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Justiz

06.04.2018

Thermen-Besuch endet fast im Gefängnis

Symbolfoto
Bild: Wolfgang Widemann

Ein Pärchen aus Neu-Ulm ließ es sich erst gut gehen und drückte sich dann ohne zu bezahlen an der Kasse vorbei. Doch beim dritten Besuch flog der Betrug auf – gestern standen die beiden Wellness-Liebhaber deshalb vor Gericht

 So in Besuch in der Therme Bad Wörishofen kann ganz schön ins Geld gehen: je 30 Euro bezahlte der 59-jährige Neu-Ulmer für sich und seine drei Jahre jüngere Partnerin, um es sich hier im Winter 2016 einen Abend lang gut gehen zu lassen und in der Sauna entspannen zu können.

Und offenbar hatte die beiden ihr Wellness-Aufenthalt auch hungrig und durstig gemacht: Exakt 84,40 Euro hatten sich auf ihrem „Schlüssel“ angesammelt, den jeder Besucher an der Kasse bekommt und mit dem dann beim Verlassen der Therme alle angefallenen Kosten abgerechnet werden.

Beziehungsweise: Werden sollten. Denn der 59-Jährige hatte, so sagte er zumindest gestern vor dem Memminger Amtsgericht aus, „ganz spontan“ die Idee, dass er seine Freundin einladen wollte. Er nahm also beide Schlüssel an sich, als die 56-Jährige Neu-Ulmerin dann auch schnurstracks an der Kasse vorbeimarschierte, an der sich kurz nach Mitternacht eine größere Schlange gebildet hatte: „Da war ein ziemliches Gewurtschtel“, beschrieb es der Angeklagte. Er stellte sich also an, während seine Freundin hinter der Kasse im Eingangsbereich der Therme wartete.

Der Saunafan aus Neu-Ulm gab auch einen der beiden Schlüssel zurück – aber eben genau den, auf dem keine Umsätze in der Thermen-Gastronomie gebucht worden waren. Die hatte das Pärchen – Zufall oder nicht? – allesamt nur auf einen Schlüssel gebucht, und den steckte der 59-jährige ein – und machte sich aus dem Staub, ohne die Rechnung zu bezahlen.

Nach der gleichen Masche ging er dann einen Monat später noch einmal vor – diesmal hatte das Pärchen für 82 Euro gegessen und getrunken. Auch bei diesem Thermen-Besuch wurde alles auf einen Schlüssel gebucht, wieder ging seine Freundin im Gewusel an der Kasse vorbei, wieder gab der Neu-Ulmer dann an der Kasse nur den einen Schlüssel ab, auf dem nichts gebucht war. Und wieder machte er sich aus dem Staub, ohne zu bezahlen.

Im Februar 2017 stand der Neu-Ulmer dann erneut an der Kasse, seine Freundin war auch diesmal schon an der Kasse vorbei gegangen. Da erinnerte sich eine Thermen-Mitarbeiterin an der Kasse an den großen, korpulenten Mann – und der Sicherheitsdienst griff zu, auch wenn der Neu-Ulmer diesmal seine Rechnung bezahlt hatte.

Hatte seine Freundin in allen Fällen wirklich nicht mitbekommen, dass ihr Partner „an der Kasse beschissen“ hatte, wie es Amtsrichterin Barbara Roßdeutscher formulierte? Nein, ganz bestimmt nicht, sowas würde sie nie tun, beteuerte sie unter Tränen. Und ihr Freund, mit dem sie in einem Neu-Ulmer Ortsteil zusammen wohnt, bestätigte dies auch in seinem umfassenden Geständnis: „Es tut mir leid, dass sich meine Freundin da mit reingezogen habe. Ich weiß nicht, was mich in diesem Moment geritten hat...“

So ganz überzeugt war Amtsrichterin Roßdeutscher von dieser übereinstimmenden Aussage zwar offenbar nicht, dennoch stellte sie das Verfahren gegen die 61-Jährige ein, nachdem ihr Partner alle Schuld für die Betrügereien auf sich genommen hatte. Dass sie die Einstellung des Verfahrens akzeptiere, stelle auch kein Schuldeingeständnis dar, machte Rechtsanwalt Ralph Walker ( Ulm) seiner in Tränen aufgelösten Mandantin dann noch einmal deutlich.

Nicht so leicht kam jedoch der 59-jährige Angeklagte davon – weniger wegen des Schadens, den Amtsrichterin Roßdeutscher als „nicht weltbewegend“ bezeichnete. Vielmehr hat der Mann ein langes Vorstrafenregister, das von kleineren Betrügereien bis zu Ladendiebstählen reicht. Aber auch einen vorsätzlichen Bankrott, Unterschlagung und Betrug hat der ehemalige Gastwirt auf dem Kerbholz, der inzwischen „Finanzberater“ als Beruf angibt.

Als solcher ist er derzeit aber nicht tätig – vielleicht auch, weil er seine eigenen Finanzen ganz und gar nicht im Griff zu haben scheint. Er selbst habe kein Einkommen und lebe von dem, was seine Partnerin und zwei mit im Haushalt lebende Kinder verdienen. Er könne aber auch gar nicht arbeiten, da er seine beiden hochbetagten, schwer kranken und pflegebedürftigen Eltern pflegen müsse, die ohne seine Unterstützung im Heim landen würden. Dies, so Richterin Roßdeutscher, sei zwar ehrenwert, könne aber keineswegs bei sämtlichen Straftaten „wie ein Schutzschild vor sich hergetragen“ werden und so eine Bestrafung verhindern.

Immerhin sei er immer wieder vor Gericht gelandet und wurde mehrfach verurteilt – immer zu kleineren Strafen, die dann zur Bewährung ausgesetzt wurden. Diesmal, das machte auch Patrizia Heinzelmann von der Staatsanwaltschaft ganz unmissverständlich deutlich, sei es wohl die letzte Chance für die Justiz, hier noch einmal ein Auge zuzudrücken. Heinzelmann forderte ein Jahr Gefängnisstrafe, die jedoch zur noch einmal zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Diesem Antrag folgte auch Amtsrichterin Barbara Roßdeutscher, ohne jedoch dem Angeklagten eine letzte Warnung mit auf dem Weg zu geben: „Ihnen ist jetzt hoffentlich klar, dass sie mit mindestens einem Bein im Gefängnis stehen...“

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