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Feiertag

11.11.2017

Teilen wie Sankt Martin

Können alle Fragen rund um die Martinslegende beantworten: (von links) Dominik, Matthias, Elias, Fynn und Jonas aus der Bärengruppe des Tussenhausener Kindergartens St. Martin.
Bild: jmr-

Mit dem heiligen Martin verbinden wir viel. Auch das Teilen, wie man von den Tussenhausener „Bären“ im Kindergarten St. Martin lernen kann.

Viele Legenden ranken sich um den heiligen Martin von Tours, den barmherzigen Soldaten und frommen Reitersmann, der später Missionar und schließlich Bischof wurde. Aber wie genau ging sie noch gleich, die Geschichte mit dem frierenden Bettler, dem geteilten Mantel und den schnatternden Gänsen? Und was hat es mit den Laternen auf sich? Wer das herausfinden will, muss sich an Experten wenden: Zum Beispiel an die „Bären“ in Tussenhausen.

Im Kindergarten Sankt Martin in Tussenhausen ist der Heilige nicht nur namensgebend – seine Philosophie des Teilens wird hier gelebt. Die 23 Kinder in der „Bärengruppe“ der Fünf- und Sechsjährigen machen alles zusammen: Spielen, Basteln, Singen und Essen. Die Vorbereitung auf den Martinstag ist eine der geschäftigsten Zeiten im Kalender des Kindergartens. Vor dem Laternenumzug spielen die Erzieherinnen die Martinsgeschichte als Schattenspiel vor, anschließend gibt es Punsch und Gebäck.

„Wir haben schon Laternen für den Umzug gebastelt“, erzählt Dominik, der besonders von der Arbeit mit dem Akkubohrschrauber fasziniert war. Mit der Hilfe der beiden Erzieherinnen Anja Weber und Christine Proksch haben die Kinder Löcher in Blechdosen gebohrt, die sie anschließend mit buntem Papier bekleben und mit Schnüren am Ende von Holzstöcken befestigen durften. Mit einer kleinen Kerze ist aus jeder Bastelei eine Laterne entstanden. „Die brauchen wir bei dem Umzug, damit wir sehen, wo wir hinlaufen“, fasst Elias erklärend zusammen. Unrecht hat der Fünfjährige damit nicht, geht der Brauch vom Laternenumzug doch auf die Lichterprozession zur Beerdigung Martins zurück, der in den Augen vieler Gläubigen Licht ins Dunkel brachte und ein Funke der Hoffnung war.

Auch über die Martinslegende wissen die Kinder bestens Bescheid. Reihum erzählen Matthias, Fynn und Jonas vom Soldaten zu Pferd, der auf einen frierenden Bettler im Straßengraben traf. „Und dann hat er ihm die Hälfte von seinem Mantel abgegeben“, sagt Fynn. „Mit dem Schwert hat er zwei Teile draus gemacht“, fügt Dominik hinzu. Mit kleinen Holzfiguren, die auf dem Fensterbrett des Zimmers stehen, spielen die Kinder die Geschichte nach. Auch ein paar Gänse sind darunter, die den späteren Bischof der Sage nach verrieten, als er sich aus Angst vor der Verantwortung verstecken wollte. „Die haben ganz laut geschnattert und dann wussten alle, wo der Martin sich versteckt“, hat Matthias gelernt.

„Wir haben ihnen die Geschichte als Figurentheater vorgespielt, lesen Bücher über den heiligen Martin vor und singen Lieder“, sagt Christine Proksch. Viele der Kinder konnten sich ohnehin noch gut an das Thema erinnern, da der heilige Martin auch in den jüngeren Gruppen besprochen wird. Das großzügige Teilen des Mantels sei dabei stets eine eindrucksvolle Szene für die Kinder.

Im Alltag der Kinder ist der Gedanke vom Teilen auch längst verankert. Ihre Spielsachen oder Süßigkeiten mit Freunden und Geschwistern zu teilen, ist für die werdenden Schulkinder eine Selbstverständlichkeit. „Mein Bruder Nils und ich teilen immer unsere Lego-Bausteine“, sagt Elias, während er der hölzernen Martinsfigur den roten Umhang um die Schultern bindet.

„Besonders schön ist es für uns Erzieherinnen dann, wenn die Kinder völlig ohne Aufforderung selbstlos sind, sich gegenseitig beim Aufräumen helfen und echten Gemeinschaftssinn zeigen“, sagt Proksch. Um dieses Verhalten zu fördern, nimmt der Kindergarten an der Weihnachtsaktion „Geschenk mit Herz“ der Hilfsorganisation Humedica teil. Dazu haben die Kinder mit großem Eifer Spielsachen und Alltagsgegenstände von Zuhause mitgebracht und gemeinsam in Schuhkartons verpackt. Die Geschenke gehen an Kinder, die unter schwierigeren Umständen aufwachsen.

Auch der fünfjährige Matthias hat das Teilen verinnerlicht: Mit seiner siebenjährigen Schwester ist Teilen an der Tagesordnung. Demnächst feiert er seinen sechsten Geburtstag – natürlich zusammen mit seinen Freunden aus dem Kindergarten. Als Geschenk hofft Matthias auf einen Tabletcomputer für Videospiele. Ob er den mit den anderen „Bären“ teilen wird, weiß er noch nicht sicher. „Das muss ich mir noch ein bisschen überlegen“, sagt er.

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