sie wollten zunächst gemeinsam mit dem Auto zu ihrer Oma fahren. Auf dem Weg dorthin sollte der 19-Jährige den älteren Bruder bei einem Handyladen absetzen. Als die beiden zusammen mit der Freundin des 19-Jährigen im Auto saßen und losfuhren, fragte der jüngere seinen älteren Bruder, wohin er genau müsse. Daraufhin sei dieser „ausgetickt“, wie es im Polizeiprotokoll heißt. Das wurde vor dem Amtsgericht Memmingen von Richter Markus Veit vorgelesen, da sich der 19-Jährige als Zeuge nicht dazu äußern wollte. „So wie es da steht, so stimmt es“, sagte er.

Der ältere der beiden Brüder sei "ausgetickt"

Das „Austicken“ seines Bruders hatte er bei der Polizei folgendermaßen geschildert: Weil sein Bruder eben ausgetickt sei, habe er wieder kehrtgemacht und ihn nach Hause gefahren. Dort sei der 20-Jährige ausgestiegen, habe auch noch Türen und Kofferraum seines Autos aufgemacht und auf das Fahrzeug gespuckt. Was dann folgte, erfüllte schließlich den Tatbestand des vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr: Der ältere Bruder setzte sich in sein Auto, fuhr rückwärts, ohne zu bremsen, aus der Hofeinfahrt und rammte dabei das Auto seines Bruders. Diesen Vorgang wiederholte er sogar noch. „Ich mach’s gleich nochmal, damit es sich rentiert“, soll er gerufen haben.

Eine Tat, die bei Jugendrichter Markus Veit Kopfschütteln auslöste: „Du zerstörst in deiner Wut sein Auto und nimmst sogar Verletzungen in Kauf.“ Gleichwohl zeige diese Art der Aggressionsbewältigung, dass der angeklagte 20-Jährige noch nach Jugendstrafrecht zu verurteilen sei. „Wenn das ein Erwachsener macht, hätte man gedacht, dass der nicht alle Tassen im Schrank hat.“

Der Angeklagte kommt glimpflich davon

Für den Angeklagten, der bislang weder vorbestraft noch sonst in einer Form auffällig war, sprechen sein Geständnis, seine Einsicht und Reue, sodass er mit einem relativ milden Urteil davonkam: Neben dem entstandenen Schaden von 1500 Euro, den der 20-Jährige seinem Bruder bezahlen muss, verhängte Richter Veit eine Geldbuße in Höhe von 2500 Euro und ein dreimonatiges Fahrverbot. „Damit kommst du gut weg. Denn sein Auto als Waffe zu benutzen, ist keine gute Idee. Da hätte man auch gut und gerne über ein Fahrverbot von acht bis zehn Monaten reden können.“

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