Newsticker

RKI meldet fast 15.000 Infizierte innerhalb eines Tages
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. „Terror darf in keiner Religion ein Mittel sein“

Anschläge

14.01.2015

„Terror darf in keiner Religion ein Mittel sein“

Pater Michael

Heute erscheint eine weitere Ausgabe der Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo. Pater Michael 0. Pream begrüßt dies, bittet aber darum, Rücksicht auf religiöse Gefühle zu nehmen

Mohammed weint und hält ein Schild mit der Aufschrift „Je suis Charlie“ (ich bin Charlie) in der Hand. Nach den schlimmen Terroranschlägen in Paris, die 17 Menschen das Leben gekostet haben, erscheint heute dennoch eine weitere Ausgabe der französischen SatireZeitschrift und zwar mit einer Auflage von drei Millionen. „Alles vergeben“ lautet der Titel. Weltweit wollen die Redakteure damit für Meinungsfreiheit demonstrieren. Im Interview mit der Mindelheimer Zeitung bezieht Pater Michael Stellung zu den Anschlägen in Paris, aber auch zu den Mohammedkarikaturen.

Haben Sie in Ihrer Sonntagspredigt die Terroranschläge in Paris thematisiert?

Nein, das habe ich nicht. Meiner Meinung nach sind die Leute über das Fernsehen und die Zeitungen bestens informiert. Ich bin auch in meiner Gemeinde noch nicht speziell auf die Anschläge angesprochen worden.

Gehört der Islam zu Deutschland?

Ja! Über vier Millionen Muslime leben in Deutschland und sind Teil unserer Gesellschaft.

Ranghohe Vertreter der Katholischen und Evangelischen Kirchen sowie des Judentums und des Islams haben das Manifest „Im Namen Gottes/Mohammeds darf nicht getötet werden“ unterschrieben. Ein sehr gutes Zeichen, oder?

Unbedingt, ich unterstreiche diesen Satz uneingeschränkt. Dass sich insbesondere die Vertreter des Islams auch klar von den Terroranschlägen distanzieren, ist sehr wichtig. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, die Menschen zur Einheit zu führen. Terror darf in keiner Religion ein Mittel sein!

Pflegen Sie selbst Kontakte zu Muslimen?

Hier in Ettringen kenne ich niemanden, doch in meiner Heimat Indien habe ich einen engen Kontakt zu einem muslimischen Tuk-Tuk-Fahrer. Er fährt mich während meines Aufenthaltes und besucht mich auch manchmal mit seiner Familie zu Hause. Wirklich sehr nette und friedlich lebende Menschen.

Befürchten Sie Nachahmungsanschläge in Deutschland?

Obwohl es nur sehr wenige radikalisierte Muslime in Deutschland gibt, besteht natürlich immer auch die Möglichkeit eines Anschlages hier. Doch ich habe mit Erleichterung aufgenommen, wie unsere Bundeskanzlerin und der Innenminister mit diesem Thema umgegangen sind. Sie haben besonnen reagiert und Ängste nicht geschürt.

Was sagen Sie dazu, dass die Zeitschrift Charlie Hebdo heute wieder mit einer Mohammed-Karikatur auf dem Titelblatt erscheint?

Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut und sie soll natürlich weiter bewahrt werden. Satiriker und Cartoonisten sollten aber auch Rücksicht walten lassen und Gefühle religiöser Menschen nicht verletzten. Der Frieden in der Gesellschaft muss gewahrt werden.

Wie wichtig sind die Gegendemonstrationen zu Pegida in Dresden?

Sehr wichtig. Die Menschen gehen für mehr Toleranz und gegen diese Islamfeindlichkeit auf die Straße, beziehen klar Stellung, wie unsere Bundeskanzlerin auch. Deutschland sollte weiter ein Land sein, wo alle Menschen friedlich miteinander leben können.

Sie selbst sind vor 25 Jahren von Indien nach Deutschland gekommen. Haben Sie Fremdenfeindlichkeit zu spüren bekommen?

Nein, Gott sei Dank nie. Ich konnte und kann nur weiter positive Erfahrungen in Deutschland sammeln. Als ich hier angefangen habe als Priester zu arbeiten, konnte ich auch noch nicht gut deutsch sprechen. Trotzdem haben mich die Menschen mit großem Verständnis und großer Offenheit aufgenommen. Sie haben es mir leicht gemacht, mich wohlzufühlen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren