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Tussenhausen

03.08.2020

Teenager in Tussenhausen baut eine Treppe für mehr Sicherheit

Michael Miller, Sicherheitsberater an der Mindelheimer Berufsschule, ist stolz darauf, was sein Schützling Luciano Leinsle geleistet hat. „Jeden Tag gibt es in Bayern ein bis zwei Unfälle auf einer Leiter“, sagt der Landwirtschaftsexperte.

Plus Der 17-jährige Luciano aus Tussenhausen hat im Rahmen seiner Berufsschulausbildung auf dem elterlichen Hof eine sieben Meter hohe Trittleiter ersetzt. Sein Dozent erklärt, warum solche Vorhaben wichtig sind.

Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland etwa 68.000 den Versicherungen gemeldete Arbeitsunfälle in der Land- und Forstwirtschaft, 132 davon waren tödlich. Arbeitssicherheit ist also ein wichtiges Thema in der „Grünen Branche“. In der Berufsschule Mindelheim steht für die zukünftigen Landwirte deshalb ein sogenanntes Arbeitsvorhaben auf dem Lehrplan. Jeder Schüler soll auf seinem Hof ein Projekt umsetzen, um die Arbeitssicherheit zu erhöhen. Der 17-jährige Luciano Leinsle aus Tussenhausen hat sich ein besonders anspruchsvolles Vorhaben ausgesucht.

Der Heuboden auf dem Hof in Tussenhausen liegt sieben Meter hoch

Auf dem elterlichen Bioland-Bauernhof im Tussenhausener Ortskern war im Heulager seit eh und je eine etwa sieben Meter hohe Holzleiter installiert, um auf den Heuboden zu gelangen. Das sei an vielen Höfen im Allgäu der Normalfall, sagt Lucianos Dozent Michael Miller. „Jeden Tag gibt es in Bayern ein bis zwei Unfälle auf einer Leiter.“ Miller ist Sicherheitsberater an der Mindelheimer Berufsschule.

Eine dreiteilige und sieben Meter hohe Holztreppe hat ein Jungbauer aus Tussenhausen entworfen und gebaut. Früher konnte man nur mit einer wackeligen Holzleiter zum Heulager gelangen.


Ist das denn rechtlich überhaupt zulässig? „Viele Höfe, gerade im Unterallgäu, sind familiengeführt, sie haben keine Angestellten.“ Und somit gelten nur bedingt gesetzliche Auflagen. Viele Betriebe denken sich, man steige eh nicht so oft auf die Leiter, deshalb ändere sich auch nichts, sagt Miller. „Die Gefahr ist, dass man auf der Leiter Kreislaufprobleme bekommt und herunterfällt.“

Luciano war die wackelige Leiter am Hof schon immer ein Dorn im Auge. Deshalb entschloss sich der Teenager, deutlich mehr als das erforderliche Maß an Arbeit in sein Berufsschulprojekt zu investieren. Er hat mit befreundeten Helfern, darunter ein Zimmerer, eine dreiteilige Treppe aus Holz gebaut. „Das Holz dazu hatten wir aus unserem Lager und aus unserem Wald“, erzählt Luciano.

Luciano hatte stets die volle Unterstützung seiner Eltern

Zuerst habe er die Maße ermittelt, einen Plan gemacht und danach das nötige Material besorgt. All das erfolgte immer mit Zustimmung und voller Unterstützung der ganzen Familie. Das ist nicht selbstverständlich“, lobt Berufsschuldozent Miller den Hof Leinsle. Manche Landwirte sehen nicht die Notwendigkeit, etwas zu ändern. „Manchmal muss erst etwas passieren.“

Luciano erzählt über die Montage der Treppe: „Das Vorhaben war nicht einfach, da wir einen Teil unseres Heulagers räumen mussten.“ Auch ein Teil der Decke musste eingerissen werden. Marode Holzbalken ersetzte der Jungbauer im Zuge dessen durch neue. Nach etwa 120 Arbeitsstunden war die sieben Meter hohe Treppe der Marke Eigenbau mit 15 Balken und 21 Bohlen und 34 Stufen begehbar. Ein zweifacher Handlauf schützt vor Absturz.

Lucianos Opa war einer der ersten, die oben waren. Er kann nun auch mal auf einer Zwischenetage der dreiteiligen Treppe Pause machen. Es besteht nicht nur mehr Sicherheit, es gibt auch eine Arbeitserleichterung: „Früher konnten wir Sandsäcke, Folien oder eine Gabel nur über den Kran nach oben bringen.“ Dazu waren zwei Arbeitskräfte notwendig.

Luciano resümiert: „Ich habe den Arbeitsaufwand des Treppenbaus am Anfang deutlich unterschätzt, aber die Sicherheit auf dem Betrieb ist jetzt deutlich erhöht.“ Der 17-Jährige will eines Tages den elterlichen Biohof mit 55 Kühen übernehmen. Es sei kein Beruf, sondern eine Berufung.

Als Preis bekam er Azubi aus Tussenhausen einen Werkstattwagen

Was er sonst noch alles am Hof ändern möchte, darüber hat sich Luciano noch keine Gedanken gemacht. „Ich mache jetzt erst einmal eine fundierte Ausbildung.“ Nach den Berufschuljahren geht es für ihn weiter an der Landwirtschaftsschule. Mit Mitte 20 wird er damit voraussichtlich fertig sein. Für weitere handwerkliche Projekte erhielt Luciano bei der Abschlusspräsentation vor Berufschulkollegen als Erstplatzierter einen üppig gefüllten Werkstattwagen.

Auch die Arbeitsvorhaben seiner Mitschüler können sich sehen lassen: Manuel Mussack, 16 Jahre, aus Stockheim bei Bad Wörishofen entwickelte eine elektrisch hochziehbare Außentreppe mit umlegbarem Geländer. Sie steht in einer Scheune und erhöht nicht nur die Arbeitssicherheit, sondern spart auch Platz.

Der 24-jährige Anton Rausch aus Wattenweiler brachte ein hängendes Metallgeländer an einem Fahrsilo an. Die Arbeit dort wird dadurch sicherer. Zuvor musste man in etwa vier Metern Höhe auf der Betonkante laufen, um das Silo zu- und abzudecken. Rausch erreichte den dritten Rang.


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