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Bad Wörishofen

02.07.2018

Theaterstück: Woher komme ich, wohin gehe ich?

Mit dem Thema „Herkunft“ haben sich vier Schülergruppen beschäftigt und daraus jeweils eine Aufführung gemacht, die sie jetzt auf der Studiobühne des Landestheaters Schwaben gezeigt haben. Mit dabei waren bei dem Ereignis auch Mittelschüler aus Bad Wörishofen.
Bild: Martina Vodermayer

In einem neuen Migrationsprojekt beschäftigen sich Mittelschüler mit ihrer Herkunft. Auch Schüler aus Bad Wörishofen stehen auf der Bühne.

Ungewohntes Treiben herrscht im Landestheater Schwaben (LTS) in Memmingen. Bezirkstagsvizepräsident Alfons Weber, Intendantin Kathrin Mädler und André Bücker vom Stadttheater Augsburg eröffnen das Abschlussfestival eines neuen Migrationsprojekts für Schwaben, bei dem die beiden Bühnen erstmals zusammenarbeiten. Drei Tage lang bevölkern 63 Jugendliche das Theater. Vier Schüler-Spielgruppen aus Augsburg, Bad Wörishofen und Memmingen stellen sich gegenseitig ihre Werkschauen zum Thema „Herkunft“ vor, präsentieren, diskutieren.

In ihren Schulen hat jede Spielgruppe an sechs bis neun Schultagen unter der Begleitung und Anleitung von professionellen Spielleitern ihr eigenes Theaterstück zum vorgegebenen Thema „Herkunft“ geschrieben, inszeniert und geprobt. Nun kommen die Werkstücke auf der Studiobühne zur Aufführung. Die teilnehmenden Schüler kommen von der Hans-Adlhoch-Mittelschule Augsburg-Pfersee, der Pfarrer-Kneipp-Mittelschule Bad Wörishofen sowie der Linden-Mittelschule und der Wirtschaftsschule in Memmingen.

Die Mittelschüler aus Schwaben und dem Unterallgäu beschäftigen sich mit Migration

Inhaltsreich und fantasievoll sind alle Inszenierungen. Die Klasse 7CG der Memminger Wirtschaftsschule stellt ihre Szenen zuletzt vor. Ein Lichtkegel streift durch den dunklen Raum der Studiobühne. Das Licht sucht einen Ort, an dem es aber nicht verweilt. „Manchmal weiß ich nicht, woher ich komme und wohin ich gehe“, spricht eine Spielerin. Irgendwann verlassen die Lichtkegel der Taschenlampen die Bühne und treffen auf einzelne Zuschauer. „Was ist Herkunft für dich?“ fragen die jungen Theaterspieler ins Publikum.

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Antworten auf die Frage geben sie selbst. „Herkunft ist wie eine Kartoffel, darin steckt Energie – und die ist gelb“, ist eine, die belustigt. „Da wo ich herkomme, ist da, wo mein Zuhause ist. Und wie wir alle wissen, ist zu Hause da, wo wir uns wohlfühlen“, liest Ralf (13) vor. Ernst wird das Spiel, als Krieg und Migration über Standbilder und kurze Selbstaussagen zur Darstellung kommen. Ahmad (14) zum Beispiel nennt in wenigen Worten seinen Weg der Migration: „2011 sind wir von Syrien nach Jordanien gegangen, weil mein Vater die Unruhen in Syrien gespürt hat. Dort blieben wir zwei Jahre, dann gingen wir in die Türkei, weil dort meine Oma lebt. Doch in der Türkei durften wir nicht in die Schule gehen, deshalb sind wir nach Deutschland gekommen.“ Variantenreich wird das Spiel über Tanz und Gesang gestaltet. Schülerinnen singen einzeln und ohne instrumentale Begleitung Volkslieder aus ihrer Herkunftskultur. „Auf der schwäb’schen Eisenbahne“ erklingt neben „Kalinka“ und Liedern aus Bosnien und der Türkei a cappella auf der Bühne.

Bei den Zuschauern ist der Gesang am eindrücklichsten haften geblieben. Die Theaterpädagoginnen Claudia Schilling (Memmingen), Nicoletta Kindermann und Imme Heiligendorff (beide Augsburg), die das Migrationsprojekt gemeinsam konzipiert haben, moderieren eine Reflexionsrunde nach jeder Aufführung. „Die jungen Schauspieler erhalten so nicht nur Applaus und das Erfolgserlebnis einer Bühnenaufführung, sondern auch Rückmeldung darüber, wie das Stück verstanden wurde“, sagen sie.

Auch Schüler aus Bad Wörishofen sind beteiligt

Zuschauer sind die Schüler der anderen Spielgruppen, deren Spielleiter und die betreuenden Lehrer. Ohne Öffentlichkeit finde das Festival in einem geschützten Raum im Sinne der theaterpädagogischen Arbeit statt, sagt Mädler. Erst beim gemeinsamen Festivalabschluss lernen sich die Teilnehmer mit ihren jeweiligen Arbeiten kennen. Der Stundenplan ist gefüllt mit Warm-ups, Reflexionsrunden, Proben, Aufführungen. Geschlafen wird in der Turnhalle, gegessen in der zur Schüler-Mensa umfunktionierten Studiobühne.

Beim Erarbeiten des gemeinsamen Werkstücks lernten die Schüler eine neue Seite an sich selbst kennen, das Festivalwochenende eröffnet ihnen die Begegnung mit der professionellen Theaterwelt. „Mir hat alles gefallen, es hat Spaß gemacht, ein Stück gemeinsam zu machen, es ist einfach ein gutes Gefühl“, sagt Bariye.

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