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Unterallgäu

27.10.2020

Tests, Kapazitäten und Kennzahlen: Die häufigsten Corona-Fragen im Unterallgäu

Wird ein Corona-Verdachtsfall über das Gesundheitsamt oder den Drive-in getestet, liegen Ergebnisse in der Regel innerhalb von 24 Stunden vor. Bei Hausärzten kann es dauern – je nach Labor, mit dem sie zusammenarbeiten.
Bild: Alexander Kaya

Plus Was hat es mit den Kennzahlen auf sich und wieso unterscheiden sie sich? Wie viel Kapazitäten gibt es derzeit? Antworten auf die häufigsten Fragen zur aktuellen Corona-Lage im Unterallgäu.

Beinahe täglich gibt es neue Corona-Meldungen. Um den Überblick nicht zu verlieren, haben wir hier einige der wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Lage im Unterallgäu zusammengestellt.

Wie ist derzeit die Lage im Gesundheitsamt? Können die Fälle noch nachverfolgt werden und wie lange dauert es durchschnittlich, bis zum Beispiel Kontaktpersonen eines Infizierten über diesen Kontakt informiert werden?

„Die Arbeitsbelastung im Gesundheitsamt ist extrem hoch, es wird seit Monaten an sieben Tagen in der Woche gearbeitet“, teilt eine Pressesprecherin mit. „Derzeit können noch alle Fälle nachverfolgt werden. Diese Aufgabe hat oberste Priorität.“ Bis Kontaktpersonen eines Infizierten über den Kontakt informiert werden, dauert es aktuell in der Regel einen bis maximal zwei Tage. Abhängig ist dies beispielsweise davon, ob die Kontaktpersonen erreichbar und ob die Telefonnummern verfügbar sind.

Stehen dem Gesundheitsamt wie im Frühjahr Ehrenamtliche zur Verfügung, die bei der Nachverfolgung und Information der Betroffenen mithelfen können?

Um die Nachverfolgung zu schaffen, wurden mittlerweile elf neue staatliche Mitarbeiter eingestellt. Wegen der steigenden Zahlen reichen aber auch diese kaum aus. Zusätzlich wird das Gesundheitsamt aktuell von zwei Kräften der Bundeswehr unterstützt, drei weitere Bundeswehr-Mitarbeiter sollen diese Woche kommen. „Seit Mitte September haben wir wie im Frühjahr außerdem die Hilfe eines Ehrenamtlichen“, so eine Sprecherin.

Nach wie vor wird dringend die Unterstützung durch Ärzte benötigt: Im Unterallgäu gibt es 4,5 unbefristete Stellen für Ärzte, in der Praxis muss das Amt aber mit 1,15 auskommen. Zusätzlich wurden drei befristete Stellen geschaffen, von denen aber noch keine einzige besetzt ist. Aufgabe der Mediziner ist es unter anderem, Gutachten zu erstellen oder während der Corona-Krise betroffene Einrichtungen wie Seniorenheime oder Schulen zu beraten. „Derzeit laufen Einstellungsverfahren und wir hoffen sehr, bald neues Personal zu bekommen“, so die Sprecherin. Landrat Alex Eder ( Freie Wähler) fordert in diesem Zusammenhang schon länger, dass der Staat die Ärzte besser bezahlen soll.

Wie sieht es bayernweit aus?

Im September hatte Gesundheitsministerin Melanie Huml ( CSU) das Ziel ausgegeben, dass im Bedarfsfall pro 20.000 Einwohner ein fünfköpfiges Team zum Nachverfolgen von Kontakten eingesetzt werden kann. Aus dem Gesundheitsministerium heißt es: Man schule 2550 Mitarbeiter aus der Staatsverwaltung, damit diese als Reservekräfte auf Abruf für das Nachverfolgen von Kontakten bereitstehen. An den bayerischen Landratsämtern seien zusätzlich 775 Stellen für diese Aufgabe geschaffen worden. 737 sind laut Ministerium besetzt. Der Ministerrat habe bereits zugestimmt, 500 weitere Stellen zu schaffen. Wenn man die Reservekräfte einbeziehe, stünden derzeit 722 Teams für das Nachverfolgen von Kontakten bereit, sagt eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. „Damit ist der für Bayern errechnete Bedarf von 650 Teams bereits mehr als gedeckt.“

Über welche Wege wird im Unterallgäu getestet?

Getestet wird im Unterallgäu über mehrere Wege. Kontaktpersonen werden von einem Fahrdienst des Gesundheitsamts oder über das Testzentrum am Kreisbauhof getestet. Menschen mit leichten Erkältungssymptomen sollten sich an ihren Hausarzt wenden. Wichtig ist dabei, unbedingt vorab einen Termin zu vereinbaren und nicht einfach in die Praxis zu kommen. Das Drive-in-Testzentrum am Kreisbauhof ist vorrangig Anlaufstelle für alle Menschen ohne Symptome. Dort werden auch Reihentests ohne konkreten Anlass durchgeführt.

