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Fuggerschlosskonzert

21.05.2015

Tanz, Temperament und furiose Musik

Die Tänzerin Lorena Cantos Luna zeigte im Zedernsaal hochemotionalen Flamenco fernab von allen Touristenklischees.
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Die Tänzerin Lorena Cantos Luna zeigte im Zedernsaal hochemotionalen Flamenco fernab von allen Touristenklischees.

Beeindruckender Flamenco-Abend mit vier spanischen Künstlern

Rot und Schwarz waren die dominierenden Farben der Kleidung der Künstler im Zedernsaal in Kirchheim. Das entsprach auch den Erwartungen, Flamenco war schließlich Thema des abends. Die erst 17 Jahre alte Sängerin Alicia Pavon Flores, ganz in Schwarz, mit wilder, lockiger Haarpracht, überzeugte mit ihrem klanggewaltigen, orientalisch anmutenden Gesang. Teilweise wie erzählender Sprechgesang folgten immer wieder lang anhaltende Klagelaute, so lange, dass man sich fragte, wann die junge Sängerin denn eigentlich Atem holte.

Dieser Klagegesang, beim spanischen Flamenco „Cante“ genannt, war früher das wichtigste Element des Flamencos, ursprünglich von andalusischen Roma gesungen, nur begleitet von rhythmischen Lauten, die ohne Instrument, nur mit dem Körper erzeugt werden, wie Stampfen, Klopfen und Schnippen mit den Fingern.

Das bekannteste Musikinstrument für den Flamenco war dann die Gitarre, die im Kirchheimer Schloss virtuos von Ismael Chicano Ballesteros gespielt wurde. Er entlockte mit unglaublich schneller Fingerarbeit dem Instrument eine Klangvielfalt von einem zarten Zirpen bis hin zu einem fast donnernden Klangwirbel. Die Tänzerin Lorena Cantos Luna wirkte mit ihrer strengen Frisur, der roten Rose auf dem Kopf und dem körperbetonten Kleid und zog mit ihrem ausdrucksvollen, temperamentvollen Tanz und dem lauten Stampfen der hohen Schuhe alle Blicke auf sich.

Am Piano zeigte Antonio Banasco de la Rubia sein Können auf dem für den Flamenco modernen Instrument. Wie der Gitarrist schaffte auch er es, dem Instrument zarte melancholische Melodien bis hin zu rasanten, furiosen Klangexplosionen zu entlocken. Alle vier Künstler waren mit dem ganzen Körper bei der Musik, Gesichtsausdruck und Körperhaltung spiegelten die Emotionen des jeweiligen Stückes.

Ana Reverte, in Spanien eine der musikalischen Größen des Flamencos, hat diese jungen Musiker zusammengeführt und angeleitet, auch die Choreografie stammt von ihr, wie Organisator José d’Aragon erklärte. Selbst Musiker, übersetzte der Spanier einige Male, was die Künstler auf der Bühne dem Publikum mitteilen wollten.

Die Flamencogruppe besteht eigentlich aus bis zu zehn Künstlern, aber im Zedernsaal in Kirchheim konnten diese vier den Flamenco besser und vor allem natürlicher präsentieren. „Bei einer größeren Gruppe hätte man Verstärker und technisches Equipment gebraucht,“ so José d’Aragon.

Es war sicher anders als sonst bei klassischen Konzerten, aber die Gäste, die sich einließen auf diese Mischung aus hochemotionalem Klagegesang und rhythmischer Musik, die ein mitreißender Ausdruck eines temperamentvollen, feurigen Lebensgefühles ist, kamen voll auf ihre Kosten.

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