Am Drive-in des Landkreises können sich Bürger auf Corona testen lassen.

Reichen die Testkapazitäten noch aus und wie lange müssen die Leute im Schnitt warten, bis sie ihr Testergebnis bekommen?

Aktuell reichen die Testkapazitäten noch aus. In der Regel liegt das Testergebnis innerhalb von 24 Stunden vor, wenn jemand über das Gesundheitsamt und dessen Fahrdienst getestet wurde. Auch nach einem Test über den Drive-in am Bauhof liegt das Ergebnis normalerweise innerhalb von 24 Stunden vor. Wie lange es dauert, bis die Hausärzte die Testergebnisse erhalten, hängt wesentlich vom Labor ab, mit dem diese zusammenarbeiten.

Wie ist die Meldekette generell von Corona-Fällen in Bayern?

In Bayern läuft das Prozedere wie folgt: Jedes Gesundheitsamt erfasst die Daten der Corona-Infektionen in der gleichen Software und gibt sie darüber ans LGL weiter. Das LGL fasst bayernweit alle Daten zusammen und reicht die bayerischen Fälle wiederum nach einer Plausibilitätsprüfung gesammelt an das RKI in Berlin weiter. Auch dabei kann es gegebenenfalls zu abweichenden Daten kommen, wenn es unterschiedliche Aktualisierungszeitpunkte der einzelnen Gesundheitsämter in Bayern gibt.

Die Zahlen, die das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), das Robert-Koch-Institut (RKI) und der Landkreis selbst bislang veröffentlichten, weichen teils voneinander ab. Woran liegt das?

Das LGL und das RKI aktualisieren ihre Statistiken zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Das RKI aktualisiert die Zahlen um Mitternacht und gibt sie aus, das LGL greift die Zahlen von 8 Uhr ab und veröffentlicht sie am frühen Nachmittag. Somit erklärt sich, warum die neuesten Zahlen teilweise voneinander abweichen. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege veröffentlicht außerdem um 15 Uhr immer zusätzlich alle bayerischen Kreise und Städte, die die 7-Tage-Inzidenz von 35 beziehungsweise 50 überschritten haben. Grundlage dafür sind die LGL-Zahlen.

RKI und LGL: Welcher Inzidenz-Wert gilt?

„Bei Abweichungen gilt aus Vorsichtsgründen immer der höhere Wert“, erklärt ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Wie lange gelten die verschärften Corona-Regeln, wenn die Corona-Ampel auf Gelb, Rot oder sogar Dunkelrot springt?

In der Regel bleiben die strengeren Maßnahmen so lange in Kraft, bis die 7-Tage-Inzidenz sechs Tage in Folge unter dem jeweiligen Grenzwert liegt. Allerdings ist laut einem Sprecher des Gesundheitsministeriums jede Kommune befugt, die Corona-Regeln anzupassen und möglicherweise zu verlängern.

Treten die strengeren Beschränkungen gleich an dem Tag in Kraft, an dem der Warnwert überschritten wird?

Nein, die Beschränkungen gelten ab dem Folgetag der erstmaligen Nennung.

Wann kann der Landkreis selbst eine Allgemeinverfügung erlassen und wann greift die bayerische Infektionsschutzverordnung?

Vor Inkrafttreten der bayerischen Corona-Ampel konnte das Landratsamt eine eigene Allgemeinverfügung erlassen, wenn der Grenzwert überschritten wurde. Jetzt gelten die Beschränkungen der bayerischen Infektionsschutzverordnung, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz den Wert von 35 oder 50 überschreitet. Abgesehen von Einzelheiten, die das Landratamt regeln darf, gelten nun bayernweit einheitliche Beschränkungen.

Gibt es einen festgelegten Warnwert für einen lokalen Lockdown wie zuletzt im Berchtesgadener Land?

Nein. In Bayern soll es keinen Automatismus geben, bei welchen Corona-Zahlen regionale „Lockdowns“ angeordnet werden müssen. Es handle sich um eine fachkundige, sachkundige inhaltliche Abwägung, sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) kürzlich. Es gebe für solche Entscheidungen „keinen Automatismus, keine Marke“. Verschiedene Faktoren müssten dabei abgewogen werden, erklärte Herrmann. Etwa die schiere Zahl der Neuinfektionen und die Frage, ob es sich um ein begrenztes oder diffuses Ausbruchsgeschehen handle. „Wenn das kreuz und quer durch den Landkreis sich zieht, dann besteht die Gefahr des Kontrollverlustes relativ bald“, warnte er. Grundsätzlich müsse man das Instrument eines regionalen „Lockdowns“ dort anwenden, „wo der Eindruck entsteht, es läuft aus dem Ruder“, sagte Herrmann und betonte: „Immer mit dem Ziel, derartige flächendeckende Maßnahmen zu vermeiden und zu verhindern.“

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